Fusionspoker Klage gegen ABN Amro

Nicht nur der einflussreiche Hedgefonds TCI beschert ABN-Amro-Chef Rijkman Groenink Probleme. Auch eine befürchtete Sammelklage von US-Aktionären ist Realität geworden. Zudem droht noch die Bank of America.

Amsterdam - Die niederländische Großbank ABN Amro  sieht sich wegen des geplanten Verkaufs der US-Tochter LaSalle an die Bank of America  mit Aktionärsklagen in den USA konfrontiert. Die Bank bestätigte am Mittwoch in Amsterdam, dass eine von Halpert Enterprise angeführte Gruppe von Aktionären eine Sammelklage vor dem New York State Court eingereicht habe. Diese habe offenbar das Ziel, den LaSalle-Verkauf zu stoppen. ABN werde die Klage aus verschiedenen Gründen anfechten und eine Abweisung fordern.

ABN Amro hatte parallel zu der geplanten Fusion mit der britischen Barclays Bank  den Verkauf von LaSalle an Bank of America für 21 Milliarden US-Dollar bekannt gegeben. Die ABN-Aktionäre um den Hedge-Fonds TCI hatten die Vereinbarung stark kritisiert und gefordert, dass der Verkauf eines so essenziellen Teils der Bank auf einer Hauptversammlung abgesegnet werden müsse.

Die Anteilseigner sehen den Verkauf der US-Tochter als "Giftpille" von ABN, um den Konzern weniger attraktiv für ein Konsortium um die Royal Bank of Scotland (RBS) zu machen. Die Bietergruppe aus RBS, Fortis und Banco Santander bietet mehr als Barclays für ABN Amro - will aber die gesamte Gruppe inklusive LaSalle übernehmen.

Der Investor TCI, der drei Prozent an ABN Amro hält, kritisierte das Management scharf. TCI-Chef Christopher Hohn hat nach bisher nicht dementierten Informationen aus Managementkreisen den sofortigen Rücktritt von ABN-Amro-Chef Rijkman Groenink gefordert. Grund seien Vorwürfe des Fonds, Groenink habe das Übernahmeangebot des britischen Konkurrenten Barclays dem konkurrierenden um die RBS aus nicht nachvollziehbaren Gründen vorgezogen.

Entscheidung schon am Donnerstag

In einem Schreiben von TCI an den ABN-Amro-Aufsichtsratschef Arthur Martinez soll es demnach heißen, Groenink sei "nicht mehr glaubwürdig". Die Aktionäre hätten auf der Hauptversammlung in der vergangenen Woche für einen Antrag gestimmt, der auf den Verkauf der Bank abziele. Nach Ansicht von TCI ignoriert Groenink den Vorschlag. Es sei ein Fehler, sich mit dem RBS-Santander-Fortis-Gebot nicht zu befassen.

Die Bank of America hatte der ABN Amro zuvor offenbar ebenfalls gedroht, bei dem Verkauf der Tochter LaSalle eine Klage in Höhe von 220 Milliarden US-Dollar einzureichen, falls der Deal aus nicht-wettbewerbsrechtlichen Gründen scheitern sollte. Das berichtete die Zeitung "The Times".

Ein niederländisches Gericht will über den Verkauf von LaSalle an Bank of America am Donnerstag entscheiden. Ab Freitag wäre die Transaktion der Zeitung zufolge vorbehaltlos. Die Höhe der Klage entspreche der doppelten Marktkapitalisierung und dem Zehnfachen des Kaufpreises für LaSalle von 21 Milliarden Dollar.

manager-magazin.de mit Material von dpa, vwd

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