Chrysler-Verkauf "Unser Kapital ist Geduld"

Der US-Finanzinvestor Cerberus will sich langfristig bei Chrysler engagieren. Einen zusätzlichen Stellenabbau bei der US-Tochter des DaimlerChrysler-Konzerns soll es nicht geben. DaimlerChrysler behält rund 20 Prozent der Anteile. Der Stuttgarter Konzern wird künftig Daimler AG heißen - und muss für den Deal kräftig draufzahlen.

Stuttgart - Nach der mehrheitlichen Übernahme der US-Tochter Chrysler durch den US-Finanzinvestor Cerberus soll es zu keinen zusätzlichen Stellenstreichungen kommen. Das versicherten Chrysler-Chef Tom LaSorda und Cerberus-Chef John Snow am Montag während einer Pressekonferenz. "Unser Ansatz ist ein langfristiger. Wir denken nicht über das nächste Quartal nach und die Analysten nach. Unser Kapital ist Geduld", erklärte Cerberus-Chairman John Snow.

Demonstrativ an die Adresse des rechts neben ihn sitzenden LaSorda gewandt sagte der Cerberus-Chef: "Was Sie und die Belegschaft aufgebaut haben, gibt uns Vertrauen und lässt uns an die Zukunft von Chrysler glauben." Cerberus unterstütze die Pläne von La Sorda, man sei von einer erfolgreichen Sanierung der DaimlerChrysler-Tochter überzeugt. Der Finanzinvestor werde seinen Teil dazu beitragen, dass Chrysler wieder dahin gelange, wo das Unternehmen nach Meinung von Snow hingehöre: an die Spitze der US-amerikanischen Autobauer.

Zuvor hatte DaimlerChrysler  am Montag mitgeteilt, dass Cerberus für 5,5 Milliarden Euro 80,1 Prozent von Chrysler übernehmen werde. Dies werde den Gewinn der Konzernmutter in diesem Jahr mit drei bis vier Milliarden Euro belasten. Daimler muss zudem noch Schulden für das industrielle Geschäft von Chrysler übernehmen.

Die Stuttgarter behalten an Chrysler einen Anteil von 19,9 Prozent. Statt DaimlerChrysler AG solle das Unternehmen künftig nur noch Daimler AG heißen. Dies solle eine außerordentliche Hauptversammlung beschließen.

Die Aktie von DaimlerChrysler reagierte am Montag mit Kursgewinnen von bis zu 7 Prozent auf die Nachricht. Am Nachmittag betrug das Kursplus noch 3,70 Prozent auf rund 63 Euro.

Die Struktur der Transaktion ist kompliziert. Von der Einlage von 5,5 Milliarden Euro, die Cerberus leistet, flössen 3,7 Milliarden in das Industriegeschäft und 800 Millionen in das Finanzdienstleistungsgeschäft, um die jeweilige Eigenkapitalquote zu stärken, hieß es weiter. Den Restbetrag von einer Milliarde Euro erhalte DaimlerChrysler.

Zugleich gewähre der bisherige Mutterkonzern der Chrysler Corporation ein Darlehen von 300 Millionen Euro. Das Industriegeschäft solle komplett schuldenfrei übergeben werden. Dies werde DaimlerChrysler 1,2 Milliarden Euro kosten. Zusätzlich sollen langfristige Schulden von Chrysler abgelöst werden. Wichtig für die Stuttgarter ist, dass die hohen Pensions- und Gesundheitskosten bei dem US-Unternehmen verbleiben.

Die Transaktion soll zum dritten Quartal 2007 abgeschlossen werden. Die Deutschen hatten Chrysler nach dem Kauf 1998 aufwändig saniert, zuletzt gab es jedoch wieder hohe Verluste. Daher kündigte DaimlerChrysler an, für Chrysler alle Optionen zu prüfen. Zuletzt hatte es noch geheißen, dass der Verkauf an ein Branchenunternehmen wahrscheinlicher sei als an einen Finanzinvestor.

Konzernchef Dieter Zetsche erklärte: "Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft - für Daimler und für Chrysler. Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen."

Ron Gettelfinger, Präsident der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW sagte, er habe am Wochenende einen letzten verzweifelten Versuch unternommen, um Chrysler unter dem Dach des Daimler-Konzerns zu halten. Unter den gegebenen Umständen sei Cerberus aber die beste Wahl gewesen. "Wir sind froh, dass die Entscheidung gefallen ist. Denn nun können sich unsere Mitglieder und das Management wieder voll auf die Entwicklung und Fertigung von Qualitätsprodukten für die Zukunft der Chrysler Group konzentrieren", sagte Gettelfinger.

Bernhard wird nicht Chrysler-Manager

"Wir heißen Chrysler willkommen"

Cerberus-Chef John Snow sagte: "Wir heißen Chrysler in der Cerberus-Familie willkommen und sind überzeugt davon, dass Cerberus eine gute Heimat für Chrysler sein wird. Cerberus glaubt an die Kraft der verarbeitenden Industrie der USA und an die US-Autoindustrie. Aber am wichtigsten ist: Wir glauben an Chrysler."

Cerberus hatte sich jüngst den früheren Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard nach dessen Ausscheiden bei VW als Berater ins Boot geholt. Nach Worten von Snow werde Bernhard nicht Mitglied des Managements von Chrysler werden, aber weiter als Berater für Cerberus arbeiten.

Der DaimlerChrysler-Gesamtbetriebsrat hat keine Einwände gegen den Verkauf. "Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat begrüßen die Entscheidung des Unternehmens, die Zukunft von Chrysler zügig zu regeln", hieß es in einer am Montag veröffentlichten Mitteilung. Die Interessenvertretungen in Deutschland und Nordamerika würden ihre Bewertungen eng miteinander abstimmen. Dabei stehe die nachhaltige Sicherung aller Arbeitsplätze im Unternehmen stets im Mittelpunkt.

"Die nordamerikanische Automobilarbeitergewerkschaft UAW und die deutschen Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat erklären übereinstimmend, dass sie den Vertrag mit Cerberus in der Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwoch dieser Woche akzeptieren werden." Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte: "Bei der Bewertung der Entscheidung war uns das Urteil unserer amerikanischen Freunde besonders wichtig."

Da sich UAW-Präsident Gettelfinger mit der Entscheidung für einen Verkauf an Cerberus zufrieden gezeigt habe, falle es den anderen Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat leicht, diese Entscheidung mitzutragen. Klemm sagte weiter: "Wir denken, dass die Belegschaften auf beiden Seiten des Atlantiks in eine gesicherte Zukunft gehen können." Chrysler hatte bereits im Februar den Abbau von 13.000 Stellen angekündigt.

Nach dem geplanten Chrysler-Verkauf soll die geschrumpfte Daimler AG von sechs Vorständen geführt werden, teilte der voraussichtlich noch bis Herbst unter DaimlerChrysler AG firmierende Konzern mit. Die drei Vorstandsmitglieder Tom LaSorda (Chrysler-Chef), Eric Ridenour (Chief Operating Officer von Chrysler) und Tom Sidlik (Einkauf) verließen das Gremium. Ein eigenständiges Vorstandsressort für den weltweiten Einkauf werde nicht mehr gebraucht. Der Einkauf werde künftig von den Sparten eigenverantwortlich geregelt, die Gesamtverantwortung übernehme Finanzvorstand Bodo Uebber.

LaSorda, der CEO der Chrysler Group bleibt, war als DaimlerChrysler-Vorstandsmitglied bis 2012 bestellt. Er sei zuversichtlich, dass Chrysler als selbstständiges, nicht börsennotiertes Unternehmen finanziell künftig stärker dastehe. Cerberus sei der strategisch richtige Käufer. "Dies wird uns in wieder in eine Position als wettbewerbsfähiges Unternehmen bringen, dass die industrielle Führungsrolle übernimmt", sagte LaSorda. Die Vorstandsverträge von Sidlik und Ridenour wären 2008 ausgelaufen.

manager-magazin.de mit Nachrichtenagenturen

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