Übernahme ABN Amro öffnet die Bücher

Der Kampf um das holländische Geldhaus ABN Amro geht in die nächste Runde: Die Holländer gewähren den plötzlich aufgetauchten neuen Bietern für das Finanzinstitut einen tiefen Blick in die eigenen Geschäftsunterlagen. Prompt zeichnet sich Streit zwischen den möglichen Käufern der Bank ab.

Hamburg - Die niederländische Großbank ABN Amro  hat einem Konsortium um die Royal Bank of Scotland (RBOS)  nun Einsicht in ihre Bücher gewährt. Vorstand und Aufsichtsrat hätten zugestimmt, den Schotten mit ihrem niederländischen Partner Fortis und der spanischen Bank Santander  die gleichen Informationen für eine mögliche Übernahme zur Verfügung zu stellen, wie zuvor Barclays Bank .

Das neue Bieterkonsortium für das holländische Geldhaus ABN Amro habe zwar nur wenig zusätzliche Details im Hinblick auf seine Übernahmevorschläge unterbreitet, hieß es. Dennoch entspreche die Gewährung der due diligence der Einstellung der Bank, wertschaffende Möglichkeiten für die Aktionäre zu prüfen. Die ABN Amro-Aktie legte am Donnerstag in den ersten Handelsminuten ebenso wie die Barclays-Anteile leicht zu. Die RBoS-Aktie gab dagegen leicht nach.

Das RBOS-Konsortium hatte am Mittwoch eine unverbindliche Gegenofferte zu dem seit Montag vorliegenden und von ABN empfohlenen Barclays-Angebot eingereicht. Mit insgesamt 72 Milliarden Euro überbietet die Gruppe den britischen Konkurrenten, dessen Angebot ABN aber bereits zur Annahme empfohlen hat. Dennoch hatte sich ABN Amro am Mittwochabend mit Vertretern des RBoS-Konsortiums getroffen.

Die Bank of America  wies unterdessen darauf hin, dass sie einen vertraglichen Anspruch habe, die amerikanische Tochtergesellschaft von ABN Amro, LaSalle Bank, zu kaufen. Das hatten die Niederländer gemeinsam mit der Barclays Bank als eine Voraussetzung für den Zusammenschluss vereinbart. Das konkurrierende Bankentrio, das nun in den Bieterwettstreit eingetreten ist, verlangt jedoch den Fortbestand der LaSalle Bank unter dem Dach von ABN Amro und damit einen Widerruf des Verkaufs an die Bank of America.

ABN Amro gab zudem bekannt, dass die Bank für mögliche Kosten infolge einer Untersuchungen des US-Justizministeriums 365 Millionen Euro zurückstellt. Inklusive dieser Rückstellung verdiente ABN Amro zwischen Januar und März 1,035 Milliarden Euro nach 1,003 Milliarden Euro. Vor einer Woche hatte die Bank den Quartalsgewinn noch auf 1,31 Milliarden Euro beziffert. Trotz der Rückstellung sei die Bank weiter auf gutem Weg, im laufenden Jahr das Ziel eines Gewinns je Aktie vor Sonderposten von 2,30 Euro zu übertreffen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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