EADS Gallois fordert neue Führungsstruktur

Der französische Co-Chef von EADS, Louis Gallois, hat sich für eine Änderung des Aktionärspaktes ausgesprochen, in dem die deutsch-französische Führung des größten europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns festgeschrieben ist. Noch aber hält der Pakt.

Paris - Der französische Präsident Nicolas Sarkozy sehe eine Änderung des Aktionärspaktes als nötig an, um bei einer Kapitalerhöhung neue Aktionäre aufnehmen zu können, die am Konzernmanagement mitwirken, sagte Gallois der Zeitung "Monde". Er teile diese Auffassung.

Die EADS-Großaktionäre DaimlerChrysler , Lagardère und der französische Staat haben 1999 einen Pakt geschlossen, der die deutsch-französische Doppelbesetzung der Führungsposten vorsieht.

"Wir müssen in Richtung auf eine normalere Führung gehen, doch das kann dauern", sagte Gallois. "Entscheidend ist, dass die Richtung gewiesen wird. Das geht möglicherweise über eine Reform des Aktionärspaktes." Russland hat sich mit 5,02 Prozent an EADS  beteiligt, ohne im Konzern mitreden zu dürfen.

Der Sanierungsplan "Power8", der unter anderem den Abbau von 10.000 Stellen vorsieht, basiert laut Gallois auf einem Wechselkurs von 1,35 Dollar je Euro. Wenn der Euro dauerhaft darüber liege, müsse man ein anderes Industriekonzept ins Auge fassen. Gallois warnte die Europäische Zentralbank vor einer Erhöhung der Leitzinsen, weil dies den Euro nach oben treiben würde. Derzeit liegt der Euro bei 1,345 Dollar.

Gallois dementierte Berichte, denen zufolge der EADS- Geschäftsführer und Leiter von EADS International, Jean-Paul Gut, mit einer Abfindung von zwölf Millionen Euro gehen wolle. Die Zahl sei reine Fantasie. Gut sei zudem nicht gegangen. Gallois erklärte aber zugleich, der Chef der EADS-Lenkwaffensparte, Marwan Lahoud, wäre als möglicher Nachfolger Guts eine "sehr gute Wahl". Zu den Aktienoptionen für Manager sagte Gallois, er sehe sie immer skeptischer. Das System erinnere an eine Lotterie. "Ich ziehe Gratisaktien vor, die eine echte Lohnergänzung sind."

Gallois' Vorgänger als EADS-Co-Chef, der frühere Airbus-Chef Noël Forgeard, war wegen seiner Millionengewinne mit Aktienoptionen und seiner Abfindung von 8,5 Millionen Euro in die Kritik geraten. Die Pariser Staatsanwaltschaft prüft nach Informationen vom Dienstag in einem Vorverfahren die Umstände der Abfindung. Anlass ist die Klage eines Kleinaktionärs gegen Forgeard wegen Untreue.

Forgeard war im Gefolge der Produktionskrise beim Airbus A380 Mitte 2006 bei EADS ausgeschieden. Wenige Monate zuvor hatte er auf dem Höhepunkt der EADS-Aktienkurse seine Aktienoptionen gezogen.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters