Volkswagen Höhere Lasten für Zulieferer?

Kaum scheint Autobauer Volkswagen die Personalkosten in den Griff zu bekommen, denkt man in Wolfsburg laut über neue Maßnahmen nach. Betriebsratschef Bernd Osterloh zum Beispiel will mehr Einfluss bei den Zulieferern. Zum Beispiel mit strategischen Beteiligungen.

Wolfsburg - Der Autobauer Volkswagen  hat die Personalkosten in seinen sechs westdeutschen Werken in wenigen Monaten kräftig senken können und arbeitet nun auch im Wolfsburger Stammwerk an der Kapazitätsgrenze. Ein Sprecher des Unternehmens konnte am Samstag die Zahl von 20 Prozent zwar nicht offiziell bestätigen, um die nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Focus" die Arbeitskosten gesenkt worden seien. Dies ergebe sich aber schon rein rechnerisch durch das im Herbst 2006 mit Betriebsrat und IG Metall vereinbarte Ende der Vier-Tage-Woche, sagte der Sprecher.

VW teilte ferner mit, dass die Preise leicht steigen werden. Von Ende Mai an werden Volkswagen in Deutschland im Durchschnitt um knapp ein Prozent teurer. Zum 31. Mai würden die unverbindlichen Preisempfehlungen für alle Modelle und Sonderausstattungen in Deutschland um durchschnittlich 0,9 Prozent angehoben, teilte das Unternehmen mit. Die neuen Modelle Golf Variant, Passat BlueMotion und Phaeton, die ab Juni auf den Markt kommen, betreffe das nicht. Die Anhebung bleibe deutlich unter der allgemeinen Preissteigerung in Deutschland, die im März 2007 bei 1,9 Prozent gelegen habe, hob VW hervor.

In den meisten VW-Werken wird jetzt wieder 35 Stunden gearbeitet, ohne Lohnausgleich. Der neue VW-Chef Martin Winterkorn hatte wiederholt hervorgehoben, dass VW bei den Arbeitskosten inzwischen unter den Premiumherstellern Mercedes und BMW liege und auch auf Augenhöhe mit der bisher als Vorbild geltenden Konzerntochter Audi.

Bereits Ende März hatte VW zudem mitgeteilt, dass für die Golf-Produktion in diesem Jahr in Wolfsburg Sonderschichten mit dem Betriebsrat vereinbart worden seien. Die große Nachfrage sei nur durch Mehrarbeit abzudecken. Wochentags sei die maximale technische Kapazität der Wolfsburger Fertigung erreicht. Noch vor einem Jahr lag die Auslastung im Stammwerk nur bei rund 70 Prozent. Bis Anfang diesen Jahres hatte die Marke VW nach einem harten Sanierungskurs aber wieder zugelegt und im ersten Quartal 2007 nach den Verlusten des Vorjahres auch wieder schwarze Zahlen geschrieben.

Betriebsratschef Bernd Osterloh setzt sich derweil für mehr Einfluss der Autobauer bei ihren Zulieferern ein. "Die deutschen Autohersteller sollten sich darüber verständigen, dass sie sich bei strategisch wichtigen deutschen Zuliefer-Unternehmen mit Aktienpaketen einkaufen", sagte Osterloh der "Berliner Zeitung". Nur so sei dauerhaft hohe Qualität, ein vernünftiger Preis und eine zuverlässige Anlieferung sicherzustellen. Hintergrund der Forderung sei das wachsende Interesse von Finanzinvestoren an den Zuliefern - oft mittelständischen Familienbetrieben.

"Finanzinvestoren geht es ausschließlich um eine hohe Rendite. Wird diese nicht erfüllt, dann wird der Betrieb weiterverkauft oder dicht gemacht", sagte Osterloh. In letzter Konsequenz drohten den Autoherstellern damit Lieferausfälle. "Und das wäre schlicht eine Katastrophe." Denn die Autokonzerne seien in hohem Maße abhängig von der pünktlichen Belieferung mit Autoteilen. Die Zulieferung dürfe deshalb nicht unter den Einfluss "unsicherer Kantonisten" kommen.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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