Warnstreiks Zehntausende im Ausstand

Der Tarifkonflikt in der Metallindustrie hat am Tag vor der nächsten Verhandlungsrunde einen neuen Höhepunkt erreicht. Mehrere zehntausend Beschäftigte traten in Warnstreiks. Am Donnerstag will die Gewerkschaft den Druck erneut erhöhen. Gleichzeitig kippen die Arbeitgeber Ost im Baugewerbe die gerade vereinbarte Tarifeinigung.

Berlin - Einen Tag vor neuen Tarifverhandlungen in der Metallindustrie hat die Gewerkschaft den Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Bundesweit legten mehrere zehntausend Beschäftigte vor allem in der Automobil- und deren Zulieferindustrie am Mittwoch die Arbeit nieder. Schwerpunkt war Süddeutschland: In Baden-Württemberg waren nach Angaben der IG Metall mehrere zehntausend Beschäftigte in rund 400 Betrieben im Ausstand.

Alleine bei DaimlerChrysler  in Sindelfingen legten nach Angaben einer Betriebsratssprecherin am Vormittag rund 12.000 Beschäftigte die Arbeit nieder. In Bayern waren es über 10.000 unter anderem bei BMW .

Parallel zu der als entscheidend eingestuften fünften Tarifrunde am Donnerstag will die Gewerkschaft die Aktionen noch einmal steigern. Dann sollen mehr als 100.000 Beschäftigte im Ausstand sein. Die Arbeitgeber warnten vor einer weiteren Eskalation. Die Warnstreiks dürften nicht das Ausmaß von regulären Streiks annehmen, sagte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser.

Die Tarifparteien treffen sich am Donnerstag in Baden-Württemberg. Die Gewerkschaft verlangt 6,5 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber bieten 2,5 Prozent plus einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent.

DaimlerChrysler-Betriebsratschef Erich Klemm kündigte in Sindelfingen vor den Beschäftigten eine weitere Steigerung der Proteste für Donnerstag an. Wenn es dann keine Einigung gebe, werde in einer Urabstimmung über reguläre Streiks entschieden.

Baugewerbe Ost kippt Tarif

Baugewerbe Ost kippt Tarif

Die ostdeutschen Arbeitgeber haben am Mittwoch die Tarifeinigung für die bundesweit 700.000 Beschäftigten des Baugewerbes gekippt. Die Verbandsvertreter der neuen Bundesländer lehnten den Tarifvorschlag einstimmig ab, teilte der Sächsische Baugewerbeverband mit. Begründet wurde dies mit der immer noch schwierigen konjunkturellen Lage des Baugewerbes im Osten.

IG Bau und Arbeitgeber hatten sich im Kern auf Lohnerhöhungen von 3,5 Prozent geeinigt. Nach dem Willen der West-Arbeitgeber führt das ostdeutsche Nein zum Scheitern des Tarifvorschlags für die gesamte Bundesrepublik. Der vorliegende Tarifkompromiss geht nach den Angaben nun in die Schlichtung. Als Vorsitzender der Schlichtungskommission ist Ex-Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) vorgesehen.

"Angesichts der tatsächlichen Entwicklung des ostdeutschen Bauhandwerks, das auf einen Aufschwung noch immer vergeblich wartet, wären diese Steigerungen unzumutbar", sagte der Interessenvertreter des Ostens im Zentralverband des deutschen Baugewerbes (ZDB), Uwe Nostiz. Moniert wurde auch der Vorschlag zur Anhebung der Lehrlingsentgelte um 3,1 Prozent.

Der Tarifkompromiss war bereits vor rund einem Monat ausgehandelt worden. Am vergangenen Montag hatte die IG Bauen-Agrar-Umwelt das Ergebnis angenommen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters und ddp

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