Großbritannien Blair erklärt Rücktritt

Soll er gehen oder nicht? Die Briten hatten den monatelangen Wackelkurs ihres Premiers lange satt. Nun endlich nannte er einen Termin. In sieben Wochen soll die Ära Blair zu Ende gehen. Zeit genug für eine Abschiedstournee.

London - Der britische Premierminister Tony Blair hat seinen Rücktritt zum 27. Juni erklärt. Das sagte er am Donnerstag in seinem Wahlkreis in Sedgefield. Gleichzeitig wolle er als Vorsitzender der Labour Party zurücktreten.

Als wahrscheinlicher Nachfolger Blairs gilt Schatzkanzler Gordon Brown. Brown wird seit Jahren als Nachfolger Blairs gehandelt. Nie bestätigten internen Vereinbarungen zufolge hätte er bereits in der vorigen, zweiten Amtsperiode Blairs das Regierungsamt antreten sollen.

In den vergangenen Wochen und Monaten war viel über Blairs Rückzug spekuliert worden. In der Labour Party wurde Wert darauf gelegt, dass der Wechsel während einer laufenden Parlamentsperiode vollzogen wird. Dennoch ließ Blair lange offen, wann er zurücktreten will.

Seine Umfragewerte waren zuletzt sehr schlecht. Kritisiert wurde insbesondere seine Gefolgschaft beim Irakfeldzug der USA.

Abschiedstournee um die halbe Welt

Für seine letzten Wochen als britischer Premierminister plant Tony Blair Reisen, die ihn um die halbe Welt führen. Zuerst steht Paris auf dem Programm, wo er Nicolas Sarkozy auch persönlich zur Wahl als Präsident gratulieren will.

Wenig später geht es nach Washington, wo Blair noch einmal seinem Irak-Kriegspartner George W. Bush die Hand reichen will.

Möglicherweise wird er bei der Gelegenheit die Congressional Gold Medal entgegen nehmen. Die höchste Auszeichnung des US-Kongresses war ihm schon im Juli 2003 als Dank für seine Bündnistreue im Irak-Krieg zuerkannt worden.

Mehrere Länder Afrikas sind weitere Stationen des scheidenden Premierministers, ehe er sich vom 6. bis 8. Juni auf dem G8-Gipfel in Heiligendamm erneut für den Klimaschutz und die Afrika-Hilfe einsetzen will. Beim Abschied von der Europäischen Union auf dem EU-Gipfel in Brüssel vom 21. bis 22. Juni könnte es kontrovers zugehen: Blair will gegen die Wiederbelebung der EU-Verfassung angehen und für ein modernisiertes EU-Regelwerk als Alternative werben.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx