Ferdinand Piëch Ein Königsmacher krönt sich selbst

Am heutigen Dienstag feiert Ferdinand Piëch seinen 70. Geburtstag. Rund die Hälfte seines Lebens arbeitete er daran, den Familienbeschluss zu revidieren, dass niemals mehr ein Porsche/Piëch-Sprössling die operativen Geschicke des Sportwagenbauers bestimmen soll. Mit dem Aufbau eines automobilen Mega-Konzerns hat er diese Entscheidung längst rechts überholt.
Von Arne Stuhr

Hamburg - Den Sommer 1971 hat Ferdinand Piëch nie vergessen. Denn vor nun knapp 36 Jahren einigten sich die Nachfahren von Ferdinand Porsche darauf, dass sich mit dem 1. März 1972 alle Familienmitglieder - die Porsches wie die Piëchs - aus der Geschäftsführung des Sportwagenbauers zurückziehen werden.

Das ist lange her, doch der damalige Porsche-Entwicklungschef Ferdinand Piëch, zur Abgrenzung von seinen zahlreichen gleichnamigen Verwandten in der Familie "Burli" genannt, hat diese Entscheidung nie akzeptiert. Noch in seiner 2002 erschienenen "Auto.Biographie" fehlte nicht der Hinweis, dass er zusammen mit seinem "Lieblingscousin Butzi" - gemeint ist 911er Designer Ferdinand Alexander Porsche - ein gutes Führungstandem abgegeben hätte. Mit anderen Worten, was Wendelin Wiedeking aus Porsche gemacht hat, dass hätten Burli und Butzi auch geschafft.

Sei's drum, Piëch heuerte nach einer Zwischenstation als freier Ingenieur bei Daimler-Benz im August 1972 bei Audi an, wo er Anfang 1988 zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde. Fünf Jahre später stieg er dann als Nachfolger von Carl H. Hahn an die Volkswagen-Konzernspitze auf. Mit der Hauptversammlung vom 16. April 2002 wechselte er schließlich in den Aufsichtsrat, dessen Vorsitz er sogleich übernahm.

Diesen wird Piëch - quasi als nachträgliches Geburtstagsgeschenk - nach der VW-Hauptversammlung am Donnerstag auch in den nächsten fünf Jahren noch innehaben. Mussten Gegner wie Niedersachsens CDU-Ministerpräsident Christian Wulff nach dem Einstieg von Porsche  bei Volkswagen  doch erkennen, dass ein Ferdinand Piëch immer noch selbst bestimmt, wenn es Zeit ist für ihn zu gehen. Wie sagte Piëch doch einst: "In meiner Karriere haben schon einige versucht, mich rauszudrängen, es ist noch keinem gelungen."

Gute Corporate Governance sieht anders aus

Nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen, mit guter Corporate Governance hat Piëchs Verbleib an der AR-Spitze nichts zu tun. Christian Strenger, Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex und Aufsichtsrat der Fondsgesellschaft DWS, spricht von "auch international beachteten Fehlentwicklungen". Der Pensionsfonds Hermes wird dieses mit dem Antrag auf "Nichtentlastung des Aufsichtsratsvorsitzenden Herrn Prof. Dr. Piëch" auf dem Aktionärstreffen am Donnerstag ebenfalls zum Ausdruck bringen.

Freilich ohne Aussicht auf Erfolg. Denn während sich Teile der Öffentlichkeit unter anderem an den angeblichen oder tatsächlichen Jagdmotiven auf Piëchs Krawatten delektierten und Peter Hartz in Sachen Lustreisen-Affäre alle Schuld auf sich nahm, trieb Piëch den Aufbau eines Autoreiches voran, das am Ende die Gestalt eines Mega-Konzerns mit 450.000 Mitarbeitern und einer Angebotspalette vom Supersportwagen bis zum Schwerlaster haben könnte.

Mastermind Piëch, dessen Rolle als "Königsmacher der deutschen Autobauer" auch in der hausinternen Geburtstagslaudatio nochmals hervorgehoben wurde, würde sich damit selbst zum König der automobilen Welt krönen. Den Beschluss aus dem Sommer 71 hat er als Miteigner und Aufsichtsrat bei Porsche AG und Holding dazu Chefkontrolleur in Wolfsburg und designierter AR-Chef bei MAN  längst rechts überholt.

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