Tarifrunde IG Metall droht mit Streik

Die Metallindustrie steht vor der Entscheidung. Kommen die Arbeitgeber in der nächsten Verhandlungsrunde am Donnerstag nicht der IG Metall entgegen, will die Gewerkschaft zum Streik rufen. Gewerkschaftsführer sendeten in ihren Reden zum 1. Mai aber auch Signale der Kompromissbereitschaft.

Hamburg - Die IG Metall hat vor der entscheidenden Verhandlungsrunde am Donnerstag ihren Druck auf die Arbeitgeber erhöht. Gewerkschaftschef Jürgen Peters drohte indirekt mit Streik, sollte am Donnerstag im traditionellen Pilotbezirk Baden-Württemberg kein Durchbruch in der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gelingen.

"Wenn es am Verhandlungstisch friedlich nicht geht, wenn eine Lösung nicht möglich ist, dann werden wir unseren Anteil am Aufschwung über einen anderen Weg holen", rief Peters am Dienstag den Teilnehmern einer Mai-Kundgebung in Hamburg zu. Die Gewerkschaft weitete ihre Warnstreiks auf Bayern aus. Am Mittwoch sollen die befristeten Arbeitsniederlegungen auf Betriebe in ganz Deutschland ausgedehnt werden.

Peters erneuerte die Gewerkschaftsforderung nach kräftigen Einkommenssteigerungen für die 3,4 Millionen Beschäftigten der Branche, signalisierte aber auch Kompromissbereitschaft. "Wir wollen 6,5 Prozent, wissen aber auch, dass wir einen Kompromiss machen müssen." Peters verlangte von den Arbeitgebern ein Angebot, "über das man ernsthaft verhandeln kann". Diese haben bislang 2,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie einen Konjunkturbonus von 0,5 Prozent geboten, der mit Ablauf des Tarifvertrages wieder entfallen soll.

Der baden-württembergische IG-Metall-Bezirkschef Jörg Hofmann bekräftigte die Bereitschaft zu einem Tarifvertrag mit zweistufiger Laufzeit. "Ich kann mit eine Laufzeit von 18 Monaten bis September 2008 vorstellen, bei der man sicher mit zwei Prozentzahlen operieren muss", sagte er der "Stuttgarter Zeitung" (Mittwochausgabe). Damit könnte im kommenden Jahr eine Korrektur der zweiten Erhöhung vorgenommen werden, wenn dies auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung erforderlich sein sollte.

Hofmann: Einigung in Sindelfingen oder Urabstimmung

Wie Peters drohte auch Hofmann mit Streik. Wenn am Donnerstag oder Freitag in Sindelfingen keine Einigung erzielt werde, "heißt die Konsequenz Urabstimmung und Arbeitskampf", sagte er. "Aus heutiger Sicht sehe ich in Baden-Württemberg keinen sechsten regionalen Verhandlungstermin."

Peters sagte, er rechne damit, dass auch die Arbeitgeber eine Lösung anstrebten. Ihnen sei durchaus bewusst, dass eine weitere Verlängerung des Tarifkonflikts auch eine Verschärfung bedeuten würde, sagte der IG-Metall-Chef am Rande der Mai-Kundgebung.

Warnstreiks ausgeweitet

Nach Angaben der Gewerkschaft legten in der Nacht zum Dienstag rund 350 Beschäftigte des Münchner Herstellers von elektronischen Bauelementen, Epcos , für eine Stunde die Arbeit nieder. Weitere Warnstreiks habe es in Lohr bei den Unternehmen Rexroth Guss und Bosch Rexroth gegeben. Am Mittwoch sollen nach Angaben der Gewerkschaft über 10.000 Beschäftigte in 20 bayerischen Betrieben die Arbeit vorübergehend niederlegen, darunter bei MAN  in München.

Auch in anderen Bundesländern will die Gewerkschaft dann ihre Warnstreiks massiv ausweiten. Allein im Verhandlungsbezirk Baden-Württemberg sollen nach Gewerkschaftsangaben über 400 Betrieben in den Arbeitskampf einbezogen werden. Am Mittwoch sind unter anderem Warnstreiks an mehreren Standorten von DaimlerChrysler , bei Porsche  und bei Audi geplant.

manager-magazin.de mit Material von reuters