DaimlerChrysler "Es gab Gerüchte"

Der Kapitalmarkt sei ein Grund für die Trennung von Daimler und Chrysler gewesen, berichtet Daimler-Chef Dieter Zetsche. Eine Art Selbstschutz also vor Übernahmen. Und lobt seinen Vorgänger Jürgen Schrempp.

Stuttgart - Daimler-Chef Dieter Zetsche nennt den Druck der Kapitalmärkte als ein maßgebliches Motiv für die Trennung von Chrysler. "Unser Marktwert lag vor einem Jahr bei 35 Milliarden Euro. Wenn Sie sehen, dass wir heute etwa 30 Milliarden höher bewertet werden, können Sie ermessen, welchen Begehrlichkeiten wir bei dem niedrigen Kurs ausgesetzt waren", sagte Zetsche der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" laut Vorabbericht. Es sei also gut, dass Daimler  die Initiative ergriffen und den Prozess zu jedem Zeitpunkt selbst gesteuert habe.

Auf die Frage, ob er konkrete Hinweise für den Versuch einer feindlichen Übernahme hatte, antwortete Zetsche ausweichend. "Es gab unendlich viele Gerüchte im Markt. Ob die einen faktischen Hinterrund hatten oder nicht, das weiß ich nicht - das ist heute auch nicht mehr relevant", sagte er dem Blatt. Die Initiative zum Verkauf von Chrysler an Cerberus sei von dem Finanzinvestor ausgegangen.

Die ersten Gespräche in seinem Büro in Untertürkheim mit Cerberus habe er aber geführt, lange bevor der frühere Daimler Manager Wolfgang Bernhard "dort angeheuert habe", sagte Zetsche. Sein ehemaliger Vorstandskollege sei erst später, in der entscheidenden Phase aufgetreten, nicht hinter den Kulissen, sondern in den Gesprächen. " Dabei hat er eine positive Rolle gespielt", sagte Zetsche.

Zu seinem Vorgänger Jürgen Schrempp, der einst die Fusion mit Chrysler vereinbart hatte, habe er in dieser Phase keinen Kontakt gehabt, sagte Zetsche. Es habe auch keine Reaktion von Schrempp gegeben. "Er hat sich bewusst nicht eingemischt. Das schätze ich sehr, denn er hätte sicher genügend Gelegenheiten gehabt, sich öffentlich zu äußern", sagte Zetsche.

manager-magazin.de mit Material von ddp