GM-Sparpläne Aufatmen bei Opel

General Motors plant offenbar nicht mehr, die Bochumer Opel-Produktion zu schließen. Für alle europäischen Werke sehen die Pläne des Autokonzerns neue Aufgaben vor - vorausgesetzt, die Beschäftigten machen weitere Zugeständnisse.

Rüsselsheim/Bochum - Beim neuen Sparpaket der Opel-Mutter General Motors (GM)  scheint Europa glimpflich davonzukommen. Nach dpa-Informationen will der weltgrößte Autobauer nach Zugeständnissen der Arbeitnehmer die Schließung eines Werks in Europa vermeiden. Das Bochumer Opel-Werk hat nach Angaben aus dem Unternehmen vom Montag gute Chancen, ab 2010 die neue Generation des Modells Astra zu bauen.

Damit wurde ein Bericht der "Auto Zeitung" bestätigt. Dem Vernehmen nach gebe es keine Pläne, das Bochumer Werk zu schließen. Die endgültige Entscheidung hänge aber von den Verhandlungen mit den Arbeitnehmervertretern ab, die an diesem Dienstag fortgesetzt werden.

Bis Jahresende will GM entscheiden, welche Werke den neuen Astra bauen dürfen. Darum bewerben sich die fünf Standorte Bochum, Gliwice (Polen), Ellesmere Port (England), Antwerpen (Belgien) und Trollhättan (Schweden). Laut "Auto Zeitung" wird der Astra künftig an vier Standorten vom Band rollen. Ein Konzernsprecher wollte dies nicht kommentieren.

Bei den Verhandlungen am Dienstag will das Management konkrete Zahlen und Forderungen auf den Tisch legen. Dabei geht es um Arbeitszeiten und den Wegfall von Zuschlägen. Die Entscheidung werde von der Flexibilität, der Produktivität und logistischen Erwägungen abhängen, hatte das Management erklärt. Nach Informationen von "Financial Times Deutschland" und "Handelsblatt" (beide Dienstag) will GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster ein Paket anbieten, das keine Fabrikschließungen vorsieht.

Die "Bild"-Zeitung (Dienstag) berichtete, der Konzern wolle rund drei Milliarden Euro in die Entwicklung seiner Astra-Klasse stecken. In Bochum solle der neue Astra ab 2010 entsprechend vorheriger Vereinbarungen von 4500 statt derzeit noch 4900 Beschäftigten gebaut werden. Der Stellenabbau soll weitgehend über Vorruhestandsregelungen erfolgen. Das Werk Antwerpen bleibe bei der Astra-Produktion außen vor, das GM-Management prüfe dafür eine Auslastung durch Produkte anderer Konzernmarken wie Chevrolet.

"Wir wollen einen großen Opel"

"Wir wollen einen großen Opel"

Zur Rettung der Werke hatten die Gewerkschaften vor einigen Tagen Zugeständnisse bei Gehalt und Arbeitszeiten im Volumen von 290 Millionen Euro angeboten. Das Management will die Kosten für die Astra-Produktion aber um mindestens 450 Millionen Euro senken.

Der Gesamtbetriebsrat schätzt, dass die Astra-Werke wegen der steigenden Produktivität ab 2010 Kapazitäten für 230.000 Wagen zu viel haben werden. Der Kompaktwagen Astra ist das meistverkaufte Modell bei Opel. 2006 wurden nach Unternehmensangaben 530.000 Astra produziert, davon rund ein Viertel in Bochum, wo zum Jahresende 7400 Mitarbeiter beschäftigt waren. Die neue Generation des Golf-Konkurrenten Astra wird 2010 auf den Markt kommen. Der Bochumer Opel-Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel zeigte sich am Montag erfreut und sprach von einer "schönen Nachricht", falls Bochum als Standort gesichert sei.

GM-Europa-Chef Forster verteidigte unterdessen seinen rigorosen Sparkurs. "Europa bleibt ein schwieriges Feld, der Markt wächst nicht", sagte er der "Auto Zeitung". GM müsse weiterhin seine Kosten senken. Dank der Restrukturierung werde Opel auch in diesem Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben. Dennoch müsse das Unternehmen weiter an den Markt angepasst werden. Dazu seien Kosteneinsparungen notwendig.

Bedingt durch den Kostendruck wolle sich Opel im Billigautomarkt nicht überdurchschnittlich engagieren, es sei keine Neuentwicklung nach dem Vorbild des Dacia Logan geplant, sagte Forster. "So ein Auto wäre theoretisch schön, aber dieses Segment ist extrem preissensibel." Man werde im General-Motors-Konzern mit dem Chevrolet Matiz und dem geplanten neuen Opel Agila gut aufgestellt sein.

Zudem werde die GM-Marke Chevrolet mehrere neue Einstiegsmodelle auf den Markt bringen, die sowohl für Europa als auch für Entwicklungsländer konzipiert seien. Dagegen will der Konzern dem Bericht zufolge seine Modellpalette sehr wohl nach oben abrunden. "Wir wollen einen großen Opel", zitierte die "Auto Zeitung" den Manager.

manager-magazin.de mit Material von dpa und ap