Private Equity Unüberwindbare Hürden

Angeblich lauern Private-Equity-Firmen schon lange darauf, endlich mal einen Dax-Konzern übernehmen zu können. Branchenvertreter winken jedoch ab: Zu groß seien hierzulande die Hindernisse.
Von Rita Syre

Frankfurt am Main - So genannte Mega-Buy-outs nehmen immer größere Dimensionen an. Bei solchen Deals bringen Private-Equity-Fondsgesellschaften für die Übernahme eines Unternehmens durchaus auch zweistellige Milliardensummen auf. So legte das Konsortium um die Beteiligungsgesellschaft KKR im April dieses Jahres für den texanischen Stromversorger TXU 45 Milliarden Dollar auf den Tisch - und markierte einen neuen Rekord.

In Deutschland sind solche Megadeals bislang nicht realisiert worden. Der Schwerpunkt der Transaktionen liegt bei einem Volumen von 250 Millionen Euro. Allerdings haben Äußerungen wie die des Private-Equity-Riesen Blackstone die Spekulationen über einen großen Deal auch in Deutschland angeheizt. Blackstone hatte die Übernahme eines Dax-Konzerns für 50 Milliarden Euro geprüft, hieß es. Allerdings hatten sich die Amerikaner angeblich wegen eines Kursanstiegs gegen den Kauf entschieden.

Die steigende Transaktionsgröße ist einer der großen Trends in der Private-Equity-Branche. Darin waren sich die Experten auf einem Kongress für Private Equity in Frankfurt in dieser Woche einig. Die hohen Mittelzuflüsse setzen die Beteiligungsfirmen unter Anlagedruck. In den USA besteht ein Kapitalüberhang. Die von den Beteiligungsgesellschaften bei Investoren eingesammelte Summe sei im vergangenen Jahr etwa vier Mal so hoch gewesen wie die investierte, erklärt Stefan Hepp, CEO der Schweizer Finanzberatungsfirma SCM. Den Kapitalüberhang in Europa schätzt Wolfgang Fink von der Investmentbank Goldman Sachs  auf 45 Milliarden Euro.

Für Milliardeninvestments in der Dimension, wie sie den USA bereits durchgezogen werden, schließen sich Beteiligungsfirmen auch immer häufiger zusammen. Ob sich der Trend zu diesen Club-Deals auch in Deutschland durchsetzt, darüber herrschte auf der "Handelsblatt"-Konferenz allerdings keine Einigkeit. "In Deutschland besteht für große Club-Deals keine Akzeptanz in der öffentlichen Diskussion", urteilte Fink von Goldman Sachs. Deshalb blieben solche Deals im Bereich der Dax-Unternehmen "in weiter Ferne".

Für Reinhard Gorenflos von KKR  nähert sich der Club-Deal-Trend sogar bereits wieder seinem Ende. Durch neue Syndizierungsstrukturen, die Banken den Private-Equity-Firmen bei der Finanzierung zur Verfügung stellten, sei diese Dealstruktur nicht mehr notwendig.

Mangelnde Akzeptanz

Mangelnde Akzeptanz

Klaus Thalheimer vom australischen Infrastrukturfinanzierer Macquarie  kann sich hingegen gut vorstellen, dass Private-Equity-Firmen im Dax-Segment auch alleine aktiv werden. Transaktionsvolumina von 30 Milliarden bis 50 Milliarden Euro müssten ganz oben in der Politik eben richtig "eingespielt" werden, meinte er.

Die Vertreter von Private-Equity-Fonds, die für einen Dax-Deal in erster Linie in Frage kommen würden, ließen sich auf der Konferenz jedoch nicht in die Karten schauen. KKR-Vertreter Gorenflos merkte an, dass es darauf ankäme, wie viel Unterstützung Private Equity einem Dax-Unternehmen geben kann. Allerdings räumte er später ein, dass die mangelnde Akzeptanz in der Öffentlichkeit für einen solchen Deal wie auch die Komplexität einer solchen Transaktion durchaus einen Schutz von Dax-Unternehmen vor einer Übernahme durch Private-Equity-Firmen darstelle.

Michael Phillips von Apax wagte sich etwas weiter vor. Wenn ein Dax-Unternehmen Jahre für Veränderungen brauche, dann werde Private Equity durchaus eine Rolle spielen. Eine Minderheitsbeteiligung, wie sie beispielsweise Blackstone bei der Deutschen Telekom  eingegangen ist, ist dabei für den Apax-Manager durchaus eine Option. Blackstone erwarb im vergangenen Jahr ein Aktienpaket von 4,5 Prozent an dem Bonner Telekommunikationskonzern. Über die drei Ebenen Aufsichtsrat, Hauptversammlung und Management kann eine Beteiligungsfirma Einfluss auf das Unternehmen nehmen.

Das größte Hindernis für die Übernahme eines Dax-Konzerns ist für Phillips und Gorenflos allerdings die Squeeze-Out-Regelung in Deutschland. Hierzulande muss ein Investor mindestens 95 Prozent der Aktien besitzen, um den übrig gebliebenen Minderheitsaktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten zu können. Die restlichen Aktionäre lassen sich ihre Aktien oftmals sehr teuer abkaufen. "Die Squeeze-Out-Regelung ist eine fast unüberwindbare Hürde", meinte Phillips. Denn die Prämien für Minderheitsaktionäre seien zu hoch. Dadurch lohne sich eine Übernahme meist nicht mehr.

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