Nokia Siemens Networks 2900 Stellen in Deutschland bedroht

Nokia Siemens Networks plant einen drastischen Jobabbau. Der Telefonnetz-Anbieter will in Deutschland bis zu 2900 Stellen innerhalb der nächsten Jahre streichen. Die IG Metall hat für nächste Woche bundesweite Proteste angekündigt.

Espoo - Der neue Telefonnetzwerk-Anbieter Nokia Siemens Networks (NSN) will bis 2010 mehr Arbeitsplätze in Deutschland abbauen als bislang bekannt. In Deutschland berate NSN mit Arbeitnehmervertretern über einen geplanten Personalabbau von bis zu 2900 seiner insgesamt 13.000 Stellen, teilte das Unternehmen am Freitag im finnischen Espoo mit. In Finnland sollen 1500 bis 1700 Stellen wegfallen. Weltweit ist ein Abbau von 15 Prozent oder rund 9000 der insgesamt 60.000 Stellen geplant. Das neue Unternehmen wolle mit dem Stellenabbau seine Kosten um mehrere Milliarden Euro senken.

Der NSN-Vorstandsvorsitzende Simon Beresford-Wylie sagte, der Stellenabbau sei ein notwendiger Schritt, um Nokia Siemens Networks wettbewerbsfähig aufzustellen. "Mir ist bewusst, dass die heute angekündigten Maßnahmen zum Personalabbau für die Betroffenen schwerwiegend sind", erklärte er. Es liege aber in der Verantwortung des Managements, dafür Sorge zu tragen, dass NSN ein erfolgreiches Unternehmen werde. Nur so könne man den Mitarbeitern langfristig Zukunftschancen eröffnen, sagte Beresford-Wylie.

Bereits im Juli 2006 hatten Nokia  und Siemens  angekündigt, dass das neue Gemeinschaftsunternehmen NSN den Personalbestand bis Ende 2010 in der Größenordnung von 10 bis 15 Prozent anpassen werde. Ausgehend von anfänglich 60.000 Mitarbeitern weltweit liege der geplante Abbau von 9000 Stellen in diesem Rahmen, teilte NSN mit. Um Arbeitsplätze zu sichern und zeitgleich die Flexibilität von NSN zu erhöhen, sollen Teile des Stellenabbaus durch "Geschäftsverlagerung an Partnerunternehmen erfolgen", die mit NSN zusammenarbeiten.

"Wut und Entsetzen"

Arbeitnehmervertreter in Deutschland haben schockiert auf den geplanten drastischen Stellenabbau reagiert. "Wir haben die Abbauzahlen mit Wut und Entsetzen zur Kenntnis genommen", sagte Michael Leppek von der IG Metall am Freitag in München. Die Streichung von 2900 Stellen in Deutschland sei weit mehr als man sich jemals vorgestellt habe. "Wir fühlen uns hinters Licht geführt." Die Arbeitnehmervertreter seien nicht bereit, über solche Pläne zu verhandeln. Für die kommende Woche sind deutschlandweit Protestaktionen geplant. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass in Deutschland auf Grund von früheren Vereinbarungen mit Siemens betriebsbedingte Kündigungen bis 2009 ausgeschlossen sind.

NSN war erst Anfang April an den Start gegangen - drei Monate nach dem einst geplanten Termin. Die Schmiergeldaffäre der früheren Siemens-Telekommunikationssparte Com hatte den Zusammenschluss um drei Monate verzögert. In der Presse war dem Bericht zufolge immer wieder spekuliert worden, dass das Gemeinschaftsprojekt ganz platzen könnte. Siemens hatte wegen der Affäre auch mehr Vermögenswerte in das Joint-Venture eingebracht als Nokia. Der Münchener Konzern hat 2,4 Milliarden Euro bereitgestellt, Nokia 1,7 Milliarden Euro. NSN erwirtschaftete 2006 insgesamt 17,1 Milliarden Euro Umsatz.

manager-magazin.de mit Material von ddp, dpa und reuters

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