ABN Amro Gericht durchkreuzt Megafusion

Die Bankenfusion zwischen ABN Amro und der britischen Barclays steht nach einem Gerichtsurteil wieder in Frage. Die ABN-Führung darf die US-Tochtergesellschaft LaSalle nicht wie bereits vereinbart verkaufen. Nun steigen die Chancen für die Royal Bank of Scotland - Aktionäre setzen auf einen neuen Bieterkampf.

Amsterdam - Handelsrichter in Amsterdam verboten der Führung von ABN Amro  am Donnerstag den Verkauf der US-Tochter LaSalle an die Bank of America  und erklärten, diese Entscheidung müssten die Aktionäre treffen.

Der Verkauf war vom ABN-Management eingefädelt worden und steht im direkten Zusammenhang der bereits vereinbarten Übernahme der ABN durch Barclays  für rund 63 Milliarden Euro.

Chancen für Gegenangebot der RBS gestiegen

Für ABN liegt auch eine Offerte von rund 72 Milliarden Euro einer Gruppe um die Royal Bank of Scotland  vor, die aber LaSalle mit übernehmen will. Die Führung von ABN hat das Angebot trotz der höheren Bewertung abgelehnt.

Die ABN-Aktionärsgruppe VEB hatte gegen den vereinbarten LaSalle-Verkauf geklagt, da dieser rivalisierende Bieter abschrecke. Sie forderte nun den Rücktritt von ABN-Chef Rijkman Groenink.

Aktionäre müssen befragt werden

Das Gericht urteilte, bei dem LaSalle-Verkauf handele es sich um eine "große Transaktion". Diese müsse von den Aktionären abgesegnet werden. Auch vor einem Verkauf von ABN als ganzes oder in Teilen müssten die Aktionäre befragt werden.

An der Börse stiegen die ABN-Aktien nach der Entscheidung des Gerichts - ein Zeichen dafür, dass Anleger darauf setzen, dass ein neuer Bieterkampf um ABN entbrennen könnte.

LaSalle sollte 15 Milliarden Euro einbringen

Das ABN-Management hatte sich jüngst mit Barclays auf die Mega-Fusion geeinigt. Dabei wurde auch der LaSalle-Verkauf an die Bank of America für 15 Milliarden Euro vereinbart. Die Gruppe um RBS, zu der auch die niederländisch-belgische Fortis  und die spanische Santander  gehören, hatte kurz darauf ein Konkurrenz-Angebot angekündigt. Sie will dieses aber nur dann aufrechterhalten, wenn der LaSalle-Verkauf rückgängig gemacht werden kann, weil RBS selbst die US-Bank haben will.

Vor der Gerichtsentscheidung galt eine solche Annullierung aber als aussichtslos: Bis zum 6. Mai können zwar noch weitere Angebote für LaSalle eingereicht werden. Die Bank of America hat aber ein Vorkaufsrecht und muss lediglich den höchsten gebotenen Preis zahlen.

ABN-Chef Groenink hatte nach dem RBS-Gebot mit der Gruppe gesprochen und ihr Einblick in die ABN-Bücher gewährt. Er blieb aber bei seiner Einschätzung, dass eine Fusion mit Barclays die beste Option für die Aktionäre sei. Bei der Fusion, die das fünftgrößte Institut der Welt entstehen ließe, sollen 23.600 Stellen wegfallen.

Der britische Hedge-Fonds TCI hat ABN bereits zur Annahme der RBS-Offerte geraten. TCI besitzt weniger als drei Prozent an ABN und hatte die Fusionsgespräche Anfang 2007 ausgelöst, als er wegen schwacher Renditen eine ABN-Zerschlagung gefordert hatte.

manager-magazin.de mit Material von dpa

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