Finanzgenie gesucht Buffett bietet mehr als Geld

Investmentlegende Warren Buffett hat nicht nur definiert, was sein Nachfolger alles können muss. Beim jährlichen Aktionärstreffen in Omaha beschrieb er auch, auf welches Gehalt sich der künftige oberste Anlagestratege der 167 Milliarden Dollar schweren Holding freuen darf. Seit heute sichtet Buffett Bewerbungen.

Warren Buffett hat derzeit viel zu lesen. Mehr als 600 Bewerbungen sind bereits bei ihm eingegangen, seit der 76-Jährige verlauten ließ, er sei auf der Suche nach einem Nachfolger.

In einem Brief an die Aktionäre hat der Vorstandschef der legendären Investment-Gesellschaft Berkshire Hathaway bereits das Jobprofil des Menschen gezeichnet, der nach Buffetts Tod das Firmenimperium mit einem Wert von derzeit rund 167 Milliarden Dollar lenken soll. Dazu gehöre "weit mehr als Intelligenz", hat Buffett beim jährlichen Aktionärstreffen von Berkshire  am vergangenen Wochenende noch einmal versichert.

Seit heute widmet sich Buffett wieder dem Bewerbungsstapel - der in den kommenden Tagen noch einmal deutlich anwachsen dürfte. Denn das "Orakel von Omaha" hat am Wochenende auch die geplante Entlohnung sowie die mit dem Job verbundenen persönlichen Freiheiten skizziert.

Schmales Grundgehalt und ein gewisser Bonus

"Ich würde meinem Nachfolger ein bescheidenes Grundgehalt zahlen", schlug Buffett am Sonntag vor. Hinzu komme ein Erfolgsbonus, dessen Höhe davon abhängt, um wie viel die Aktie von Berkshire Hathaway den marktbreiten S&P 500  Index schlägt.

Eine solch erfolgsabhängige Vergütung kann im Fall Berkshire Hathaway äußerst lukrativ sein. Buffett hat sein Imperium mit etwa 60 Firmen so geschickt zusammengestellt, dass die Holding fast jedes Jahr den S&P 500 klar hinter sich lässt.

In den vergangenen 40 Jahren blieb Berkshire lediglich sechs Mal hinter dem S&P 500 zurück. Die jährliche Durchschnittsrendite liegt seit 1980 bei mehr als 20 Prozent, und der Kurs der "Berkshire A"-Aktie ist seit Gründung der Holding von rund sieben Dollar auf heute 110.000 Dollar gestiegen. Zum Firmenimperium gehören unter anderem Beteiligungen an Coca-Cola , Anheuser-Busch, Wells Fargo oder dem Textilhersteller Fruit of the Loom.

Gedankenfreiheit, Lebensfreiheit

Die Outperformance ist jedoch nicht eingebaut. Buffetts Nachfolger kann lediglich an ein phänomenales Lebenswerk anknüpfen und hat die Aufgabe, die Geschäfte in dessen Sinne weiterzuführen. Vorstellbar ist auch, dass ein Team von zwei bis vier Investmentmanagern diesen Job unter sich aufteilt.

Große Aufgaben verlangen große Gedankenfreiheit: Seine Nachfolger müssen nicht zwangsläufig nach Omaha in die amerikanische Provinz übersiedeln, stellte Buffett am Wochenende klar. "Sie können dort leben, wo sie sich am wohlsten fühlen und wo sie am besten denken können", betonte Buffett. Informationen über sein Firmenimperium seien überall auf der Welt leicht zu bekommen - seit jeher investiert der 76-Jährige nur in diejenigen Firmen, die er auch versteht.

Wie gut Buffett das Geschäft seiner Beteiligungen versteht, können Aktionäre am jüngsten Geschäftsbericht ablesen. Auch die rund 20.000 Buffett-Fans, die am vergangenen Wochenende persönlich nach Omaha gereist sind, haben jetzt viel Lesestoff: 2,6 Milliarden Dollar Gewinn allein im abgelaufenen Quartal, 30 Prozent Gewinnsteigerung der Holding auf 11 Milliarden Dollar im Jahr 2006, Kurssteigerung der Aktie von 90.000 auf 110.000 Dollar auf Jahressicht, Cash-Reserven von rund 40 Milliarden Dollar.

Bereit für Zukäufe - Kür der Kandidaten

Bereit für Zukäufe - Liebe zur Eisenbahn entdeckt

Man sei gut darauf vorbereitet, einen großen Konzern zu kaufen, verkündete Buffett am Sonntag. Erst kürzlich hat der Investor Gefallen am Eisenbahngeschäft gefunden: Berkshire ist inzwischen größter Anteilseigner der Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe und zusätzlich bei zwei weiteren Eisenbahngesellschaften engagiert.

"Wir sind davon überzeugt, dass sich die Wettbewerbsposition der Eisenbahn inzwischen verbessert hat", sagten Buffett und sein Partner Charlie Munger. Das Gegenteil gelte für das Geschäft mit Tageszeitungen: Hier stehe die Branche vor großen Herausforderungen.

Der Großteil des Berkshire-Gewinns stammt aus dem Versicherungsgeschäft. Die Gesellschaft hat von einer vergleichsweise ruhigen Hurrikan-Saison 2006 profitiert. Dadurch sind aber auch die Versicherungsprämien gesunken, und aus diesem Grund haben die Berkshire-Versicherungstöchter für 2007 in diesem Bereich weniger Verträge abgeschlossen. Für Naturkatastrophen sei man daher als Versicherer in diesem Jahr deutlich weniger anfällig als im Vorjahr, so Buffett.

Kür der Kandidaten

Versicherungen bleiben der wichtigste Bestandteil der Holding, und aus diesem Bereich kommen auch zwei der vier aussichtsreichsten Nachfolge-Kandidaten. Ajit Jain, Chef des Rückversicherungsgeschäfts, sowie Tony Nicely, verantwortlich für Berkshires Versicherungstochter Geico, können sich Hoffnungen auf die Buffett-Nachfolge machen. Hinzu kommen Richard Santulli, Chef der Flugzeug-Leasinggesellschaft Net Jets, sowie David Sokol, Chef von MidAmerican Energy, die ebenfalls als "Chief Investment Officer" (CIO) tätig werden könnten. Als künftiger Chairman von Berkshire Hathaway, der die Unternehmenskultur fortführen soll, ist bereits Buffetts Sohn Howard Buffett vorgesehen.

Doch auch Investmentexperten von außerhalb sind noch nicht aus dem Rennen um den Job des CIO. Buffett dürfte die Bewerbungen mit der ihm eigenen Gründlichkeit sichten und sich dabei auch entsprechend Zeit lassen: Er erfreue sich bester Gesundheit, liebe seinen Job und wolle Berkshire noch möglichst viele Jahre zur Verfügung stehen, hat Buffett versichert. Auch die Aktionäre sehen keinen Grund zur Hast.

manager-magazin.de

Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.