Kleinfeld-Abschied Crommes Erklärung

Gerhard Cromme hat die Trennung von Klaus Kleinfeld erstmals offiziell begründet. Der Siemens-Chefkontrolleur verweist auf den Druck von US-Behörden. Anwälte des Konzerns hätten auf deren ernste Bedenken hingewiesen. Die Vorwürfe seien umfangreich.

München - Der scheidende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat die Unterstützung im Aufsichtsrat vor allem wegen des Drucks der US-Behörden in der Schmiergeldaffäre verloren. Es gebe zwar bisher keine Hinweise auf ein Fehlverhalten Kleinfelds, erklärte der neue Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Donnerstag.

Die US-Anwälte von Siemens  hätten aber auf die "ernsten Bedenken der US-Behörden" hingewiesen, die aufmerksam verfolgten, "wie Vorstand und Aufsichtsrat mit den Vorwürfen gegen das Unternehmen umgehen". Daraufhin seien zahlreiche Mitglieder gegen eine Verlängerung von Kleinfelds Vertrag gewesen. In der Folge hatte Kleinfeld seinen Rücktritt als Siemens-Chef angekündigt.

Kleinfeld erklärte am Abend, er habe Cromme schon am Mittwochmorgen vor der Aufsichtsratssitzung darüber informiert, dass er für eine Vertragsverlängerung nicht zur Verfügung stehe. Der Entschluss sei nicht auf der Sitzung gefallen.

Der Vorstandsvorsitzende verabschiedete sich am Donnerstag mit der Vorlage glänzender Halbjahreszahlen und verordnete dem Konzern trotz seines baldigen Abschieds ein neues, ehrgeiziges Renditeprogramm. Ein Ende der Krise bei Deutschlands größtem Elektrokonzern ist aber nicht in Sicht. Der Schmiergeldskandal dürfte sich nach Einschätzung des Unternehmens noch ausweiten.

Kleinfelds Vertrag läuft zwar noch bis Herbst, inzwischen zeichnet sich ein schneller Wechsel an der Spitze ab. Der noch amtierende Vorstandsvorsitzende will gehen, sobald ein Nachfolger bereit steht. "Ich werde keinem im Wege stehen", sagte Kleinfeld. Der Rücktritt falle ihm nach 20 Jahren bei Siemens schwer.

"Es war mir eine unglaubliche Ehre in den letzten zwei Jahren, Vorsitzender des Vorstands dieses großartigen Unternehmens zu sein." Allerdings habe ihm zuletzt das nötige Vertrauen aus dem Aufsichtsrat gefehlt. Seine Entscheidung bedeute nicht, dass er eine Verantwortung im Schmiergeldskandal übernehme. Hier habe er sich nichts vorzuwerfen.

Der Konzern sei geschäftlich trotz der Affären gut unterwegs, betonte der scheidende Vorstandsvorsitzende. "Siemens ist bestens für die Zukunft aufgestellt." Im vergangenen Quartal erreichten erstmals alle Sparten die ehrgeizigen Margenziele. Das operative Ergebnis der Bereiche verbesserte sich um 49 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro. Der Umsatz legte um 10 Prozent auf 20,6 Milliarden Euro zu.

Die größte Gefahr droht dem Konzern weiterhin aus den Schmiergeldermittlungen. Bisher geht der Konzern von dubiosen Zahlungen in Höhe von 420 Millionen Euro primär in der Kommunikationssparte Com aus. Nun würden auch die anderen Bereiche genau unter die Lupe genommen, hieß es.

Als Konsequenz erwarte Siemens, dass die Summe verdächtiger Zahlungen noch einmal deutlich zunehmen wird. Die Affäre kommt den Konzern ohnehin schon teuer zu stehen. Allein im abgelaufenen Quartal fielen Zahlungen an externe Berater, die bei der Aufklärung helfen sollen, in Höhe von 63 Millionen Euro an.

manager-magazin.de mit material von ap, dpa

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