Konzernchef warnt Telekom als Ziel der Heuschrecken

Der Vorstandschef der Deutschen Telekom, René Obermann, hält eine Übernahme seines Unternehmens durch Finanzinvestoren für denkbar. Obermann, der an der geplanten Auslagerung von 50.000 Mitarbeitern festhält, sieht die Deutsche Börse als warnendes Beispiel. Auch eine Zerschlagung der Telekom sei denkbar.

Bonn - "Ich halte es nicht für ausgeschlossen, Gegenstand von Übernahmeszenarien zu werden, wenn es uns nicht gelingt, in den nächsten Jahren die Unternehmensbewertung zu steigern", sagte Obermann am Mittwochabend in Berlin. Die Deutsche Telekom  sieht sich gegenüber der Konkurrenz im Wettbewerbsnachteil und will daher mit einem umfassenden Umbau seine Kosten senken.

Obermann verteidigte die geplante Auslagerung von rund 50.000 Mitarbeitern in drei Gesellschaften unter dem Dachnamen T-Service.

Der Manager verwies auf das Beispiel der Deutschen Börse , die von Finanzinvestoren zu einem Strategiewechsel gezwungen worden war. Dies könnte auch bei der Telekom geschehen. "Aktive" Aktionäre könnten dazu in direkte Auseinandersetzung mit dem Vorstand der Telekom treten. Eine Zerschlagung des Bonner Konzerns hält er dann für denkbar. An der Telekom ist der Finanzinvestor Blackstone mit 4,5 Prozent beteiligt.

Um die Wettbewerbsfähigkeit der Telekom zu sichern, will Obermann die Kosten massiv senken. Der Kostennachteil in Deutschland belaufe sich im Jahr auf 1,5 Milliarden Euro im Vergleich zum Wettbewerb. Der Telekom-Chef bekräftigte, dass er sich auch bei einer Ausweitung der Streiks nicht von seinem Kurs abbringen lasse. "Ein halbherziger Kompromiss bringt uns nicht weiter." Dann stehe die Telekom in ein bis zwei Jahren wieder vor den gleichen Problemen. Die Telekom hat laut Angaben aus Kreisen im ersten Quartal 600.000 Festnetz-Kunden verloren.

Der Konzernchef beteuerte indes, dass die Telekom zu Zugeständnissen bereit sei. "Wir sind an kleinen Stellen kompromissbereit." Die Mitarbeiter von T-Service sollen zwölf Prozent weniger Lohn erhalten und mindestens vier Stunden länger arbeiten. Am Donnerstag setzen in Mayschoß Telekom und ver.di die Gespräche über den Konzernumbau fort.

manager-magazin.de mit dpa

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