Telecom Italia Das Ende vor Augen

Die führende italienische Telefongesellschaft Telecom Italia wappnet sich für den Fall, nicht länger eigenständig bleiben zu können. Das Unternehmen hat bereits Banken als Berater zur Hilfe geholt. In Italien wird jetzt über den Einstieg der Deutschen Telekom bei der Telecom Italia spekuliert.

Rom - Der Telekomkonzern Telecom Italia  rüstet sich für einen Eigentümerwechsel. In Anbetracht der erwarteten Änderungen in der Aktionärsstruktur habe das Unternehmen Investmentbanken mit der Ausarbeitungen verschiedener Strategien beauftragt, teilte der führende Telekomkonzern Italiens am Dienstagabend mit. Die Banken Merrill Lynch  und Société Générale  sollten nun die Optionen erörtern, die im Interesse aller Aktionäre seien.

Um Telecom Italia bahnt sich jetzt offenbar ein Bieterwettstreit an. Die beiden italienischen Banken Intesa Sanpaolo  und Mediobanca  sind an der Übernahme der Telecom Italia interessiert. Beide hätten "mit mehreren Seiten Kontakt", berichteten italienische Medien heute. Dabei gehe es auch darum, weitere Investoren für eine Beteiligung an der Telecom-Muttergesellschaft Olimpia zu finden. Über sie hält der italienische Pirelli-Konzern  80 Prozent an der Telecom Italia.

Spekuliert wird mittlerweile, ob nicht auch die Deutsche Telekom  für das bedeutendste Telefonunternehmen Italiens bieten könnte. Telekom-Chef Rene Obermann hatte schließlich zuletzt deutlich gemacht, dass sein Unternehmen nach langer Zeit des Schuldenabbaus wieder Spielraum für Übernahmen hätte.

Darüber hinaus hatte die Deutsche Telekom  schon im Mai 1999 eine Fusion mit dem italienischen Telefonunternehmen angestrebt. Der damaligeDeutsche-Telekom-Chef Ron Sommer hatte mit seinem Werben um Telecom Italia allerdings keinen Erfolg. Der Elektronikkonzern Olivetti  hatte sich damals überraschend 51 Prozent an der Telecom Italia gesichert, was vor Jahren vor allem als Abwehr vor dem - aus italienischer Sicht - drohenden Einstieg des ehemaligen deutschen Staatskonzerns bei der Telecom Italia gewertet worden war.

Die italienischen Zeitungen "MF" und Il Sole24 Ore haben dann auch jetzt bereits spekuliert, dass der Bonner Konzern womöglich sogar zusammen mit Mediobanca und Generali  erneut für die Holding Olimpia bieten könntet. Angeblich habe aber Italiens Ministerpräsident Romano Prodi in einem Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aber bereits deutlich gemacht, dass die italienische Regierung ein Gebot italienischer Banken bevorzugen würde. Die Regierung wolle verhindern, dass Telecom Italia in ausländische Hände fällt. Ihr gehe es dabei besonders um eine Sicherung der Infrastruktur und der Telefonnetze.

Die Deutsche Telekom hat mittlerweile erkennen lassen, dass sie zumindest grundsätzliches Interesse an der Telecom Italia nicht ausschließen wolle. Konkrete Verhandlungen wurden indes nicht bestätigt.

Der Vorstoß der beiden italienischen Banken Intesa Sanpaolo und Mediobanca könnte überdies den Telefonkonzernen AT&T  und America Movil in die Quere kommen, die bisher tatsächlich mit Pirelli über einen Verkauf von dessen Olimpia-Beteiligung verhandelt haben.

AT&T hatte vor Eintritt der italienischen Banken in die Übernahmegespräche gesagt, rund 2,82 Euro je Telecom-Italia-Aktie bieten zu wollen. Insgesamt hätte sich das Gebot damit auf rund 2,6 Milliarden Euro belaufen. Davon würden die Schulden von Olimpia zur Zeit der Transaktion abgezogen. Britischen Medienberichten zufolge planen jetzt aber auch die France Télécom  und Telefonica  (Spanien), Offerten abzugeben.

Telecom Italia bietet im Heimatmarkt Festnetztelefon, Mobilfunk und Breitbanddienste an. Zudem ist Telecom Italia in Brasilien, den Niederlanden, Deutschland und Frankreich tätig.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx