VDO Siemens bleibt bei Börsenplan

Fantasie über einen möglichen Komplettverkauf von VDO treibt den Preis der Siemens-Aktie. Mehr als zehn Milliarden Euro bieten Konkurrenten angeblich für die Autoelektroniksparte. Siemens will aber die Mehrheit am Unternehmen behalten und bekräftigt erneut die Pläne für einen Börsengang.

München - Der Elektrokonzern Siemens  hält trotz des Interesses von Konkurrenten und Finanzinvestoren an einem Börsengang des Autozulieferers VDO fest. "Siemens VDO ist ein sehr wertvolles Geschäft und ein Wachstumsgeschäft", sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld dem Nachrichtensender n-tv am Montag.

In diesem Wachstumsgeschäft wollen man VDO die Möglichkeit geben, sich besser zu finanzieren. "Deshalb planen wir ein IPO. Und das ist genau das, woran wir im Augenblick auch festhalten", erklärte Kleinfeld. Ein Konzernsprecher sagte, "schon wegen seiner Sorgfaltspflichten" prüfe der Vorstand die Kaufangebote strategischer Investoren und Beteiligungsgesellschaften für VDO.

Der Technologiekonzern hatte wiederholt erklärt, ein Börsengang sei die bevorzugte Option, um VDO mit mehr Kapital für Investitionen auszustatten, ohne die Gewichte innerhalb des Unternehmens zu verschieben. Finanzchef Joe Kaeser hatte auf der Hauptversammlung versichert, der Konzern werde nach dem Verkauf eines VDO-Minderheitsanteils an an der Börse langfristig die industrielle Führerschaft behalten.

Um die in Schwanthal am Taunus ansässige VDO buhlen unter anderem der Konkurrent Continental  sowie ein Konsortium von US-Autozulieferer TRW und Finanzinvestor Blackstone. Conti-Chef Manfred Wennemer pocht allerdings darauf, dass sein Unternehmen im Fall eines Einstiegs die Führung von VDO übernimmt. "Wir haben in der Vergangenheit Interesse gezeigt, und daran hat sich nichts geändert", bekräftigte ein Conti-Sprecher am Montag.

Die "Financial Times Deutschland" hatte in ihrer Montagsausgabe unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen berichtet, in den Offerten werde Siemens für 100 Prozent der VDO-Anteile ein Preis von mehr als zehn Milliarden Euro geboten. In der Branche gilt das als außergewöhnlich hoch. Zuletzt war VDO von Analysten mit bis zu neun Milliarden Euro bewertet worden. Die Berichte über einen möglicherweise lukrativen Komplettverkauf beflügelten die Siemens-Aktie, die bis Montagmittag rund 2 Prozent zulegte.

VDO beschäftigt weltweit 53.000 Menschen, knapp die Hälfte davon in Deutschland. Gewerkschafter fürchten einen massiven Stellenabbau im Vorfeld eines Verkaufs oder Börsengangs. Im vergangenen Geschäftsjahr setzte VDO rund zehn Milliarden Euro um und erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 669 Millionen Euro. Arbeitnehmerkreisen zufolge soll ein möglicher Verkauf von VDO bereits auf der nächsten Aufsichtsratssitzung am 25. April diskutiert werden. Dann könnte bereits eine Entscheidung fallen, hieß es.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters