Tarifstreit "Kein kollektives Betteln"

Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Peters hat die massiven Warnstreiks im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie im Vorfeld der heutigen Verhandlungen in Sindelfingen gegen Kritik der Arbeitgeber verteidigt.

Die Gewerkschaft könne ihre Forderung nach 6,5 Prozent mehr Lohn schließlich nicht mit "kollektivem Betteln" durchsetzen, sagte Peters am Donnerstag im Deutschlandfunk. Warnstreiks seien keine Rituale, sondern eine Möglichkeit, Druck auszuüben. Diesen bekämen die Unternehmen zunehmend zu spüren. Produktionsausfälle seien wegen prall gefüllter Auftragsbücher schon jetzt vielfach nicht mehr aufzuholen.

Peters bekräftigte die Auffassung der Gewerkschaften, dass die Zeit der Lohnzurückhaltung vorbei sei. Die maßvollen Abschlüsse der vergangenen Jahre hätten dem Arbeitsmarkt nicht geholfen. Im Gegenteil seien hunderttausende Stellen abgebaut worden. Den Beitrag geringer Lohnsteigerungen zum Konjunkturaufschwung sehe er ebenfalls nicht. Wenn die Massen nichts mehr kaufen könnten, weil es ihnen schlicht an Geld fehle, werde Wachstum verhindert. Eine Zahl für einen Kompromiss wollte Peters nicht nennen.

Die Gewerkschaft verlangt 6,5 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber bieten 2,5 Prozent plus einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent. Er könne sich nicht erinnern, wann es der Branche so gut gehe wie dieser Tage, sagte Peters. Er habe nichts gegen Einmalzahlungen. Doch wollten die Gewerkschaften diesen Zuschlag "on top", die Arbeitgeber als Ersatz für Gehaltsanhebungen. Der Unternehmerseite gehe es darum, der Öffentlichkeit Sand in die Augen zu streuen.

Hunderte Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie haben unterdessen am Donnerstagmorgen bundesweit ihre Arbeit vorübergehend niedergelegt. Ein Schwerpunkt der Aktionen sollte nach Gewerkschaftsplanungen mit mehreren 10.000 Teilnehmern im Südwesten liegen. Am Mittwoch waren bundesweit rund 100.000 Arbeitnehmer für mehr Geld auf die Straße gegangen.

"Laufzeit ist kein Allheilmittel"

In den Morgenstunden ließen hunderte Beschäftigte in Hessen, Thüringen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, dem Saarland und in Hamburg die Arbeit vorübergehend ruhen. Der Arbeitgeberverband Südwestmetall hat für die Gespräche am Nachmittag in Sindelfingen ein verbessertes Angebot angekündigt.

Der Gesamtmetall-Vorsitzende Martin Kannegiesser zeigte sich im Bayerischen Rundfunk zuversichtlich, dass eine Lösung im Tarifstreit gefunden werden kann. "Die Zeit ist reif. Wir sind wohl auf beiden Seiten der Meinung, dass jetzt der Knoten durchgeschlagen werden sollte", sagte Kannegiesser. Ein Kompromiss könne möglicherweise über die Laufzeit des ausgehandelten Tarifvertrags erzielt werden. Dies sei "sicherlich in jeder Tarifrunde eine der Stellschrauben". Die Laufzeit sei aber "kein Allheilmittel", warnte er vor überzogenen Hoffnungen.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und ddp

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