Deutsche Telekom "Es gibt ein Leben nach dem Streik"

Nichts bewegt sich im Streit um Stellenauslagerungen bei der Telekom. Die Gewerkschaft protzt mit Betriebsausfällen, das Management will keinen Millimeter nachgeben. Da fällt es schwer, positive Stimmung zu verbreiten. Ein Vorstand müht sich redlich.

Bonn - Eineinhalb Wochen nach dem Beginn des Arbeitskampfes bei der Deutschen Telekom AG werden die Folgen der Streikaktionen nach Angaben der Gewerkschaft Verdi für die Kunden immer stärker spürbar. Bei dem Bonner Konzern stapelten sich inzwischen einige zehntausend liegen gebliebene Aufträge. Das betreffe Neuinstallationen ebenso wie Entstörungen, sagte Verdi-Sprecher Jan Jurczyk. Die Service-Hotlines seien ebenfalls oft nur noch schwer erreichbar.

Am Dienstag befanden sich nach Angaben der Gewerkschaft erneut rund 15.000 Telekom-Mitarbeiter im Streik. Mit Aktionen in ähnlichem Ausmaß sei auch am Mittwoch zu rechnen, sagte der Gewerkschaftssprecher.

Signale für eine Annäherung der beiden Tarifparteien sahen die Gewerkschaften am Dienstag noch nicht. "Es gibt keinen Hinweis auf einen neuen Gesprächstermin", so Jurczyk. Verdi-Vorstand Lothar Schröder bekräftigte unterdessen im Deutschlandradio Kultur die Entschlossenheit der Gewerkschaft: "Bis die Telekom einlenkt, wird weiter gestreikt." Die Gewerkschaft warte auf ein Entgegenkommen des Unternehmens.

In einem Gespräch mit der Deutschen Presseagentur versuchte die Arbeitgeberseite, positive Signale auszusenden. "In jeder Tarifauseinandersetzung in der Bundesrepublik hat es eine Lösung gegeben", sagte Timotheus Höttges, im Telekom-Vorstand für das Festnetz zuständig. Derzeit finde ein Ringen um die beste Lösung statt. "Und wir werden eine finden. Es gibt ein Leben nach dem Streik."

Der Telekom-Manager räumte ein, dass es durch die Proteste Beeinträchtigungen gebe, "zum Beispiel bei der Entstörung". Das Unternehmen setze alles daran, dennoch eine möglichst hohe Servicequalität zu bieten. Verzögerungen bei Großprojekten sieht Höttges nicht. "Wir haben eine Arbeitsgruppe Streik, die sich auch mit Großveranstaltungen auseinander setzt."

Auch Beamten, die die Telekom beschäftigt, stößt das Unternehmen mit seinen Ausgliederungsplänen auf Schwierigkeiten. Eine Unternehmenssprecherin sagte, rund 15.000 Beamte hätten nach dem Erhalt eines Informationsschreibens zu den geplanten Änderungen Widerspruch angemeldet oder erklärt, noch offene Fragen zu haben.

Call-Center schwer erreichbar

Laut einer Telekomsprecherin sei vom Ausstand der technische Kundendienst vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Hessen betroffen, die technische Infrastruktur im Nordosten. Call-Center würden derzeit im Süden und Nordosten bestreikt. Es gebe derzeit vor allem im Osten Verzögerungen bei der Installation und bei Entstörungen. Zudem sei die Erreichbarkeit der Call-Center eingeschränkt.

Der am 11. Mai eingeleitete Streik richtet sich gegen die geplante Auslagerung von 50.000 Stellen bei der Festnetzsparte T-Com in rechtlich eigenständige T-Service-Gesellschaften. Dort sollen die Mitarbeiter 9 Prozent weniger verdienen und künftig 38 statt 34 Stunden pro Woche arbeiten.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa-afx