Alcan/Alcoa 33 Milliarden Dollar für einen Buchstaben

Der weltgrößte Aluminiumkonzern Alcoa will seinen ärgsten Rivalen Alcan für rund 33 Milliarden Dollar übernehmen. Der US-Konzern legte am Montag ein feindliches Angebot für die Kanadier vor, nachdem die Fusionsgespräche über zwei Jahre hin erfolglos geblieben waren.

New York - Sollte die Fusion zu Stande kommen, entstünde auch gemessen an der Produktionsmenge der mit Abstand größte Aluminiumhersteller der Welt. Die Aussicht auf eine neue Übernahmeschlacht in der Metallbranche ließ Alcan-Aktien um mehr als 30 Prozent in die Höhe schnellen.

Ohne die Alcan-Schulden beläuft sich die Offerte auf 27 Milliarden Dollar. "Wir sind sehr enttäuscht, dass die bisherigen Bemühungen nicht zu einem Verhandlungsergebnis geführt haben - ein Abschluss, den wir bevorzugt hätten", erklärte Alcoa-Chef Alain J.P. Belda.

Die Alcoa-Führung sei nach wie vor von dem Erfolg eines Zusammenschlusses mit Alcan überzeugt. Eine Fusion komme sowohl den Aktionären als auch den Kunden in der ganzen Welt zu Gute. "Daher wenden wir uns mit unserem Angebot nun direkt an die Aktionäre." Alcan kündigte an, das Angebot des Rivalen, dessen Name sich nur in einem Buchstaben unterscheidet, zu prüfen. Die Konzernführung forderte die Aktionäre auf, bis zu einer endgültigen Entscheidung des Managements abzuwarten.

7,8 Millionen Tonnen Produktionskapazität

Alcoa  bietet insgesamt 73,25 Dollar in bar und Aktien je Alcan-Papier. Das entspricht einem Aufschlag von 32 Prozent auf den durchschnittlichen Schlusskurs der vergangenen 30 Handelstage. Bereits im ersten Jahr nach dem für 2007 geplanten Abschluss der Fusion rechnet Alcoa mit einem positiven Gewinnbeitrag. Mittelfristig erwartet der Konzern Synergien von jährlich einer Milliarde Dollar vor Steuern. Alcoa-Titel legten mehr als sechs Prozent auf 37,80 Dollar zu.

Ein neuer Aluminium-Gigant aus Alcoa und Alcan käme auf Basis der Zahlen von 2006 mit etwa 188.000 Mitarbeitern in 67 Ländern auf einen Umsatz von 54 Milliarden Dollar und einen operativen Gewinn von 9,5 Milliarden Dollar. Firmensitze sollen New York und Montreal sein. Gemeinsam würden Alcoa und Alcan auch gemessen an der Produktionsmenge den Aluriesen Rusal als Weltmarktführer ablösen, der aus der Fusion der beiden russischen Branchengrößen Rusal und Sual sowie dem Schweizer Rohstoffhändler Glencore hervorgegangenen ist. Dieser beschäftigt bei einem Umsatz von zehn Milliarden Dollar 110.000 Menschen in 17 Ländern. Alcoa und Alcan kämen auf eine gemeinsame Produktionskapazität von 7,8 Millionen Tonnen Aluminium jährlich, bei Rusal liegt sie bei vier Millionen Tonnen.

Alcoa ohne Angst vor Kartellwächtern

Alcoa ohne Angst vor Kartellwächtern

Alcoa-Chef Belda zeigte sich zuversichtlich, die kartellrechtliche Genehmigung für eine Fusion mit Alcan zu erhalten. Allerdings werde man sich dazu wohl von Teilen des Raumfahrtgeschäfts trennen müssen. Wegen der zu erwartenden Kartellhürden hatten Branchenexperten eher mit einem Kaufangebot des australischen Bergbaukonzerns BHP Billiton für Alcan gerechnet. Noch im Februar gab es zudem Spekulationen, BHP Billiton  und sein australischer Rivale Rio Tinto  seien womöglich an Alcoa interessiert.

Alcan hatte 2004 den französischen Aluminiumhersteller Pechiney übernommen und war damit zur Nummer zwei nach Alcoa aufgerückt. Alcoa ist auch in Deutschland vertreten und stellt hierzulande unter anderem Verschlüsse, Verpackungsmaschinen, elektrische Verteiler- und Kabelsysteme, Aluminium-Rohlinge und Automobilteile her.

Die hohen Rohstoffpreise haben den Boom der Metallindustrie angefacht und den Konzernen Milliardensummen in die Kassen gespült. Dies setze auch eine Welle von Übernahmen in Gang. So übernahm im vergangenen Jahr der Stahlweltmarktführer Mittal  nach langem Kampf die Nummer zwei, Arcelor. Der britisch-niederländische Konzern Corus wurde vom indischen Rivalen Tata geschluckt. Auch in der Kupfer- und Goldbranche gab es zuletzt zahlreiche Großfusionen und Übernahmeschlachten.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.