Deutsche Telekom "Schmerzende Verluste"

Bei der Pressekonferenz zum ersten Quartal musste René Obermann erneut Hiobsbotschaften verkünden: Das Deutschlandgeschäft schrumpft weiter, die Festnetzkunden laufen immer noch davon. Doch es gibt auch Trostpflaster.
Von Simon Hage und Karsten Stumm

Bonn - Allein im ersten Quartal 2007 hat die Deutschen Telekom  588.000 Festnetzkunden in Deutschland verloren. Rund 500.000 dieser Kunden wechselten zu Telekom-Konkurrenten, die ein eigenes Netz betreiben. "Das sind echte und schmerzende Kundenverluste", sagte Vorstandschef René Obermann auf einer Pressekonferenz am Donnerstag in Bonn. "Das ist sehr umsatzrelevant".

Dass der Umsatz im ersten Quartal insgesamt um 4,1 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro gestiegen ist, hat die Telekom lediglich ihrem starken Auslandsgeschäft zu verdanken. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sank jedoch um 5,8 Prozent auf 4,7 Milliarden Euro. Der Inlandsumsatz ging um 5,1 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro zurück.

Der Cashflow lag mit 0,5 Milliarden Euro um eine halbe Milliarde Euro unterhalb des Vorjahresniveaus. Dieser starke Einbruch ist laut Finanzchef Karl-Gerhard Eick vor allem auf die Auszahlung von Personalmaßnahmen zurückzuführen. Der Cashflow im ersten Quartal, so Eick, sei nicht typisch für das Gesamtjahr.

Bis Ende 2008 sollen insgesamt rund 32.000 Mitarbeiter durch Maßnahmen wie beispielsweise Abfindungen und Vorruhestand ausscheiden. 3200 davon haben im ersten Quartal das Unternehmen verlassen. Die Gesamtzahl der Abgänge addiert sich laut Obermann bereits auf 15.300. Zusätzlich seien rund 2600 Vereinbarungen mit Beschäftigten nach Ende des ersten Quartals geschlossen worden.

Zu den positiven Entwicklungen bei der Telekom zählt das Breitbandgeschäft. Die Festnetzsparte T-Com hat in Deutschland 572.000 neue DSL-Kunden gewonnen. "Das ist das stärkste Wachstum in einem Quartal, das wir je erreicht haben", sagte Obermann. Den schlechten Verlauf des Schmalbandgeschäfts erklärte der Telekom-Chef unter anderem mit der Wettbewerbssituation: "In Deutschland herrscht ein gnadenloser Preiskampf."

Im März hatte Obermann die Strategie verkündet, mit der er den Telekom-Konzern umbauen und wieder auf Kurs bringen will. Bei der Pressekonferenz präsentierte er nun erste Schritte. Zu den zentralen Vorhaben gehört die Suche nach einem strategischen Partner für die Geschäftskundensparte T-Systems. Inzwischen habe der Bonner Konzern bereits Gespräche mit Interessenten und möglichen Partnern geführt. "Wir wollen versuchen, das Geschäft möglichst in diesem Jahr über die Bühne zu bringen", betonte Obermann.

Auch der geplante Verkauf von Konzernbeteiligungen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, geht voran. Für die französische Tochter Club Internet hat die Telekom bereits einen Käufer gefunden: Der Konzern teilte mit, dass das französische Unternehmen Neuf Cegetel alle Anteile Übernehme. Noch im ersten Halbjahr soll die Transaktion abgeschlossen werden. Insider nannten eine Kaufsumme von 500.000 Euro.

Im Sommer soll außerdem planmäßig die neu geplante Billigmarke auf den Markt kommen. Damit wolle man auch in den Kundensegmenten zulegen, so Obermann, "in denen wir bislang unterrepräsentiert waren."