EADS-HV Aktionäre sacken kompletten Gewinn ein

EADS-Co-Chef Louis Gallois hat sich auf der Hauptversammlung für die schlechten Zahlen des Luft- und Raumfahrtkonzerns entschuldigt. Sein Kollege Thomas Enders räumte Fehler im früheren Airbus-Vorstand ein. Die Aktionäre haben unterdessen für eine volle Ausschüttung des Nettogewinns gestimmt.

Amsterdam - Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS  muss seinen durch die Airbus-Krise stark geschrumpften Gewinn vollständig an die Aktionäre weiterleiten. Die Hauptversammlung der Anteilseigner beschloss am Freitag in Amsterdam mit knapper Mehrheit eine Dividende in Höhe von 0,12 Euro je Aktie.

Das war angesichts eines Gewinns von nur 99 Millionen Euro für EADS im vergangenen Jahr der höchst mögliche Betrag. Der Vorstand hatte sich nicht über die Auszahlung einer Dividende einigen können und die Entscheidung den Anteilseignern selbst überlassen.

EADS-Co-Präsident Arnaud Lagardère hat sich jedoch dazu entschieden, "aus Solidarität mit der Gesamtheit der Airbus-Mitarbeiter" auf die EADS- Dividende für sein Unternehmen zu verzichten. Es handele sich um etwa 15 Millionen Euro, die damit EADS zur Disposition stünden, teilte Lagardère mit.

Nach den erheblichen Problemen mit dem neuen Großraumflugzeug A380 und dem kleineren Prestigeprodukt A350 war der Gewinn des Konzerns trotz einer Rekordzahl an verkauften Flugzeugen dramatisch eingebrochen. Die neu formierte Unternehmensführung warb bei den Aktionären um Vertrauen. Airbus-Chef und EADS-Co-Vorsitzende Louis Gallois betonte, die Konsequenzen aus den Problemen des vergangenen Jahres seien gezogen worden. Das Unternehmen sei wieder auf der richtigen Spur, und die Kunden hätten ihm die Treue gehalten.

Co-Präsident Lagardère hingegen zog eine schonungslose Bilanz der Airbus-Krise. Die Probleme seien nicht richtig angegangen worden. "Das hat zu fürchterlichen Konsequenzen geführt", sagte Lagardère. Gallois entschuldigte sich: "Es tut uns schrecklich leid, solche schlechten Zahlen präsentieren zu müssen", sagte er.

Sein Co-Vorsitzender bei EADS, Tom Enders, räumte ein, dass es im alten Airbus-Vorstand Selbstgenügsamkeit gegeben habe. Häufig kritisiert wurde bei der Aktionärsversammlung die umstrittene Abfindung für den ausgeschiedenen Airbus-Chef Noël Forgeard in Höhe von 8,5 Millionen Euro. Lagardère verwies auf dessen vertragliche Ansprüche.

Lagardère gab der Führungsspitze volle Rückendeckung für das Sanierungsprogramm Power 8, das auch die Streichung von 10.000 Arbeitsplätzen vorsieht. Gallois betonte, das Programm bedeute aber mehr als die Entlassung von Mitarbeitern. Es solle auch dazu beitragen, den kompliziert gebauten internationalen Konzern besser zu integrieren. Außerdem solle es EADS helfen, ein "Netzwerk von Partnern" zu schaffen, um Entwicklungen und Risiken nicht nur alleine tragen zu müssen.

Gallois sagte für Airbus auch in diesem Jahr einen "deutlichen Verlust" voraus, verursacht durch die Anschubkosten für Power 8 und durch die Dollarschwäche.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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