Gea Lentjes für einen Euro verkauft

Der angestrebte Ausstieg aus dem Großanlagenbau ist endlich gelungen. Aber der symbolische Preis, den Gea für seine Tochter Lentjes erzielt, erstaunt Experten. Zudem übernimmt Gea für den Käufer, die österreichische A-Tec Industries, einen Teil der künftigen Risiken.

Bochum/Ratingen - Der Spezialmaschinen- und Anlagenbauer Gea , hervorgegangen aus MG Technologies, hat seine in die roten Zahlen gerutschte Tochter Lentjes verkauft. Damit ist die angekündigte Trennung vom Großanlagenbau abgeschlossen. Das Unternehmen sei für einen Euro an die österreichische A-Tec Industries  verkauft worden, berichtete Gea am Mittwoch in Bochum. Der Aktienkurs von A-Tec zog um mehr als drei Prozent an.

Der Wiener Käufer hat sich nach Angaben von Gea verpflichtet, die Kapitalbasis von Lentjes mit einem zweistelligen Millionenbetrag zu stärken. Das im Bau von Müllverbrennungen und Gasreinigungen tätige deutsche Unternehmen beschäftigt in Ratingen 350 Mitarbeiter. Lentjes hatte im vergangenen Jahr einen Verlust von 345,6 Millionen Euro ausgewiesen.

Die Chancen und Risiken der weitgehend fertig gestellten Projekte sollen der Vereinbarung zufolge beim Verkäufer verbleiben. Der Käufer trage das Risiko der Projekte, die weniger weit gediehen sind. Der Jahresabschluss 2007 werde von diesen Risiken jedoch nicht tangiert, sagte der Gea-Sprecher: "Absehbare negative Risiken haben wir bereits im Jahresabschluss 2006 durch Abschreibungen berücksichtigt."

"Im Endeffekt zählt, dass Lentjes aus den Büchern ist"

Erst vor rund zwei Wochen hatte Gea seine zweite im Großanlagenbau tätige Tochter Lurgi an den französischen Konzern Air Liquide  verkauft. Das Bochumer Unternehmen will sich künftig auf das Geschäft mit Maschinenbau in den Bereichen Nahrungs- und Genussmittel, der pharmazeutischen Industrie sowie der Energieversorgung konzentrieren.

Der Verkauf der Lentjes Gruppe für den symbolischen Preis von einem Euro ist nach Einschätzung eines Händlers erst auf den zweiten Blick positiv für die Gea-Gruppe. "Zunächst ist der Verkaufspreis schon eine Überraschung", sagte der Börsianer am Mittwochabend. Die Erwartungen seien nach dem Lurgi-Verkauf zwar bereits nach unten korrigiert worden, dass Lentjes nun aber quasi verschenkt wird, käme dann doch überraschend.

Dass die einige der Geschäftsrisiken bei Gea verblieben, sei "schwierig zu bewerten", so ein Börsenhändler. Da Gea aber mitgeteilt habe, dass die Risiken bilanziell abgesichert seien, könne dies nur heißen, dass mit den künftigen Aufträgen nur noch gewonnen werden kann. "Im Endeffekt zählt jetzt, dass Lentjes aus den Büchern raus ist und der Blick in die Zukunft gerichtet werden kann", so das Fazit des Börsianers.

Vorstandschef Oleas: "Durch und durch gesund"

Im Geschäftsjahr 2006 hatte die Gea-Gruppe mit 17.500 Mitarbeitern einen Konzernumsatz von 4,3 Milliarden Euro erzielt. Durch Belastungen wegen notwendiger Rücklagen und zu erwartender Verluste durch die noch zum Verkauf stehende Tochter Lentjes wies Gea im vergangenen Jahr einen Verlust von 288,2 Millionen Euro aus.

Sowohl im laufenden Jahr als auch 2008 peilt Gea einen Umsatzanstieg von 5 bis 10 Prozent an. Der operative Gewinn werde überproportional dazu wachsen. "Nach dem Verkauf des Großanlagenbaus wird Gea ein durch und durch gesunder und äußerst profitabler Konzern sein", sagte Vorstandschef Jürg Oleas anlässlich der Bilanzpressekonferenz Ende März.

manager-magazin.de mit Material von dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.