ABN Amro "Es geht nicht nur ums Geld"

ABN Amro hat in seinem Abwehrkampf gegen das Bankentrio um die Royal Bank of Scotland neue Hürden aufgestellt. Unterdessen stimmten die Aktionäre des niederländischen Geldhauses für den Vorschlag des Investors TCI, die Bank zu verkaufen oder zu fusionieren.

Amsterdam - Die niederländische Bank ABN Amro  will weiter mit der britischen Barclays Bank  die größte Bankenfusion aller Zeiten zu Stande bringen. Er sei zwar offen für andere Vorschläge, sagte ABN-Amro-Chef Rijkman Groenink am Donnerstag auf der Jahreshauptversammlung. Doch es gehe nicht nur ums Geld, fügte er angesichts des Angebots hinzu, mit dem ein Bankentrio Barclays übertrumpfen will.

Der ABN-Amro-Chef wies darauf hin, dass die Gruppe um die Royal Bank of Scotland (RBS)  dieselbe Einsicht in die Bücher seiner Bank bekomme wie Barclays auch. Das Trio beklagte sich jedoch darüber, dabei habe ABN Amro die Bedingung gemacht, dass das Konsortium in den folgenden 12 Monaten kein Angebot zu einer feindlichen Übernahme der niederländischen Bank ausbringe. Diese Bedingung müsse fallen, forderte die RBS gemeinsam mit ihren Mitbietern, der spanischen Banco Santander  und dem belgisch-niederländischen Fortis-Konzern .

Das Trio hatte am Vortag etwa 72 Milliarden Euro für ABN Amro geboten und will die niederländische Bank unter sich aufteilen. Barclays bietet deutlich weniger. Groenink bekräftigte aber erneut, dass sein Unternehmen im Verbund mit Barclays weiter bestehen würde. Vor den überwiegend niederländischen Aktionären betonte er, dass die rund 23.000 durch die Fusion bedrohten Arbeitsplätze fast ausschließlich bei Barclays lägen.

Die aufgeheizte Stimmung auf dem ABN-Aktionärstreffen zeigte, dass die Bank möglicherweise zu Zugeständnissen gezwungen werden könnte. So stimmten am Abend die Aktionäre mit einer Mehrheit von rund 70 Prozent für den Vorschlag des Investors TCI, die Bank als ganzes oder Teile von ihr zu verkaufen oder mit Rivalen zu fusionieren.

Die Emotionen kochten hoch

Die Emotionen kochten hoch

Mehrere Anteilseigner wie etwa der Hedge-Fonds TCI forderten zudem, dass das RBS-Konsortium freien Zugang zu den ABN-Büchern bekommen müsse und drohten mit einer Klage gegen die Konzernführung. Die Emotionen kochten hoch und zahlreiche Aktionäre machten der ABN-Führung schwere Vorwürfe. So stürmte der Chef der niederländischen Investorengruppe VEB das Podium. Sicherheitsleute griffen ein.

ABN-Chef Groenink rechtfertigte die Pläne für einen Lasalle-Verkauf an die Bank of America . Dies schließe ein Gegengebot für die US-Tochter nicht aus. Er bekräftigte zudem, Barclays-Rivalen müssten getrennt für LaSalle und ABN bieten, um die Gruppe zu übernehmen.

Das RBS-Bankentrio erwägt nun, ein Angebot für LaSalle zu machen, dass nur gültig ist, wenn das Trio auch den Rest von ABN übernehmen kann, wie eine mit der Angelegenheit vertraute Person Reuters berichtete. Neben der Zustimmungs-Klausel hängt in dem Übernahmestreit vieles auch von einem LaSalle-Verkauf ab. Der Grund: RBS selbst hat größtes Interesse, nach einer Aufspaltung LaSalle zu schlucken.

Der LaSalle-Verkauf an die Bank of America gilt als "Giftpille", mit dem ABN eine Gegenofferte erschweren will. Auch die britische Bank Barclays musste am Donnerstag vor ihren Aktionären die Fusionspläne verteidigen. Der Zusammenschluss zum fünftgrößten Institut der Welt würde Barclays das optimale Geschäfts-Portfolio verschaffen, erklärte Barclays-Chef John Varley auf der Hauptversammlung. Die Führung zeigte sich "sehr zuversichtlich", dass der Deal gelingen wird.

Nach widersprüchlichen Entscheidungen der Aktionäre entschloss sich die Versammlungsleitung am Abend allerdings, die Abstimmung über den Aufspaltungsantrag des britischen Investmentfonds TCI zu wiederholen. Zuvor war der TCI-Antrag von den Aktionären angenommen worden.

Ein zweiter Antrag, der die Ausschüttung durch die Aufspaltung zu erzielender Barmittel an die Anteilseigner vorsah, wurde hingegen abgelehnt. Das ABN-Management beschloss daraufhin, die Abstimmung über die Aufspaltung zu wiederholen.

manager-magazin.de mit Material von dpa, reuters

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