DSGV-Forderung "Zusammenschluss von Landesbanken"

Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis fordert weitere Fusionen bei den Landesbanken. Die Zentralinstitute seien nicht optimal aufgestellt - am Ende der Konsolidierung könne sogar eine einzige große Landesbank stehen.

Bochum - An Zusammenschlüssen unter den deutschen Landesbanken führt nach Einschätzung der Sparkassen kein Weg vorbei. "Die Landesbanken wären, zusammen betrachtet, die große Bank Deutschlands - auch wenn es zwei oder drei Einheiten wären", sagte Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis. Die öffentlich-rechtlichen Zentralinstitute seien mit acht unabhängigen Häusern nicht optimal aufgestellt, bei großen Finanzierungen könnten sie oft nicht mithalten. Eine schrittweise Zusammenführung sei deshalb nötig.

Derzeit gibt es noch acht unabhängige Landesbanken. Weitere Zusammenschlüsse gelten als problematisch, da stets regionale Interessen und Arbeitsplätze betroffen wären. Weil die Länder Anteile an den Instituten besitzen, erschweren politische Zwänge Zusammenschlüsse zusätzlich. Die Politik müsse erkennen, dass sie gemeinsam mit den Sparkassen einen Schlüssel zur Stärkung des inländischen Bankensystems in der Hand halte, sagte Haasis. Bleibe die Chance ungenutzt, werde die Neuordnung des deutschen Bankenmarktes ausländischen Akteuren überlassen.

Erst vor wenigen Monaten hatte die WestLB ihren rund 27-prozentigen Anteil an der HSH Nordbank an den Finanzinvestor JC Flowers verkauft. Damit hatte sich erstmals ein privater Investor wesentlich an einer Landesbank beteiligt. Derzeit läuft der Verkauf der Mehrheit an der Landesbank Berlin (LBB), was zu einer Privatisierung des bisher öffentlich-rechtlichen Instituts führen werden könnte - für den Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV) ein Horrorszenario.

Haasis deutete an, dass am Ende einer Konsolidierung unter den Landesbanken durchaus ein einziges Institut stehen könnte. "Nicht geschafft haben wir bisher, aus unser Gruppe heraus, aus den Landesbanken heraus eine international ausgerichtete Bank zu bilden, die mit heute üblichen Größenordnungen mithalten kann", sagte er.

Unterstützung bekam Haasis vom Präsidenten des westfälisch-lippischen Sparkassenverbandes, Rolf Gerlach, der auch Aufsichtsratschef der WestLB ist. "Ich halte es für absolut richtig, dass wir versuchen, in absehbarer Zeit in der Konsolidierung der Landesbanken weitere Fortschritte zu machen", sagte er. Allerdings strebe die Mehrheit im Verbund wohl eher eine Konzentration auf zwei bis drei Institute an, nicht aber eine einzige Landesbank.

Verbandspräsident Haasis warnte davor, Übernahmen von Sparkassen auf Druck der privaten Konkurrenz zu erlauben. "Der deutsche Bankenmarkt ist sehr dynamisch und sehr effizient." Die Produktivität der deutschen Banken liege über dem europäischen Durchschnitt, während die Margen niedrig sein. "Das ist schlecht für Anbieter, aber gut für die Verbraucher", resümierte er.

Private-Equity-Gesellschaften und Hedgefonds ging Haasis mit harschen Worten an. Angesichts immer höherer Verschuldungsgrade und mangelnder Transparenz bei Hedge-Fonds und Private Equity warnte er vor Risiken für die Wirtschaft. Es gebe immer mehr Fälle, in denen Fonds gekaufte Unternehmen nur übernähmen, um sie um ihr Eigenkapital und ihre Reserven zu erleichtern, sagte der DSGV-Präsident. Deutschland habe in der Börsenkrise der Jahre 2000 und 2001 bittere Erfahrungen mit Übertreibungen gemacht. "Jetzt sich zumindest die Gefahr, dass wir uns wieder in einer ähnlichen Entwicklung befinden", sagte Haasis.

Hans G. Nagl, reuters

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