Schmiergeldaffäre Siemens stärkt Cromme den Rücken

Siemens hat dementiert, dass der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats seit Jahren über das Schmiergeldsystem informiert gewesen sei. Es gebe keine Hinweise darauf, dass das Gremium seine Aufgaben nicht erfüllt habe.

München - Der Elektrokonzern Siemens  hat im Schmiergeld- Skandal Vorwürfe gegen den Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates zurückgewiesen. "Es sind im Rahmen der Debevoise-Untersuchungen keine Hinweise darauf gefunden worden, dass der Prüfungsausschuss auf der Basis der zur Verfügung gestellten Informationen seine Aufgaben nicht erfüllt hat", sagte ein Siemens-Sprecher am Montag in München. Damit reagierte er auf einen Bericht des Nachrichten-Magazins DER SPIEGEL. Die US-Kanzlei Debevoise & Plimpton ist vom Siemens-Aufsichtsrat mit internen Ermittlungen in der Schmiergeld-Affäre beauftragt.

Im SPIEGEL war von einem Bericht an den Prüfungsausschuss vom Dezember 2006 die Rede gewesen, in dem laut Magazin der Eindruck erweckt worden war, das Gremium sei seit Jahren über das Schmiergeldsystem in der Kommunikationssparte informiert gewesen. Der neue Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme hatte dies im SPIEGEL zurückgewiesen. "Selbst ein bösgläubiger Mensch hätte hinter der Art der Darstellung nicht den Skandal vermuten können, vor dem Siemens heute steht", wurde Cromme zitiert. Diese Einschätzung bestätigte der Siemens-Sprecher am Montag.

Der Bericht soll von dem ehemaligen Anti-Korruptionsbeauftragten Albrecht Schäfer verfasst worden sein. Um seine Zukunft soll sich mittlerweile nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) ein Machtkampf an der Siemens-Spitze entwickelt haben. Mitglieder des Aufsichtsrates drohen demnach dem Vorstand mit Konsequenzen, falls Schäfer nicht gekündigt werde, hieß es in dem Bericht.

Schäfer werde angelastet, dem Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates wesentliche Hinweise auf systematische Bestechungsdelikte vorenthalten zu haben, hieß es. Debevoise & Plimpton habe deshalb bereits im April empfohlen, Schäfer fristlos zu kündigen, bisher sei aber offenbar nichts geschehen. Der Siemens-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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