Tchibo "Jammern auf hohem Niveau"

2006 war für den Kaffeeröster Tchibo enttäuschend, sagt Finanzvorstand Arno Mahlert. Für 2007 wähnt man sich aber auf dem richtigen Kurs, die Erträge zu stabilisieren. Helfen sollen neue Programme und die Hausmarke TCM dafür in den Hintergrund rücken.

Hamburg - Die Tchibo Holding verzeichnet für das vergangene Jahr trotz eines weiteren Gesamtwachstums einen empfindlichen Einbruch bei ihrem Teilkonzern Tchibo. Die Sparte blieb nach fast zehn Jahren Erfolgsentwicklung erstmals unter den Werten des Vorjahres, wie der Konzern-Finanzvorstand und künftige Vorstandsvorsitzende Arno Mahlert am Dienstag in Hamburg bilanzierte. "Enttäuschend" nennt er das Ergebnis. Der Konzern als Gesamtheit sei allerdings "stabil aufgestellt", sagte Mahlert.

Insgesamt habe der Mischkonzern mit seinen beiden Säulen Tchibo und Beiersdorf  durch einen Zuwachs von drei Prozent beim Umsatz erstmals die Marke von neun Milliarden Euro überschritten. Das Betriebsergebnis (EBIT) sei um 23 Prozent auf 1,065 Milliarden Euro gestiegen. Eine Ursache waren Sondereffekte. Der Konzern hatte im vergangenen Jahr die Rechte an der Zigarrenmarke Davidoff für 540 Millionen Euro verkauft.

Unter dem Strich sei 2006 "für den erfolgsverwöhnten Teilkonzern Tchibo ein recht enttäuschendes Jahr" gewesen. Hier habe der Umsatz mit 3,912 Milliarden Euro um zwei Prozent unter dem Vorjahr gelegen. Das operative Ergebnis sank auf 143 Millionen Euro, ohne Sondereffekte auf 239 Millionen Euro. Von einer Krise sei jedoch keine Rede, sagte der Vorstand.

Ursache für den Einbruch war Mahlert zufolge eine zu starke Entfernung vom Kern des Konzepts. Außerdem seien "zu viele Aktivitäten zu stark auf Wachstum ausgerichtet" worden. Bestrebungen von Nachahmern hätten ähnliche Angebote bei Discountern zur Folge gehabt, während eigene Möglichkeiten ausgereizt gewesen seien. Hinzugekommen sei ein überhöhter Warenbestand aufgrund übersteigerter Erwartungen. "Tchibo war nicht mehr unverwechselbar für seine Kunden", konstatierte Mahlert.

"Mitch" soll helfen

Durch ein Maßnahmepaket will Tchibo jetzt wieder "nachhaltige Konkurrenzvorteile schaffen", wie Mahlert betonte. Dabei werde das erfolgreiche Tchibo-Konzept jedoch nicht geändert, es bleibe im Kerngeschäft bei der Verbindung von Röstkaffeegeschäft und wöchentlich wechselnden Angeboten von Gebrauchsartikeln und Dienstleistungen.

Man setze jedoch auf Innovation, wofür unter anderem die im Juni startende neue Modekollektion "Mitch" und ein jeden Freitag wechselndes Warensortiment mit "regelrechten Überraschungen" für die Kunden beitragen sollten. Damit wolle man wieder mehr Abstand zu den Discountern schaffen. Außerdem würden das Filialkonzept und die Internetpräsentation gestärkt. So wolle man in den Tchibo-Läden Umkleidekabinen einrichten.

Der Konzern strebt Mahlert zufolge eine gezielte Stärkung der Marke Tchibo an. Das bisherige Label TCM werde nicht mehr im Vordergrund stehen, sondern "in Richtung eines übergreifenden Qualitätssiegels positioniert" und durch eine Reihe neuer Einzelmarken wie "Mitch" ersetzt, sagte Mahlert. Auf Details wollte der Vorstand jedoch noch nicht näher eingehen. Hierzu werde das Konzept erst Mitte Mai vorgestellt.

Für 2007 erwartet Mahlert eine stabile Entwicklung bei Umsatz und Ertrag. Die Effekte würden jedoch nicht alle sofort beim Kunden spürbar, sondern erst bis 2009. "Aber wir dürfen nicht verkennen, wir jammern hier auf hohem Niveau", sagte Mahlert.

manager-magazin.de mit Material von ddp

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