Gazprom Deutschland-Pläne auf Eis

Der russische Gaskonzern Gazprom bremst seine Expansionspläne für Deutschland. Die deutsche Filiale will in den kommenden Jahren keine Stadtwerke mit Zugang zu Endkunden kaufen. Als Grund nennt das Unternehmen die EU-Pläne zur Trennung der Energienetze von den Versorgern.

Berlin - Der weltgrößte Gaskonzern Gazprom  will wegen des politischen Drucks auf die Energieversorger in Deutschland vorerst nicht ins Geschäft mit Haushalts- und Gewerbekunden einsteigen. "Das haben wir erstmal auf Eis gelegt", sagte Gazprom-Germania-Chef Hans-Joachim Gornig am Dienstag in Berlin. Daher wolle der Konzern in den nächsten Jahren auch keine Stadtwerke kaufen, über die Gazprom Zugang zu den Endkunden bekommen könnte.

Grund für das Zögern seien politische Entwicklungen wie die Debatte über einen Zwangsverkauf der Energienetze der Versorger in Deutschland. "All das verunsichert uns. Wir brauchen Klarheit", sagte Gornig. "Wir sorgen uns, etwas zu investieren und uns dann enteignen zu lassen." Langfristig bleibe aber die Option, auch Endkunden zu beliefern. Voraussetzung sei, dass die politischen Rahmenbedingungen stimmten.

Der Energiemarkt in Deutschland wird von Eon , RWE , Vattenfall Europe  und EnBW  beherrscht. Gazprom tritt in Deutschland in erster Linie als Importeur und im Großhandel auf. Auf europäischer Ebene war das Bestreben der Russen, ins Endkundengeschäft einzusteigen, kritisiert worden, da der russische Staat als Eigentümer von Gazprom ausländische Konzerne beim Zugang zu Gas- und Erdölquellen behindere.

In den Strommarkt in Deutschland will der russische Gasriese trotzdem einsteigen. Zusammen mit einem Partner ist der Bau eines Kraftwerks in Eisenhüttenstadt an der polnischen Grenze geplant, das 2010 Strom liefern soll. Die Energie solle aber in erster Linie über den Großhandel und den Partner Soteg abgesetzt werden.

Die Gaspreise werden Gornig zufolge auch in diesem Jahr weiter steigen, nachdem sie 2006 schon durchschnittlich um 50 Prozent angezogen hätten. Es könne zwar auch Rückgänge geben. "In der Tendenz werden die Preise aber steigen", sagte er voraus.

Im vergangenen Jahr hat Gazprom Germania den Überschuss auf knapp 384 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Der Umsatz stieg auch wegen gestiegener Preise um 87 Prozent auf 6,15 Milliarden Euro und damit weit stärker als die Energielieferungen, die um 38 Prozent zulegten. In den ersten Monaten 2007 habe der warme Winter den Absatz deutlich gedrückt, sagte Gornig.

Gazprom Germania kündigte weitere Milliarden-Investitionen in den nächsten Jahren auf dem deutschen und europäischen Markt an. Aufsehen in Deutschland hatte das Unternehmen zuletzt durch den Sponsorenvertrag für den Bundesliga-Club Schalke 04 erregt.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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