RAG Gutachter urteilen über Firmenchef

RAG-Chef Werner Müller muss sich auf einen offenen Schlagabtausch mit seinen Großaktionären einstellen. Die Aufsichtsräte seines Unternehmens wollen am 15. Mai zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenkommen und mehrere Gutachten zu einem Müller-Geschäft mit Arcelor Mittal abwägen. Das Ergebnis der Sitzung ist offen.

Essen - Der Essener Energieriese RWE und andere RAG-Eigentümer wie Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp hat RAG-Chef Werner Müller vorgeworfen, mit dem ebenfalls an der RAG beteiligten Stahlunternehmen Areclor Mittal eine Sondervereinbarung getroffen zu haben, die vom Aufsichtsrat vorab hätte genehmigt werden müssen - und womöglich zu ihren Lasten ausgefallen sei.

Dabei handele es sich um eine notarielle Vereinbarung, in der Arcelor weit reichende Optionen wie eine Kaufoption an der RAG-Kokerei Prosper, dem RAG-Versorgungsunternehmen Saar Ferngas sowie Stromlieferoptionen und Preisnachlässe bei Kokslieferungen in Aussicht gestellt würden. Darin hatte nicht nur RWE ein unzulässiges Koppelgeschäft gesehen und Konsequenzen gefordert.

In dieser Sache wird RWE-Chef Harry Roels nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" selbst in ein schiefes Licht gerückt. Roels hatte in einem früheren Brief für RWE selbst Sonderkonditionen in Sachen Saar Ferngas gefordert. RWE wies die Kritik zurück.

Ausweislich des Schreibens forderte der Niederländer an der RWE-Spitze als Gegenleistung für die Abgabe der von RWE gehaltenen RAG-Aktien auch eine "Kompensation" für den "entfallenden unternehmerischen Einfluss auf der Holding-Ebene der RAG". Danach sollte die RAG die Hälfte ihrer Anteile an der Saar Ferngas sowie die unternehmerische Führung der lukrativen Gas-Tochter an RWE abtreten. Zusätzlich machte Roels Ansprüche auf eine Sperrminorität sowie auf eine "unternehmerische Mitwirkung" beim RAG- Steinkohle-Verstromer Steag geltend. Nebenher wollte Roels auch eigene Bergbaualtlasten an die RAG abtreten.

RWE konnte sich letztlich nicht durchsetzen. "Die RAG ist nicht erpressbar", sagte dazu Unternehmenssprecher Christian Kullmann. So blieb RWE der Zugriff auf die Steag versagt. Allerdings trat die RAG ihre Saar-Ferngas-Beteiligung von 76,8 Prozent an RWE ab, und das zu dem von Branchenexperten, so die Zeitung, als extrem günstig eingestuften Preis von nur 367 Millionen Euro. Dieser Vertrag scheiterte jedoch am Widerstand des Bundeskartellamtes.

Ministerpräsident für Börsengang

Ministerpräsident für Börsengang

In der von RWE jetzt angegriffenen Optionsvereinbarung vom 19. März räumte der RAG-Vorstand daraufhin Arcelor die Möglichkeit ein, die Saar Ferngas nach Ablauf der Frist zu den mit RWE ausgehandelten Konditionen zu übernehmen.

Ein RWE-Sprecher bezeichnete den Briefwechsel von Roels als "unternehmerisch sauberes Handeln". Der damalige Briefwechsel lasse sich nicht mit den jetzigen Vorgängen vergleichen. "Beim Arcelor- Vertrag geht es um die Frage, ob der RAG-Aufsichtsrat angemessen eingebunden war und seinen Pflichten entsprechend nachkommen konnte, und ob seine Rechte verletzt wurden", sagte der RWE-Sprecher.

Die Optionen für Arcelor Mittal hält die RAG für legal und sieht sich vor der Aufsichtsratssitzung im Recht. Die Vorwürfe von RWE und anderen hatte der Konzern bereits zurückgewiesen. Die Option habe der vorherigen Zustimmung des Aufsichtsrates nicht bedurft. Außerdem sei die Vereinbarung in einer Aufsichtsratssitzung am 19. März vorgestellt worden. Am 15. Mai sollen nun Gutachten, die RAG-Aufsichtsratsvorsitzendem und Eon-Chef Wulf Bernotat in Auftrag gegeben hat, von Arcelor, der RAG und möglicherweise auch der Gewerkschaft IG BCE abgewogen werden.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) bekannte sich unterdessen zum geplanten Börsengang der RAG. "Es kann aber nicht sein, dass das Unternehmen privatisiert wird und gleichzeitig die Steuerzahler auf den Ewigkeitslasten sitzen bleiben", sagte Rüttgers am Samstag in Siegburg und fügte, ohne Müller beim Namen zu nennen, hinzu: "Die RAG gehört nicht einem Mann." Rüttgers ist dagegen, dass Müller den Vorsitz einer Kohlestiftung übernimmt, die die Kosten der Bergbau-Folgen wie absackende Häuser und Bergarbeiter-Renten übernehmen soll.

manager-magazin.de mit Material von dpa