Chrysler-Verkauf Problem Pensionskasse erledigt

Der US-Investor Cerberus kauft die Mehrheit an Chrysler und könnte nun dessen Finanzsparte mit der von General Motors zusammenlegen. Von den milliardenschweren Vorsorgeverpflichtungen hat sich DaimlerChrysler durch den Verkauf entbunden.
Von Christian Buchholz

Stuttgart/Auburn Hills - Ein Kernpunkt der Verhandlungen zwischen DaimlerChrysler  und dem US-Investor Cerberus über den Chrysler-Deal waren die hohen Pensionskosten des US-Konzerns: Auf 18 Milliarden Dollar summieren sich die Verpflichtungen für Gesundheits- und Pensionsfonds der momentan 80.000 Beschäftigten bei Chrysler.

DaimlerChrysler behält zwar einen Anteil von knapp einem Fünftel an Chrysler, dies aber "als reine At-Equity-Beteiligung, so dass die angesprochenen Verpflichtungen künftig nicht mehr in unsere Bilanz einfließen", so ein DaimlerChrysler-Sprecher am Montagmittag gegenüber manager-magazin.de. Als Großaktionär bei Chrysler ist Daimler allerdings indirekt weiterhin abhängig von dem Versorgungs-Kostenblock, der die Bilanz bei Chrysler und damit auch den Aktienkurs maßgeblich beeinflusst.

Die Entlastung, die Daimler als nicht mehr operativ verantwortlich Kraft erfährt, spiegelt sich auch im Kaufpreis wider: Gegenüber 36 Milliarden Dollar, die Daimler vor neun Jahren für Chrysler auf den Tisch legte, muss der Konzern heute unter dem Strich einer nicht unkomplizierten Give-and-Take-Rechnung noch rund eine halbe Milliarde Dollar beim Verkauf draufzahlen - behält aber auch 19,9 Prozent an Chrysler.

Wie einigte sich Cerberus mit der US-Gewerkschaft?

Die mächtige US-Autogewerkschaft UAW hatte sich in der Vergangenheit gegen eine Übernahme von Chrysler durch Privatinvestoren ausgesprochen und stattdessen ein Angebot der Chrysler-Mitarbeiter unterstützt. Die Beschäftigten wollten einen Anteil von 70 Prozent übernehmen. Heute erklärte der Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm: "Da sich Ron Gettelfinger, Präsident der UAW und Mitglied des Aufsichtsrats, mit der Entscheidung für einen Verkauf an Cerberus zufrieden gezeigt hat, fällt es den anderen Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat leicht, diese Entscheidung mitzutragen."

Welche Zugeständnisse Cerberus für die Einigung mit der UAW gemacht hat, ist bisher nicht bekannt. Dabei dürfte diese Frage in den Endverhandlungen am Sonntag eine wichtige Rolle gespielt haben. Die Konferenzräume der New Yorker Anwaltskanzlei Sherman & Sterling, die Daimler bei dem Deal vertrat, waren von Anwälten und Bankern ausgebucht.

Bisher waren die meisten Branchenexperten davon ausgegangen, dass das Chrysler-Vorsorgepaket unter einem neuen Eigner an einen externen Fonds ausgegliedert werde - doch darüber informierte Cerberus heute nicht.

Bernhard ins Board, LaSorda bleibt an der Chrysler-Spitze

Ebenso wenig gibt es eine offizielle Stellungnahme zur Personalie Wolfgang Bernhard. Der ehemalige Chrysler-Manager, derzeit Cerberus-Partner und zuvor VW-Markenvorstand in Wolfsburg, soll nach Informationen von manager-magazin.de zunächst keine Position im operativen Geschäft übernehmen. Bernhard wird aber nach Informationen aus unternehmensnahen Kreisen in das Board von Chrysler einziehen. Offiziell vermeldet ist, dass der derzeitige Chrysler-Chef Tom LaSorda werden seinen Posten behalten soll.

Das DaimlerChrysler-Management und der -Aufsichtsrat treffen sich offiziell zwar erst in der kommenden Woche, um den Deal abzusegnen. Die Adhoc-Mitteilung und der anschließende Kurssprung bei DaimlerChrysler um mehr als 7 Prozent erfolgten aber schon heute um 10.28 Uhr.

Als Hauptargument für Cerberus' Interesse an der Mehrheitsübernahme bei Chrysler gilt die Option, nach dem Deal die Finanzsparte von Chrysler Financial mit GMAC, der Finanzsparte von General Motors , zusammenzulegen und dabei hohe Synergieerlöse zu erreichen. GMAC gehört Cerberus seit dem vergangenen Jahr zu 51 Prozent.

Ein weiterer Punkt, den Cerberus zur Kostenreduktion ansteuert, ist die Ausdünnung des Händlernetzes. Von etwa 30 Prozent der derzeit 3700 Chrysler-Händler könne sich die Marke künftig trennen, schreibt das "Wall Street Journal" unter Berufung auf "Personen, die mit der Angelegenheit vertraut" seien.

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