Terror in Algerien Al-Qaida bekennt sich zu Anschlägen

Bei den schwersten Anschlägen in Algerien seit Jahren sind am Mittwoch mindestens 30 Menschen ums Leben gekommen. Zu den Anschlägen bekannte sich das Terrornetzwerk Al-Qaida.

Algier - Ein Sprengsatz detonierte vor dem Amtssitz von Ministerpräsident Abdelaziz Belkhadem, der andere in einem Vorort der Hauptstadt Algier. Regierungschef Belkhadem, der unverletzt blieb, sprach von einem Terrorakt.

Die radikale Organisation Al-Qaida hat sich dem Fernsehsender Al-Dschasira zufolge zu den Anschlägen bekannt. Der Sender berief sich auf einen Telefonanruf einer Al-Qaida-Unterorganisation aus dem Maghreb im Norden Afrikas.

Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind nach ersten Informationen keine Deutschen unter den Opfern. Anwohnern zufolge handelte es sich um den schwersten Bombenanschlag im Zentrum der Hauptstadt seit den 90er Jahren.

Der Anschlag gegen Belkhadems Amtssitz wurde nach Angaben aus Polizeikreisen von einem Selbstmordattentäter verübt. Durch die Wucht der Detonation wurde ein Loch in die Fassade des Gebäudes gerissen. Trümmer und Glasscherben wurden über mehrere Häuserblöcke verstreut.

Dutzende Krankenwagen rasten zum Tatort. Sanitäter trugen blutende und verbrannte Opfer zum Teil mit bloßen Händen aus dem Regierungsgebäude. Die Nachrichtenagentur APS meldete 82 Verletzte von beiden Anschlägen.

Bis zu 200.000 Tote im Bürgerkrieg

In Algerien versucht die Terrorgruppe Al-Qaida laut Presseberichten seit geraumer Zeit, die Aktivitäten radikaler Gruppen zu bündeln. Seit sich die fundamentalistische "Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf" im Januar in "Al-Qaida-Organisation für den islamischen Maghreb" umbenannte, haben die Gewalttätigkeiten wieder zugenommen.

Nach der Annulierung einer 1992 von Islamisten gewonnenen Parlamentswahl war das nordafrikanische Land in einen Bürgerkrieg gestürzt. Dabei kamen bis zu 200.000 Menschen ums Leben. Nach mehreren Amnestien für Untergrundkämpfer ebbte die Gewalt wieder ab, obwohl sie in der Bergregion um Algier niemals ganz endete.

Selbstmordanschläge im Nachbarland Marokko

Im Nachbarland Marokko waren am Dienstag bei Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften vier mutmaßliche Extremisten getötet worden. Die Polizei fahndete Presseberichten zufolge am Mittwoch nach weiteren Selbstmordattentätern, die die Sicherheit der Bürger und des Staates gefährdeten.

Regierungsvertreter wollten die Berichte unter Hinweis auf den laufenden Einsatz nicht kommentieren. Terrorismusexperten zogen die Darstellung der marokkanischen Regierung in Zweifel, bei den sogenannten Gotteskriegern handele es sich um "Eigengewächse", von denen keine ernsthafte Gefahr ausgehe. Es müsse Verbindungen ins Ausland geben.

manager-magazin.de mit reuters