G8-Treffen Hochburg der Harmonie

In Potsdam bereiten sich die Finanzminister der G8-Staaten auf den Gipfel in Heiligendamm vor. Ergebnis: Ein zarter Tadel für China und gegenseitige Begütigung beim Thema Hedgefonds.

Potsdam - Die rasant wachsenden Investitionen Chinas in afrikanischen Rohstoffländern stoßen bei den westlichen Industrieländern zunehmend auf Sorge. Zwar verzichteten die G8-Finanzminister bei ihrem Treffen am Samstag in Werder bei Potsdam darauf, China öffentlich für seine leichtfertige Schuldenpolitik an den Pranger zu stellen.

Sie drängten aber dazu, im größeren Kreis der G-20 Regeln für eine verantwortungsvolle Kreditvergabe in Afrika zu verabschieden, damit keine neuen Schuldenberge entstehen. Hilfsorganisationen werfen der Führung in Peking vor, sie mache in ihrer Rohstoffgier auch vor Diktatoren nicht halt. Aber immerhin hielten die Chinesen - anders als der Westen - ihre finanziellen Zusagen. Die klassischen Kreditgeber und Investoren in Afrika aus den etablierten Industrieländern hatten in den vergangenen Jahren afrikanischen Ländern Schulden in Milliardenhöhe erlassen.

Allein für Deutschland seien das 10,5 Milliarden Dollar gewesen, sagte Finanzminister Peer Steinbrück. Nun dringen die früheren Kreditgeber auf eine nachhaltige Finanzpolitik in den afrikanischen Staaten und bieten dazu mit einem Aktionsprogramm Hilfe an. China dagegen will über seine freigiebige Kreditpolitik bislang nicht reden. Vielmehr will es sich damit den Zugriff auf wichtige Rohstoffe erkaufen. Die deutsche Wirtschaft beklagt bereits, sie drohe bei der Sicherung der eigenen Rohstoffversorgung ins Hintertreffen zu geraten. In einem deutschen Arbeitspapier zum Aktionsprogramm für Afrika war China noch namentlich aufgefordert worden, bei seiner Kreditvergabe darauf zu achten, dass den afrikanischen Ländern keine neuen Schuldenprobleme entstehen.

Offensichtlich aus diplomatischen Gründen fehlte die Passage dann aber in den Abschlusserklärungen. Gleichwohl wurde Finanzminister Peer Steinbrück als Vorsitzender der G7/G8-Finanzminister im Anschluss an das Treffen sehr deutlich. Ja, die G8 sähen ein zunehmendes Interesse von China an den afrikanischen Rohstoffen, sagte er. Und man sehe, dass sie beim Ankauf von Rohstoffen in Kauf nähmen, über die Gewährung von günstigen Krediten wieder eine Schuldenspirale in Gang zu setzen. Die habe der G8-Kreis aber gerade erst mit seinen Erlassen durchbrochen.

Steinbrück warnte, die Folge könnte ein neuerlicher Finanzkollaps afrikanischer Staaten sein. Dieses Vorgehen widerspreche aber den im Internationalen Währungsfonds festgeschriebenen Maßstäben. "Mit dem pädagogischen Zeigefinger kommt man nicht weiter", räumte Steinbrück gleichwohl ein. Über die Chinesen zu sprechen, die bei den sieben führenden Industrieländern und Russland (G8) nicht immer am Tisch sitzen, sei sinnlos. Man müsse mit ihnen reden. Deshalb komme das Thema auf die Tagesordnung der weiter gefassten G20-Runde im November in Südafrika. Das Ziel seien dort gemeinsame Regeln für eine gesunde Kreditvergabe.

Nach Einschätzung von Hilfsorganisationen wird das nicht reichen. Die Industrieländer müssten zunächst selbst ihre Hilfszusagen an Afrika einlösen, forderte etwa kürzlich die Organisation DATA, die mit den Musikern Bono und Bob Geldof zusammen arbeitet: "China ist in keiner Weise ein guter Partner für Afrika - aber es hält seine Geldversprechen. Und das ist mehr, als man derzeit von den G-8 sagen kann." Vertreter von Oxfam warfen den G-8 gar einen "kollektiven Gedächtnisverlust" gegenüber den eigenen Versprechungen an Afrika vor.

Zankapfel Hedgefonds

Zankapfel Hedgefonds

Werder (dpa) - In der internationalen Debatte um mehr Kontrolle der hochspekulativen Hedgefonds gibt es nach Darstellung von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück weitgehende Einigkeit. "Die Differenzen bestehen nicht in der Substanz, sondern in der Form", sagte Steinbrück am Samstag nach zweitägigen Beratungen der G8- Finanzminister in Werder bei Potsdam. Die USA und Großbritannien, die als größte Bremser in der Diskussion gelten, bestünden darauf, dass die angestrebten Verhaltensregeln durch die Branche selbst etabliert und überwacht werden und nicht von der Politik und Aufsichtsbehörden.

Steinbrück hob hervor, dass die erst im Februar von der deutschen G8-Präsidentschaft angestoßene Diskussion bereits nach drei Monaten deutliche Fortschritte gebracht habe. Er sei stolz darauf, im Kreise der Minister und Notenbanker Komplimente für seinen Vorstoß zu erhalten, sagte Steinbrück. Japan, das 2008 den Vorsitz über die Gruppe der wichtigsten Industrienationen und Russlands übernehme, habe bereits angekündigt, diese Diskussion weiter voranzutreiben.

Positiv wertet Steinbrück vor allem, dass neben der Finanzwirtschaft die Hedgefonds-Branche selbst positive Signale gesendet habe. Aus den Reihen dieser Fonds, die bislang weitgehend unkontrolliert mit riesigen Milliardensummen jonglieren, werde ein wachsendes Interesse an einer Art Gütesiegel laut. Bislang, so Steinbrück, seien beispielsweise so wenig Informationen über Risikopositionen verfügbar, dass Geldgeber von Hedge-Fonds mögliche Gefahren überhaupt nicht einschätzen könnten.

Seit 1999 hat sich das verwaltete Vermögen der Hedgefonds verfünffacht. Derzeit verwalten die Fonds rund 1,6 Billionen Dollar. Die Zahl der Fonds beläuft sich auf rund 9000. Vor allem institutionelle Anleger wie Pensionsfonds aus den USA sorgten in den vergangenen Jahren für starke Mittelzuflüsse. Deswegen rückt das Thema Kontrolle auch aus Sicht des Anlegerschutzes zunehmend in den Mittelpunkt. Ins Licht der Öffentlichkeit kamen die Fonds erstmals, als 1998 der Fonds Long-Term Capital Management (LTCM) fast pleite ging und für kurze Zeit ein Crash der Weltfinanzmärkte befürchtet wurde.

Auch das von den Industrieländern getragene Forum für Finanzstabilität (FSF) sprach sich in einem am Samstag bekannt gewordenen Bericht für die G8-Finanzminister für mehr Marktdisziplin sowie eine bessere Risikovorsorge sowohl der Fonds als auch der die Fonds finanzierenden Banken aus. Der FSF-Bericht war Grundlage für die Beratungen der Finanzminister der sieben führenden Industrieländer und Russlands (G8) in Werder. Auch beim G8-Gipfel Anfang Juni in Heiligendamm soll das Thema auf der Tagesordnung stehen.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac warf den G8-Minister vor, sich nur um die Risiken für die Kreditgeber der Hedgefonds und die Finanzstabilität zu sorgen und dabei die negativen Folgen für Beschäftigung, Umwelt und Soziales außer Acht zu lassen. Die geplante Selbstverpflichtung für Hedgefonds schließlich sei lächerlich, kritisierte Peter Wahl vom Attac-Koordinierungskreis. "Der Fuchs soll selbst dafür sorgen, keine Gänse mehr zu stehlen." Das sei eine Kapitulation vor den "Heuschrecken".

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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