MAN Piëch ist Chef des Aufsichtsrats

Aktionärsschützer steigen auf die Barrikaden: Großaktionär VW gebärde sich wie "die Axt im Walde". Grund der Aufregung ist Ferdinand Piëch. Der VW-Patron rückt tatsächlich an die Spitze des Aufsichtsrates von MAN auf und baut damit seine Kontrolle in den Netzwerken der deutschen Autoindustrie aus.

München - VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch kommt trotz der Kritik von Aktionärsschützern und Kleinaktionären an die Spitze des Aufsichtsrates von MAN . Piëch erhielt allerdings nur 73,26 Prozent der Stimmen und damit das schlechteste Ergebnis aller Vertreter der Kapitalseite. Üblich sind jeweils Zustimmungsquoten von deutlich über 90 Prozent. Der Aufsichtsrat wählte Piëch anschließend zum Chef des Gremiums.

Auch die anderen beiden VW-Kandidaten wurden in den Aufsichtsrat gewählt. Zuvor hatte der bisherige Aufsichtsratschef Ekkehard Schulz auf der Hauptversammlung des Maschinenbau- und Nutzfahrzeugkonzerns in München den Wechsel Piëchs in diese Position bestätigt. Er selbst werde nicht erneut für den Vorsitz kandidieren.

Aktionärsschützer von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) hatten dagegen Front gemacht und als Gegenkandidaten den Corporate-Governance-Experten Christian Strenger zu der Hauptversammlung entsandt.

Es sei ein "Skandal", dass Piëch offenbar vorab Vereinbarungen mit Arbeitnehmervertretern für den Fall eines Zusammenschlusses von MAN mit Scania  und den Lkw-Aktivitäten von VW getroffen habe, sagte Harald Petersen von der SdK auf Hauptversammlung. "Es ist so, dass man den Eindruck hat, der Großaktionär führt sich wie die Axt im Walde auf, was mit den freien Aktionären passiert, interessiert nicht", kritisierte Petersen und gab für den Fall einer Wahl Piëchs und der beiden weiteren VW-Kandidaten Widerspruch zu Protokoll. Zudem kündigte er an, eine mögliche Wahl Piechs überprüfen zu lassen.

MAN weist Vorwüfe zurück

Die MAN-Führung wies die Vorwürfe zurück. Piech habe sich zwar mit MAN-Betriebsratschef und -Aufsichtsratsvize Lothar Pohlmann getroffen, Vereinbarungen seien dabei aber nicht vereinbart worden, sagte Aufsichtsratschef Schulz nach Rücksprache mit Piech und Pohlmann. "Es gibt keine Vereinbarung. Ziel des Treffen war eine gegenseitiges Kennenlernen."

Auch Pohlmann selbst wies die Vorwürfe zurück. "Es gibt keine Vereinbarung zwischen den Arbeitnehmervertretern und Herrn Piech." Zugleich wies Schulz im Namen Piechs Spekulation zurück, VW wolle Samuelsson an der MAN-Spitze ablösen und den Konzern zerschlagen, um nur die Nutzfahrzeugsparte mit Scania und VW Nutzfahrzeuge zusammenzuführen. "Herr Samuelsson hat hervorragende Arbeit geleistet. Er hat unser volles Vertrauen", sagte Schulz. Zudem habe VW keinerlei vorgefasste Absicht, MAN-Sparten abzutrennen.

MAN wirbt um Lkw-Allianz

MAN wirbt um Lkw-Allianz

Zugleich warb Samuelsson im europäischen Lkw-Poker für eine Allianz "auf Augenhöhe". Es gehe um eine Kombination zwischen MAN, dem schwedischen Konkurrenten Scania und den Lkw-Aktivitäten von Volkswagen , bei der jede Marke ihre eigene Identität behalte, sagte Samuelsson. Der MAN-Chef war zum Jahresbeginn mit einem milliardenschweren Übernahmeversuch für Scania am Widerstand der Schweden und ihrer beiden größten Aktionäre VW und Investor gescheitert. Es sei nicht gelungen, sie von dem Angebot und dem Zeitplan zu überzeugen, sagte der MAN-Chef. Es gebe aber nach wie vor "ein breites Verständnis für unser industrielles Konzept".

Daher wolle man nun einen neuen Anlauf für die Kombination unternehmen, damit die Synergien "endlich" umgesetzt werden könnten.

"Unsere Vorstellung ist weiter, einen börsennotierten 'European Champion' zu schaffen, der bessere finanzielle und technologische Voraussetzungen hat, in eine globale Dimension zu wachsen", sagte Samuelsson. Die VW-Führung habe mehrfach das strategische Interesse am Nutzfahrzeug-Geschäft betont. "Wir sehen in VW einen langfristig stabilen strategischen Anteilseigner, und ich glaube, dass wir in dieser Konstellation gute Voraussetzungen für eine einvernehmliche Lösung haben", sagte Samuelsson.

Renditeziele angehoben

Renditeziele angehoben

Für das operative Geschäft hob Samuelsson die mittelfristigen Renditeziele an. Bis 2010 soll die Umsatzrendite (ROS) im Durchschnitt eines Konjunkturzyklusses nun bei mindestens 8,5 Prozent liegen, sagte Samuelsson. Bisher waren 6,0 Prozent angepeilt. Im Konjunkturhoch werde hier sogar ein zweistelliger Wert angepeilt. Für das laufende Boom-Jahr bekräftigte Samuelsson das Ziel, die Umsatzrendite im Gesamtjahr auf dem Niveau des ersten Quartals von 9,6 Prozent zu halten. Für die Kapitalrendite (ROCE) hob er das mittelfristige Ziel auf von 18 auf 22 Prozent an. "Um diese neue Marke zu erreichen, müssen wir in den nächsten Jahren strukturelle Verbesserungen von 250 Millionen umsetzen", sagte Samuelsson.

Zugleich will MAN den Umsatz bis 2010 im Schnitt um zehn Prozent pro Jahr erhöhen. Für das laufende Jahr bekräftigte Samuelsson seinen erst vor einer Woche angehobenen Ausblick. Der Umsatz soll um rund zehn Prozent steigen, das operative Ergebnis stärker als der Umsatz wachsen.

In den ersten vier Monaten war MAN unterdessen dank des anhaltenden Lkw- und Schiffsdiesel-Booms weiter gut unterwegs. Von Januar bis April kletterte der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Der Umsatz legte in den ersten vier Monaten um 11 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu. Der Auftragsbestand kletterte bis Ende April auf einen neuen Rekordwert von 12,994 Milliarden Euro und lag damit 15 Prozent über Vorjahresniveau. "Die Zahlen bestätigen die guten Ergebnisse des ersten Quartals", sagte Samuelsson. Das Unternehmen steuere damit ein weiteres Rekordjahr an. Gegenüber den ersten drei Monaten hat sich das Wachstum im April allerdings verlangsamt. Im ersten Quartal hatte der Umsatz noch um 15 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro und der Auftragseingang um 23 Prozent auf 4,8 Prozent zugelegt.

manager-magazin mit Material von dpa-afx