Insolvenz Galgenfrist für Schieder

Die Schieder-Gruppe hat im Kampf um das Überleben Zeit gewonnen. Über die vorsorglichen Insolvenzanträge des größten Möbelherstellers Europas wird erst in ein paar Tagen entschieden werden. Ein vom Gericht bestellter Sachverständiger soll klären, wie heikel die Lage ist.

Schieder-Schwalenberg - Das Detmolder Insolvenzgericht habe einen Sachverständigen eingesetzt, der sich einen Überblick über die Lage bei Schieder verschaffen solle, sagte Gerichtssprecher Hanno Gerhardt am Dienstagabend. Dies verschaffe Geschäftsführung und Geldgebern eine Frist für weitere Verhandlungen, eine Überbrückungsfinanzierung ist damit aber weiterhin nicht in trockenen Tüchern.

Bereits am Donnerstag könnte eine Vorentscheidung fallen. An diesem Tag sei eine Beratung des Insolvenzrichters mit dem Sachverständigen geplant, hieß es am Amtsgericht. Die Untersuchung solle als Grundlage für die Entscheidung des Gerichts dienen, ob ein Insolvenzverwalter eingesetzt wird oder nicht.

Der Möbelkonzern habe seine Insolvenzanträge aber nicht zurückgezogen, sagte der Gerichtssprecher. Es lägen Insolvenzanträge für die Holding und für rund 30 Tochtergesellschaften von Schieder vor. Das Unternehmen produziert nach eigenen Angaben an 41 Standorten, die Gruppe verfüge über Kunden in 60 Ländern.

Investoren sollen bereit sein, Millionen nachzuschießen

Der Schieder-Sprecher begrüßte die Einsetzung des Sachverständigen, eines Hamburger Rechtsanwalts. "Das ist erstmal eine positive Nachricht, aber keine endgültige", sagte er. Parallel zu den Untersuchungen des Sachverständigen wollen Management und Banken weiter verhandeln. Der Sprecher sagte, die Parteien seien zuversichtlich, den Prozess zu einem "positiven Ende" bringen zu können. Bei dem von Insolvenz bedrohten Unternehmen stehen mehr als 11.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Ein Insider sagte, dass es jetzt an der Deutschen Bank  hänge. Seinen Angaben zufolge hat das Kreditinstitut einer Übergangsfinanzierung von 70 Millionen Euro für einen Zeitraum von drei Monaten nicht zugestimmt. Dagegen seien die Investoren unter Führung der Investmentbank Goldman Sachs  bereit, das Geld bereitzustellen. Schieder sei im Kern ein profitables Unternehmen, trotz der Schulden von knapp 300 Millionen Euro.

Zahlreiche Schieder-Beschäftigte protestierten am Dienstag vor einer Filiale der Deutschen Bank in Detmold. Ein Sprecher der Deutschen Bank in Frankfurt sagte, das Kreditinstitut habe bereits am Montag "einen Vorschlag im Interesse des Unternehmens gemacht".

Zulieferer stoppen Warenstrom

Zulieferer stoppen Warenstrom

Laut dem Ersten Bevollmächtigten der IG Metall Detmold, Reinhard Seiler, haben die Zulieferer ihre Lieferungen an den überschuldeten Schieder-Konzern bereits eingestellt. Am Standort im südlippischen Schieder-Schwalenberg stehe die Produktion still. Nach Angaben der Unternehmensspitze können jedoch wesentliche Teile der europäischen Produktion aufrechterhalten werden.

Schieder hatte für die Holding und mehrere Tochterunternehmen vorsorgliche Insolvenzanträge gestellt. Betroffen seien das Möbelwerk in Schieder-Schwalenberg mit rund 600 Mitarbeitern, PM-Möbel im westfälischen Steinheim mit etwa 180 Beschäftigten und ein Polstermöbelwerk im brandenburgischen Storkow, sagte Seiler. Die Gewerkschaft warf der Geschäftsführung vor, den deutschen Werken mit der eigenen Produktion in Osteuropa, vor allem in Polen, Konkurrenz zu machen.

Ein Firmensprecher hatte schon im März gesagt, die gegenwärtige Finanzierungsstruktur sei zu teuer. Der frühere Geschäftsführer Samir Jajjawi, der im Dezember 2006 das Handtuch warf, hatte 2005 eine Anleihe von 145 Millionen Euro auf dem internationalen Kapitalmarkt platziert, zudem eine Pfandverschreibung von 95 Millionen Euro und Genussscheine, also weitere Anleihen, für 30 Millionen Euro.

Expansion nach Italien und China

Im Dezember 2006 war Firmengründer Rolf Demuth auf den Chefsessel zurückgekehrt. Im Geschäftsjahr 2006/07 (31. März) peilte Schieder früheren Angaben zufolge ein Umsatzplus von 3,4 Prozent nach Erlösen von rund 950 Millionen Euro im Vorjahr an.

Rolf Demuth hatte das Unternehmen 1964 gegründet und sich immer wieder als Trendsetter erwiesen. Als erstes deutsches Unternehmen produzierte Schieder in Italien und Polen. Erst im Dezember vergangenen Jahres eröffnete Schieder eine neue Polstermöbelfabrik im chinesischen Changzhou, die als deutsch-chinesisch-australisches Joint Venture entstand und nach Firmenangaben 250 Mitarbeiter beschäftigt.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa, reuters