Unternehmensteuer Neue Lust an der Steuerlast?

Sinkende Steuersätze, weniger Mantelkäufe: Die neue Reform der Unternehmensteuern hat den parlamentarischen Weg fast hinter sich. manager-magazin.de stellt zusammen, was die Unternehmen nun vor sich haben.

Berlin - Der Schock von 2001 ist nicht vergessen. Kaum mehr als ein Jahr, nachdem Hans Eichel seine Steuerreform verkündet hatte, stieß die Republik an die Grenzen ihrer finanziellen Handlungsfähigkeit.

Der Grund: Das neue Gesetzespaket sah vor, dass Aktiengesellschaften steuerfrei gestellt werden, wenn sie Tochterunternehmen verkaufen. Außerdem gab es Rückerstattungen für zuvor versteuerte Gewinne, wenn sie nachträglich doch noch ausgeschüttet wurden. Die Regierung gab sich schockiert: Die Unternehmenslenker hatten tatsächlich von den neuen Gesetzen Gebrauch gemacht. Alle Etatprognosen waren Makulatur.

Nun, im Jahr 2007, sollen die Unternehmen abermals entlastet werden. Das ist das erklärte Ziel der Unternehmensteuerreform, die heute den Bundestag passiert hat; noch vor der Sommerpause soll der Bundesrat zustimmen. Mit Blick auf die Erfahrungen von 2001 wurde viel über die Kosten der Reform gestritten. Zuletzt allerdings weniger heftig, versprechen doch die neuesten Steuerschätzungen ohnehin einen Anstieg der Staatseinnahmen, der Konjunktur und der massiv gestiegenen Mehrwertsteuer sei Dank.

Kern des Paketes ist die Senkung des Körperschaftsteuersatzes auf 15 von 25 Prozent und der Gewerbesteuermesszahl von 5 auf 3,5 Prozent. Im Gegenzug sollen Steuerschlupflöcher - Experten sprechen süffisant von "Gestaltungsmöglichkeiten" - eingeschränkt und die Bemessungsgrundlage der Gewerbesteuer verbreitert werden. Finanzminister Peer Steinbrück will das als Gegenfinanzierung verstanden wissen.

Nicht alle Firmen profitieren gleich stark

Nicht alle Firmen profitieren gleich stark

Doch davon kann zunächst nicht die Rede sein: Die billigen Sätze sollen Anfang 2008 gelten, die ausgleichenden Belastungen in vollem Umfang erst 2009. Was das konkret fürs Staatssäckel heißt, muss man abwarten. Bekanntlich irren auch Steuerschätzer.

Steinbrück hat im Vorfeld alles getan, um die Risiken gering erscheinen zu lassen. Er beziffert die Mindereinnahmen auf 5 Milliarden Euro pro Jahr - aber erst, wenn alle Punkte der Reform in Kraft getreten sind. Kritiker wie der Wiesbadener Steuerexperte Lorenz Jarass halten das für unrealistisch und tippen auf Einnahmeausfälle von mehr als zehn Milliarden Euro. Ansonsten setzt der Finanzminister auf das Prinzip Hoffnung: Wenn sich durch die neuen Steuern mehr Firmen angezogen fühlen, sollen letztlich doch mehr Gelder fließen.

Dass die Unternehmen - alles in allem - profitieren werden, wird kaum bezweifelt. Allerdings hebt eine Studie der Commerzbank hervor, dass ertragsschwache und stark fremdfinanzierte Unternehmen deutlich weniger Vorteile haben werden als andere. Am meisten dürften sich demnach die Autohersteller und die Chemiekonzerne in Deutschland über die Reform freuen, weil sie eine geringe Kreditquote aufweisen. Schlusslichter in dieser Disziplin sind der Einzelhandel, das Bau- und das Kfz-Gewerbe.

Komplette Steuererlasse wie 2001 sind diesmal nicht in Sicht - außer, es findet sich doch noch eine Lücke. Welche Neuerungen im Einzelnen die Unternehmen locken und welche Belastungen dem gegenüberstehen, hat manager-magazin.de im Folgenden zusammengestellt.

Rücklage & Co. - die Entlastungen

Entlastungen für Unternehmen

Steuersatz: Die plakative Senkung des Steuersatzes von 25 auf 15 Prozent bezieht sich auf die Körperschaftssteuer. Für Kapitalgesellschaften, also AGs und GmbHs, wird die Gesamtbelastung einbehaltener Gewinne auf 29,83 Prozent gesenkt, wie das Finanzministerium vorrechnet. Hinzu kommt die abgesenkte Steuermesszahl der Gewerbesteuer von 5 auf 3,5 Prozent.

Thesaurierungsrücklage: Personengesellschaften, die den Großteil deutscher Betriebe stellen, zahlen auf den Gewinn bis zu 42 Prozent Einkommensteuer. Soweit die Theorie: Mehr als 80 Prozent dieser Gesellschaften haben schon heute eine effektive Steuerbelastung von unter 20 Prozent. Künftig sollen auf Antrag einbehaltene Gewinne mit 28,25 Prozent besteuert werden. Diese so genannte Thesaurierungsrücklage ist nur für große Personengesellschaften attraktiv.

Ansparrücklage: Kleinere und mittlere Firmen werden über eine verbesserte Ansparrücklage entlastet. Sie sollen für künftige Investitionen eine Rücklage bilden können, die in einer Höhe bis 235.000 Euro den zu versteuernden Gewinn mindert.

Anrechnung: Ebenfalls auf Personengesellschaften zielt eine Regelung, nach der in größerem Umfang als bisher die Einkommenssteuerschuld auf die Gewerbesteuer angerechnet werden kann.

Mantelkauf & Co. - die Belastungen

Belastungen für Unternehmen

Zinsschranke: Künftig soll verhindert werden, dass über konzerninterne Finanzkonstrukte Gewinne künstlich ins steuergünstigere Ausland verlagert werden. Dazu wird die Abziehbarkeit von Zinsaufwendungen beschränkt. So wird der Zinsaufwand nur bis zu 30 Prozent des Rohgewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen berücksichtigt - die so genannte Zinsschranke. Es gibt aber einen Freibetrag von einer Million Euro Zinskosten.

Gewerbesteuer: Die Gewerbesteuer wird künftig auf größere Teile des Gewinns erhoben. Bisher werden bei der Gewerbesteuer 50 Prozent der Zinsen für Dauerschulden dem Gewinn hinzugerechnet. Dieser Anteil wird auf 25 Prozent gesenkt, dafür aber alle Schuldzinsen hinzugerechnet. Ebenfalls mit 25 Prozent hinzugerechnet werden Finanzierungsanteile von Mieten, Pachten, Lizenzen und Leasingraten. Damit sollen Tricks verhindert werden, mit denen Gewinne steuerfrei ins Ausland geschleust werden, etwa indem ausländische Unternehmen deutschen Töchtern die Verwendung des eigenen Markennamens in Rechnung stellen. Skonti und Boni bleiben unberücksichtigt.

Funktionsverlagerungen: Bei Verlagerungen betrieblicher Funktionen in Niedrigsteuerländer muss das künftige Gewinnpotenzial ermittelt werden. So soll verhindert werden, dass Forschungskosten steuermindernd geltend gemacht werden, die spätere Produktion aber ins Ausland verlagert wird, sobald sie Gewinn abwirft.

Mantelkauf: Übernimmt ein Unternehmen eine mit hohen Verlusten belastete Firma mit dem einzigen Ziel, diese Verluste steuerlich geltend zu machen, kann man von einem missbräuchlichen "Mantelkauf" sprechen. Diese Praxis soll eingedämmt werden.

Abgeltungssteuer: Zum 1. Januar 2009 wird eine Abgeltungssteuer von 25 Prozent für Zinsen, Dividenden und Gewinne aus der Veräußerung von Kapitalanlagen eingeführt. Die Verrechnung von Verlusten aus Aktienverkäufen bleibt auf Gewinne aus solchen Geschäften beschränkt.

Mit Material von dpa und reuters

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