Dienstag, 17. September 2019

Deutsche Telekom Drohender Streik

Die Angestellten der größten europäischen Telefongesellschaften wollen womöglich die Arbeit niederlegen und damit das Geschäftskundengeschäft ihres angeschlagenen Unternehmens schwächen. Die Deutsche Telekom will notfalls vor Gericht ziehen.

Bonn - Die Gewerkschaft Verdi will mit dem geplanten Streik bei der Deutschen Telekom Börsen-Chart zeigen vor allem Geschäftskunden des Konzerns treffen. "Privatkunden klammern wir bewusst aus, um die Solidarität der Bevölkerung mit uns nicht aufs Spiel zu setzen", sagte der Leiter der Abteilung Arbeitskampf bei Verdi, Ado Wilhelm, dem "Spiegel".

Deutsche-Telekom-Zentrale in Bonn: Vorbereitung auf den Arbeitskampf
Deutsche Telekom AG
Deutsche-Telekom-Zentrale in Bonn: Vorbereitung auf den Arbeitskampf
Große Versicherungen, Banken und Industriebetriebe müssten schon ab der kommenden Woche mit eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten rechnen. "Wir planen keinen wilden Rundumschlag, sondern wollen empfindliche Prestigeprojekte der Konzerntochter T-Systems zeitweise lahm legen", sagte Wilhelm. Er wollte auch nicht ausschließen, dass die Kommunikationsinfrastruktur des G-8-Gipfels Anfang Juni in Heiligendamm bestreikt wird. "Der Konzern fürchtet natürlich um sein internationales Ansehen. Doch das ist nicht unser Problem", zitiert das Magazin den Verdi-Vertreter.

In den vergangenen Jahren hatten Gewerkschaften in Deutschland immer wieder versucht, internationale Großveranstaltungen in der Bundesrepublik für ihre Arbeitskämpfe zu nutzen. Im vergangenen Jahr war die Fußballweltmeisterschaft dazu gerne wenn auch vergeblich vorgeschützt worden.

Die Telekom will auf den drohenden Streik notfalls mit juristischen Schritten reagieren. "Wir werden im Falle anhaltender Dauerstreiks die Gewerkschaft Verdi auf Schadenersatz verklagen", zitiert das Magazin "Focus" einen Telekomsprecher.

Mittlerweile wirft die Gewerkschaft der Deutschen Telekom vor, Angestellte von der Streikteilnahme abhalten zu wollen. "Die Telekom ist dabei, unsere Leute unbotmäßig zu bedrohen", sagte Wilhelm. Das Telekom-Management wehrt sich allerdings gegen die Vorwürfe. "Wir setzen niemanden unter Druck, sondern informieren die Mitarbeiter über die rechtlichen Rahmenbedingungen", sagte eine Konzernsprecherin dem "Tagesspiegel".

Verdi ruft ab Montag zur Urabstimmung auf, die einem Streik vorangehen muss. "Wir sind sicher, dass wir bis Donnerstag die nötige Mehrheit von 75 Prozent erhalten werden", sagte Verdi-Vorstand Lothar Schröder. Dann stünden sich Unternehmen und Beschäftigte im ersten Arbeitskampf seit der Umwandlung bei der Deutschen Telekom in eine Aktiengesellschaft vor zwölf Jahren gegenüber.

Der Protest der Gewerkschaft richtet sich gegen die geplante Auslagerung von rund 50.000 Beschäftigten in den neuen Geschäftsbereich T-Service, die mit einem Lohnabschlag von 9 Prozent und längeren Arbeitszeiten verbunden ist. Die Verhandlungen darüber zwischen Verdi und dem Telekom- Management waren in der vergangenen Woche abgebrochen worden.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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