Arbeitsmarkt Hoffnungsstrahlen

Der anhaltende Konjunkturboom macht sich immer stärker auf dem Jobmarkt bemerkbar. Die Arbeitslosenzahl sank im April unter die Vier-Millionen-Grenze und damit auf den niedrigsten Stand seit viereinhalb Jahren. Experten rechnen mit einer weiteren Erholung und sehen bis 2009 zum Teil sogar die Drei-Millionen-Marke in Reichweite.

Nürnberg - Die Arbeitslosenzahl in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2002 gesunken. Die Zahl der Arbeitslosen ging im April gegenüber dem Vormonat um 141.000 auf 3.967.000 zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) am Mittwoch in Nürnberg berichtete. Das waren 824.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote ging um 0,3 Punkte auf 9,5 Prozent zurück. Vor einem Jahr hatte sie noch bei 11,5 Prozent gelegen. Zum ersten Mal hat die Zahl der Arbeitslosen damit in diesem Jahr die psychologisch wichtige Marke von vier Millionen unterschritten.

Der konjunkturelle Aufschwung habe den Arbeitsmarkt weiterhin kräftig belebt, sagte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. Das Beschäftigungswachstum setze sich fort. Auch die Zahl der offenen Stellen sei abermals gestiegen. Bereits am Vortag hatte Bundesarbeitsminister Franz Müntefering mitgeteilt, dass die Zahl der Menschen ohne Job mit 3,967 Millionen zum ersten Mal seit mehr als vier Jahren im April unter die Vier-Millionen-Marke gesunken sei.

Experten rechnen angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung mit einer weiteren Erholung: Der Chefvolkswirt von Allianz  und Dresdner Bank, Michael Heise, hält bis 2009 sogar einen Rückgang der Erwerbslosigkeit auf unter drei Millionen für möglich. "Der Rückgang der Arbeitslosigkeit in den letzten zwei Jahren ist sensationell. Wenn die Politik nicht vom Reformkurs abweicht und die Lohnerhöhungen moderat bleiben, kann die Arbeitslosenszahl spätestens 2009 unter die Drei-Millionen-Marke sinken," sagte Heise der "Bild".

Während der Wirtschaftsweise Bert Rürup im kommenden Jahr einen Rückgang der Arbeitslosenzahl auf 3,5 Millionen für möglich hält und für 2007 mit durchschnittlich 3,8 Millionen rechnet, wie er der "Bild" sagte, hält die BA im Winter auch erneut einen Sprung über die Vier-Millionen-Marke für möglich. "Wir werden in den nächsten Monaten eher unter vier Millionen bleiben", sagte BA-Chef Weise. "Bei einem starken Winter ist im Dezember nochmal vier Millionen möglich."

Im Durchschnitt rechnet er für 2007 mit 3,8 bis 3,9 Millionen Menschen ohne Arbeit. "Wenn wir im Mai nochmal eine gute Entwicklung haben, dann geht es eher gegen 3,8", sagte er.

Keine Personalreserven

Keine Personalreserven

Nach Ansicht des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, haben die lange umstrittenen Hartz-Reformen der früheren rot-grünen Bundesregierung entscheidend zum Rückgang der Arbeitslosigkeit beigetragen. "Es gibt erste Hinweise, dass die Hartz-Reformen tatsächlich wirken und die Beschäftigungsschwelle sinkt", sagte Zimmermann der "Berliner Zeitung". Die gute Konjunktur löse einen kräftigeren Aufschwung am Arbeitsmarkt aus als in früheren Jahren. Das liege an den verstärkten Vermittlungsaktivitäten der Jobcenter sowie an der personellen Auslastung der Unternehmen. Diese hätten in der Vergangenheit so viele Beschäftigte abgebaut, dass sie nun keine Reserven mehr hätten und neues Personal einstellen würden.

Wie Weise weiter erläuterte fiel der Rückgang der Arbeitslosigkeit im April zwar schwächer aus als im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Das sei aber auch darin begründet, dass in diesem Jahr weniger Winterarbeitslosigkeit abzubauen war. Gerundet sank die Arbeitslosenzahl im Westen im April um 93.000 auf 2,605 Millionen. Im Osten verringerte sie sich um 49.000 auf 1,362 Millionen. Die saisonbereinigte Erwerbslosenzahl sank im April schwächer als erwartet. Bundesweit ging sie um 9.000 auf 3,845 Millionen zurück.

Experten hatten hingegen mit einem deutlicheren Rückgang um 40.000 gerechnet. Im Westen nahm die um jahreszeitliche Einflüsse bereinigte Erwerbslosenzahl um 11.000 ab. Im Osten stieg sie dagegen um 2.000 an.

Auch nach Einschätzung von Peter Meister von der BHF-Bank hat die Zahl offener Stellen sehr stark zugenommen. Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts, Thomas Straubhaar, sprach in der "Neuen Osnabrücker Zeitung", von mindestens 800.000 neuen Arbeitsplätzen, die 2006 bis 2008 geschaffen würden. "Die Unternehmen haben großes Vertrauen in den Aufschwung und investieren relativ stark", sagte BHF-Experte Meister weiter. "Es ist durchaus möglich, dass wir in den nächsten Monaten in Richtung 3,5 Millionen gehen werden."

manager-magazin. de mit Material von reuters, dpa, ap und ddp

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