Eon-HV Vieles auf dem Prüfstand

Eon will seine Konzern- und Kapitalstrukturen optimieren. Ein Programm wird der Vorstand Ende Mai vorlegen. Bis dahin stehen auch die Dividendenpolitik und Aktienrückkäufe auf dem Prüfstand. Zugleich bekräftigt der Konzern sein Interesse am russischen Strommarkt.

Essen - Eon-Vorstandschef Wulf Bernotat, dessen Vertrag um zwei Jahre bis 2010 verlängert werden soll, kündigte am Donnerstag auf der Hauptversammlung in Essen an, am 31. Mai werde der Konzern hierzu umfassend informieren. Bis dahin will Eon  die geplanten Investitionen sowie die künftigen Ergebnis- und Dividendenziele auf den Prüfstand stellen.

Hintergrund sind unter anderem die anstehenden Zukäufe von Endesa-Aktivitäten und damit der Markteintritt in die zwei neuen Märkte Spanien und Frankreich. Bernotat verwies darauf, dass Eon mit der Präsenz in dann 22 Ländern besser als jedes andere Energieunternehmen über Grenzen hinweg seine Investitionen optimieren und effiziente Strukturen formen könne. Unter dem Namen "europe.on" gehe es jetzt unter anderem darum, die europaweite Stromerzeugung und die Klimaschutzaktivitäten des Konzerns zu optimieren.

Eon  hatte nach dem Scheitern der Endesa-Übernahme vor einem Monat mit den Konkurrenten Enel  und Acciona  den Erwerb von Assets für insgesamt zehn Milliarden Euro vereinbart. Bernotat hatte in diesem Zusammenhang angekündigt, die Finanzstrukturen des Konzerns bis zum Sommer zu überprüfen. Von Analysten war nach dem Ende des Endesa-Pokers vielfach eine Sonderausschüttung oder ein Aktienrückkauf für möglich gehalten worden.

Die Entscheidungen sollen jetzt bereits im Mai fallen. Eon wolle die Bilanz künftig aktiv steuern und deshalb klare und messbare Zielgrößen setzen, erläuterte Bernotat auf der Hauptversammlung. Derzeit werde neben der Dividendenpolitik und einem Aktienrückkauf auch der Einfluss der Investitionen auf die Kapitalstruktur überprüft. Es gehe dabei nicht um kurzfristige Einzelmaßnahmen, sondern "um einen kontinuierlichen Prozess zur nachhaltigen Wertsteigerung".

"Eon sehr erfolgreich ins neue Jahr gestartet"

Bernotat kündigte zugleich an, Eon werde Ende Mai auch "anspruchsvolle neue Ziele zur Ertragssteigerung" veröffentlichen. Für 2007 äußerte sich der Vorstandsvorsitzende bereits etwas optimistischer als bisher. Der Konzern sei "sehr erfolgreich" in das laufende Jahr gestartet, sagte er. Daher gehe man davon aus, beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) das Vorjahresniveau "übertreffen" zu können.

Genauer äußerte Bernotat zunächst nicht. Bisher war Eon von einer "leichten Steigerung" des Ebit ausgegangen. In der Vergangenheit hatte der Konzern bei einem Plus bis zu 5 Prozent immer von einer "leichten Steigerung" gesprochen und eine prozentual zweistellige Verbesserung als "deutlich" bezeichnet.

Interesse am russischen Strommarkt bekräftigt

Darüberhinaus bekräftigte der Konzern am Donnerstag sein Interesse an einem Einstieg in den russischen Strommarkt bekräftigt. Mit einem jährlichen Wachstum von 5 Prozent sei Russland ein attraktiver Markt, sagte Bernotat. Eon werde sich aber im Fall eines Markteintritts zunächst nicht im großen Stil in Russland engagieren, sondern mit mehreren kleineren Projekten.

Eon prüfe zudem eine Zusammenarbeit mit dem russischen Gasriesen Gazprom zur Verstromung von Erdgas, sagte Bernotat. Bernotat betonte erneut, dass Eon keine Pläne habe, sich von seinem Anteil an Gazprom zu trennen. Der Energiekonzern hält rund 6,4 Prozent an dem russischen Unternehmen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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