Commerzbank Doppeltes Gehalt für Aufsichtsräte

Vorstandschef Klaus-Peter Müller wirbt auf der Hauptversammlung der Commerzbank für eine saftige Erhöhung der Aufsichtsratsgehälter. Die Pläne stoßen bei Kleinaktionären auf Widerstand. Zudem hat Müller den Verkauf der französischen Vermögensverwaltungstochter CCR angekündigt.

Frankfurt am Main - Beflügelt von einem guten ersten Quartal will die Commerzbank  ihre Offensive bei Privatkunden fortsetzen. Deutschlands zweitgrößte Bank habe sich "für die nächsten Jahre eine offensive Strategie verordnet", sagte Vorstandschef Klaus-Peter Müller während der Hauptversammlung am Mittwoch in Frankfurt. Er bekräftigte das Ziel, bis 2009 zusätzlich 800.000 neue Privatkunden zu gewinnen.

Im Ausland sehe der Dax-Konzern weiterhin vor allem Asien und Osteuropa als Wachstumsmärkte. "Von unserer jetzt soliden Basis aus wollen wir weiter wachsen, nehmen hierfür auch das nötige Geld in die Hand und scheuen vor Akquisitionen nicht zurück."

Müller hat außerdem bei den Aktionären für eine höhere Bezahlung der Commerzbank-Aufsichtsräte geworben. "Komplexität, Zeitaufwand und Verantwortung haben sich für die Mitglieder eines Aufsichtsrates in den vergangenen Jahren generell erhöht, bei der Commerzbank zusätzlich durch die Übernahme der Eurohypo AG", sagte Müller. Die Bank will die feste Grundvergütung auf jährlich 40.000 Euro verdoppeln, auch die an die Dividende gekoppelte variable Zahlung soll um 50 Prozent erhöht werden.

Der Plan stößt bei Aktionären auf Kritik. "Das ist ein ziemlich heftiger Schluck aus der Pulle, den sich der Aufsichtsrat hier genehmigen lassen möchte", sagte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) unter dem Beifall vieler Anleger. Andere Aktionärsvertreter signalisierten Zustimmung: Die Bezüge von Vorstand und Aufsichtsrat bei der Commerzbank seien "im internationalen Vergleich bescheiden".

Vorstandschef Müller hatte außerdem angekündigt, dass die Commerzbank sich für einen Verkauf der französischen Vermögensverwaltungstochter Caisse Centrale de Reescompte (CCR) entschieden habe. "Auch hier planen wir - in konsequenter Umsetzung unserer Strategie - einen Verkauf", erklärte Müller laut Redetext. Man stehe allerdings keineswegs unter Zeitdruck.

Der Verkauf spülte einen außerordentlichen Ertrag von 300 Millionen Euro in die Kassen. Bislang hatte die Commerzbank betont, sie prüfe bei CCR alle strategischen Optionen. Der Verkauf war nur als eine Möglichkeit gesehen worden.

Darüber hinaus hat die Commerzbank bei der Hauptversammlung ihre in der vergangenen Woche erhöhten Ziele für dieses Jahr bekräftigt. Das Institut gehe nach dem starken ersten Quartal davon aus, das Ziel einer Eigenkapitalrendite nach Steuern von mehr als 12 Prozent in diesem Jahr übertreffen zu können, sagte Vorstandschef Müller. "Wir haben nachhaltig bewiesen, dass wir unsere Zielvorgaben nicht nur erfüllen, sondern vielfach übertreffen."

Im ersten Quartal lag die bereinigte Eigenkapitalrendite bei 17,1 (Vorjahr 11,3) Prozent. In 2006 erreichte die Bank 11,2 Prozent, nachdem sie mindestens 10 Prozent in Aussicht gestellt hatte. Bis spätestens 2010 sollen dauerhaft 15 Prozent jährlich erreicht werden.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx