Siemens Die Börse begrüßt Peter Löscher

Die Siemens-Papiere legen an der Börse zu - Vorschusslorbeeren für Peter Löscher, den neuen Chef des Unternehmens. Er wurde am Sonntag vom Aufsichtsrat auf einer außerordentlichen Sitzung präsentiert.

München - Die Börsianer dürften sich die Hände reiben. Denn die Personalie Peter Löscher bescherte der Aktie von Siemens ein Plus von über 2 Prozent. Der Siemens-Aufsichtsrat war am Sonntag zu einer außerordentlichen Sitzung zusammengekommen und hatte mit eben jenem Peter Löscher den neuen Lenker des Unternehmens präsentiert.

Ein Überraschungskandidat. Löscher ist aktuell President Global Human Health bei dem Pharmaunternehmen Merck & Co in den USA. Zuvor hatte der Österreicher unter anderem bei General Electric, Aventis und Kienbaum und Partner gearbeitet. Der einzige Kandidat für das Amt war er beileibe nicht. Im Gespräch waren Berichten zufolge zuletzt zwei externe Kandidaten. Siemens  selbst wollte sich im Vorfeld dazu nicht äußern.

Kleinfeld hatte nach Widerstand gegen seine Vertragsverlängerung seinen Rückzug angekündigt. Seither lief die Nachfolgesuche auf Hochtouren. Haniel- Chef Eckhard Cordes wies in einem Interview derweil Spekulationen über einen Wechsel an die Spitze von Siemens mehrfach zurück. "Ich kann nur sagen, dass ich nicht gefragt wurde, ich mich hier ausgesprochen wohl fühle und wir mit unserem neuen Team bei Haniel konsequent unsere Strategie verfolgen", sagte Cordes der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Linde-Chef Wolfgang Reitzle hatte bereits vor Tagen abgewunken. Auch er wurde immer wieder als möglicher Nachfolger von Kleinfeld gehandelt.

Amtsantritt im Juli

Amtsantritt im Juli

Zum 1. Juli soll Löscher nun den Vorstandsvorsitzenden Klaus Kleinfeld ablösen, der sein Amt am 30. Juni niederlegen wird. Er freue sich darauf, so seine Reaktion. Einen Monat früher wird Heinrich Hiesinger in den Vorstand berufen. Er steht bislang dem Bereichsvorstand Siemens Building Technologies vor. Damit ist Hiesinger der neue Europa-Chef bei Siemens.

Die Umbesetzung dürfte als Neuanfang zu werten sein. Bei Siemens ermittelt die Staatsanwaltschaft derzeit wegen Schmiergeldzahlungen. Dass sich die Gelder in Milliardenhöhe bewegt haben sollen, wollte ein Sprecher der Anklagebehörde am Samstag allerdings nicht bestätigen. Das Magazin "Focus" hatte in seiner Online-Ausgabe berichtet, die Höhe der verdächtigen Zahlungen sei nach internen Erkenntnissen auf bis zu drei Milliarden Euro angewachsen. Davon entfielen eine Milliarde Euro auf den Bereich Telekommunikation und zwei Milliarden auf andere Geschäftsfelder.

Die Staatsanwaltschaft prüft früheren Angaben zufolge Geldströme im Umfang von 200 Millionen Euro; Siemens selbst betrachtet 420 Millionen als kritisch. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Geld von früheren Mitarbeitern und deren Komplizen aus der Firmenkasse abgezweigt und als Schmiergeld im Ausland verwendet worden ist. Am Samstag erklärte Siemens, zu einem laufenden Verfahren nicht Stellung nehmen zu wollen. Wie das Magazin weiter meldete, sollen die Ermittlungen noch vier Jahre andauern. Auch das wollte der Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht bestätigen.

Der stellvertretende Aufsichtsratschef und Zweite Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber erklärte, die Arbeitnehmer hätten in den vergangenen zwei Tagen ausführlich mit Löscher gesprochen. Er sei in der Lage, Siemens aus de Führungskrise und in ruhiges Fahrwasser zurückzuführen. Löscher habe zugesagt, keine Kahlschlagpolitik zu betreiben sowie die Arbeitsplätze in Deutschland und anderswo in den Mittelpunkt seiner Bemühungen zu stellen.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters