Siemens-Chef Kleinfeld "Ich stehe niemandem im Weg"

Der noch bis Herbst amtierende Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld ist auch zu einem früheren Abschied bereit, sollte frühzeitig ein Nachfolger gefunden werden. Für seinen Nachfolger zeichnet Kleinfeld ein klares Anforderungsprofil - bei Siemens gebe es schließlich einiges zu berücksichtigen.

München - "Wir laufen auf allen Zylindern", sagte der scheidende Siemens-Chef Klaus Kleinfeld während der Präsentation der Halbjahresbilanz. Die Anspannung der vergangenen Tage und eine gewisse Genugtuung über den Erfolg seiner Sanierungsarbeit waren Kleinfeld sichtlich anzumerken.

Mehrmals betonte Kleinfeld, welch große Fortschritte Siemens  in den vergangenen zwei Jahren gemacht habe und welche Kraft in dem Unternehmen stecke. "Wir stehen hervorragend da", sagte Kleinfeld. Die am Vortag gemeldeten Quartalsergebnisse hatten Analysten begeistert und die Aktie steigen lassen - bis zu dem Moment, als Kleinfeld sein Ausscheiden aus dem Konzern bekannt gab.

Der Aufsichtsrat steht nun unter Druck, so rasch wie möglich einen Nachfolger zu präsentieren. So lange kein Nachfolger gefunden sei, stehe er dem Unternehmen zur Verfügung, sagte Kleinfeld, dessen Vertrag am 30. September ausläuft.

Er sei jedoch auch bereit, sich umgehend zurückzuziehen, sobald die Führungsfrage geklärt sei. Er werde dem Führungswechsel nicht im Wege stehen: "Dafür bin ich dem Unternehmen viel zu sehr verbunden"

"Das Unternehmen und Technologien verstehen"

Auf seinen Nachfolger kommen nach Aussage von Kleinfeld viele Aufgaben zu - es ist ein ganz besonderer Job. "Der Vorstandschef von Siemens muss das Unternehmen kennen und verstehen, er muss Technologien kennen und verstehen", sagte Kleinfeld. "Wir reden von einem 100-Milliarden-Euro-Unternehmen mit 70 Geschäftsgebieten, wobei schon ein einzelner Geschäftsbereich die Größe eines Dax-Konzerns ausmachen kann. Diese Größenordnung darf man nicht außer acht lassen."

Sein Nachfolger müsse außerdem "technologische Kompetenz und Leidenschaft für Innovation" mitbringen: Das mache das Unternehmen aus, und diese beden Eigenschaften seien unabdingbar.

Kleinfeld hat vor seinem Ausscheiden dem Konzern ehrgeizige Wachstumsziele verordnet. Nach Abschluss des Effizienzprogramms "Fit for More" werde nun ein neues Programm mit dem Namen "Fit for 2010" aufgelegt. In neun von elf Geschäftsbereichen werde der Zielkorridor für die operative Marge erhöht beziehungsweise ausgeweitet.

Freundliche Worte für von Pierer

"Unklarheit war untragbar"

"Ich habe die Unklarheit über die Führung sowie meine Person für belastend und untragbar für das Unternehmen und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erachtet", sagte Kleinfeld. Er hoffe, dass seine Entscheidung dazu beitrage, dass das Unternehmen "uneingeschränkt handlungsfähig" bleibe.

"Die aktuelle Diskussion über die zukünftige Führung des Unternehmens verunsichert innen wie außen, eine klare Entscheidung zur künftigen Führung wird erwartet", sagte Kleinfeld.

Aus dem Präsidium des Aufsichtsrates sei an ihn herangetragen worden, die Entscheidung über die Verlängerung seines Vertrages zu verschieben. Die letzten tage seien "alles andere als einfach" und die Situation "unakzeptabel" gewesen. Das Unternehmen brauchte eine Entscheidung. Er habe zu einer Klärung beitragen wollen.

Freundliche Worte für Pierer

Die Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen, sagte Kleinfeld auf Nachfragen. "Siemens und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter liegen mir sehr am Herzen", erklärte er. "Darum bedauere ich es, das Unternehmen zu verlassen, das so ein wichtiger Teil meines Lebens in den letzten 20 Jahren war". Er werde bis zum Auslaufen seines Vertrages am 30. September auf Wunsch des Aufsichtsrates Konzernchef bleiben.

Zum Rücktritt des Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich von Pierer sagte er, dessen Entscheidung mache ihn "betroffen und traurig". Mit dem Namen von Pierer "verbinde ich Integrität und Vorbildlichkeit".

Siemens  hatte am Vortag mitgeteilt, dass Kleinfeld für eine Vertragsverlängerung über den 30. September dieses Jahres hinaus nicht zur Verfügung steht. Ein Nachfolger wurde vom Unternehmen noch nicht benannt.

manager-magazin.de mit dpa

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.