Volkswagen "Eine Ironie des Schicksals"

Auf der heutigen Hauptversammlung lässt sich Ferdinand Piëch für weitere fünf Jahre an die Spitze des Volkswagen-Aufsichtsrats wählen. DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt sieht im Gespräch mit manager-magazin.de darin einen Rückschlag für die Corporate Governance hierzulande, der mittelfristig auch dem Autobauer schaden dürfte.
Von Arne Stuhr

mm.de: Herr Gebhardt, fürchten Sie, dass mit der heutigen Wiederwahl von Ferdinand Piëch zum AR-Chef bei Volkswagen der Corporate-Governance-Kodex in Deutschland den Todesstoß erhalten wird?

Gebhardt: Todesstoß ist vielleicht etwas übertrieben, aber sicherlich einen Rückschlag. Volkswagen  war in Sachen Governance allerdings schon immer ein besonderer Fall. Wir sehen es sehr kritisch, dass die Interessen und Anmerkungen von Minderheitsaktionären bei Volkswagen immer häufiger einfach vom Tisch gefegt werden

mm.de: Wie sieht es mit der Wirkung auf internationale Investoren aus?

Gebhardt: Solange es gut läuft, werden Governance-Aspekte von vielen Investoren häufig ignoriert. Sollte es aber einmal nicht mehr so gut laufen, werden viele Investoren aufgrund der aktuellen Entwicklungen um Volkswagen einen Bogen machen. Mittel- bis langfristig könnte dem Unternehmen dadurch ein Problem drohen.

mm.de: Abseits der Governance-Probleme. Wie bewerten Sie die unternehmerische Leistung Piëchs?

Gebhardt: Ebenfalls sehr kritisch. Viele der aktuellen Strukturprobleme bei Volkswagen haben ihren Ursprung in der Ära Piëch, die Probleme mit dem Phaeton sind dafür das Paradebeispiel. Zusätzlich hatte Piëch zum Ende seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender mit Problemen der Kosteneffizienz zu kämpfen.

mm.de: Die Bernd Pischetsrieder und Wolfgang Bernhard dann behoben haben.

Gebhardt: Es ist schon eine Ironie des Schicksals, dass mit Pischetsrieder und Bernhard nun die Männer rausgedrängt wurden, die Piëchs Fehler gerade beseitigt hatten.

mm.de: Wie hoch schätzen Sie die Chancen ein, dass es Piëch gelingt, einen Auto-Mega-Konzern zu schmieden, der vom Sportwagen bis zum Schwerlaster alles im Portfolio hat?

Gebhardt: Das werden wir über die Zeit sehen, zumal ja viele Konkurrenten, die Masse und Premium im Sortiment hatten, zuletzt eher den umgekehrten Weg gegangen sind. Zudem stehen die Strukturen des neuen Gebildes ja noch nicht fest. Was den Bereich Lkw betrifft, hat VW eine als positiv einzustufende Fusion von MAN und Scania vorerst verhindert. Gerade in der Rolle als mächtiger Minderheitsaktionär bei MAN gibt es eindeutig Interessenkonflikte. Das ist alles nicht mehr neutral.

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