Hauptversammlung Es brummt bei MAN

Die ersten vier Monate sind bei MAN sehr gut gelaufen. Der Vorstand hebt die Umsatz- und Renditeziele an. Im Fokus der Hauptversammlung stehen die Wahlen zum Aufsichtsrat. Drei Vertreter des Großaktionärs Volkswagen sind am Start. VW könnte damit seine Schlüsselstellung bei der angestrebten Lkw-Allianz ausbauen.

München - Der Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern MAN  ist dank des anhaltenden Lkw- und Schiffsdiesel-Booms gut unterwegs. Von Januar bis April sei der Auftragseingang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro geklettert, teilte MAN am Donnerstag zur Hauptversammlung in München. Der Umsatz legte in den ersten vier Monaten um 11 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro zu. Das Unternehmen steuere damit ein weiteres Rekordjahr an, sagte MAN-Chef Hakan Samuelsson am Donnerstag.

Vor diesem Hintergrund hob der Konzern seine Umsatz- und Renditeziele für die kommenden Jahre an. MAN peilt jetzt bis 2010 ein jährliches Umsatzwachstum von 10 Prozent und eine Umsatzrendite von 8,5 Prozent statt bisher geplanter 6,0 Prozent an.

Im Mittelpunkt des Aktionärstreffens stehen am Donnerstag die Wahlen zum Aufsichtsrat. VW will die Führungsrolle bei MAN übernehmen. Auf der Hauptversammlung stellt sich VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch zur Wahl an die Spitze des Kontrollgremiums. VW-Nutzfahrzeugechef Stephan Schaller und Audi-Chef Rupert Stadler stellen sich ebenfalls zur Wahl in den MAN-Aufsichtsrat. Damit könnte Volkswagen  seine Schlüsselstellung bei der Bildung einer Lkw-Allianz von MAN, Scania  und der VW-Nutzfahrzeugsparte weiter ausbauen. Der Versuch einer feindlichen Übernahme des schwedischen Lkw-Herstellers durch MAN war im Januar gescheitert.

MAN-Vorstand bekräftigte Pläne für Zusammenschluss

Samuelsson bekräftigte die Pläne für einen Zusammenschluss mit dem schwedischen Konkurrenten Scania und den Lkw-Aktivitäten von VW: "Unsere Vorstellung ist weiter, einen börsennotierten European Champion" zu schaffen, der bessere finanzielle und technologische Voraussetzungen hat, in eine globale Dimension zu wachsen", sagte der MAN-Chef. Die VW-Führung habe mehrfach das strategische Interesse am Nutzfahrzeug-Geschäft betont. "Wir sehen in VW einen langfristig stabilen strategischen Anteilseigner, und ich glaube, dass wir in dieser Konstellation gute Voraussetzungen für eine einvernehmliche Lösung haben", sagte Samuelsson.

Experten erwarten, dass Piëch trotz Kritik von Aktionärsschützern den Vorsitz im MAN-Aufsichtsrat übernimmt. Noch im Mai könnten die Gespräche über den Lkw-Dreierbund beginnen, im Herbst könnte das Gerüst stehen, sagte der Analyst Gregor Claussen von der schwedischen SEB-Bank. Wahrscheinlich würden MAN, Scania und das südamerikanische Lkw-Geschäft von VW in einer Dachholding als Europa-AG mit Sitz in den Niederlanden gebündelt. Überlegungen von VW, auch sein renditeschwaches Geschäft mit Kleintransportern in das Bündnis einzubringen, werde wahrscheinlich am Widerstand der anderen Aktionäre von MAN und Scania scheitern.

Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) warf Piëch Kungelei und geheime Absprachen mit Gewerkschaftern vor, um eine Machtposition bei MAN aufzubauen. Er soll vorab versprochen haben, MAN nicht zu zerschlagen und keine Stellen abzubauen.

manager-magazin.de mit Material von ap und dpa