WestLB Manipulationsverdacht

Bei der WestLB stehen Aktienhändler offenbar unter dem Verdacht, jahrelang die Kurse einiger Aktien künstlich nach oben gezogen zu haben. Der in der vergangenen Woche bekannt gewordene Tagesverlust von 100 Millionen Euro bei der Bank soll angeblich nur ein "Betriebsunfall" in dem System gewesen sein.

Hamburg- Aktienhändler der WestLB stehen laut "Financial Times Deutschland" (Mittwochausgabe) unter Verdacht, jahrelang die Schlusskurse der Vorzugsaktien von Metro , BMW  und VW  manipuliert zu haben. Damit hätten die Händler zumindest auf dem Papier hohe Gewinne im Eigenhandel der Bank erzielt und ihre Bonuszahlungen gesichert, berichtete das Blatt unter Berufung auf mit den Vorfällen vertraute Banker. Der in der vergangenen Woche gemeldete Tagesverlust von 100 Millionen Euro aus dem Handel mit VW-Aktien sei ein "Betriebsunfall" in der Manipulationskette gewesen.

"Wir können nicht ausschließen, dass neben der wiederholten Überschreitung von Limits von den beiden möglicherweise zusammen mit Dritten außerhalb der Bank wie auch immer geartete Absprachen zu Preisgestaltung und -eingabe getroffen worden sind", zitierte das Blatt einen WestLB-Sprecher. Zu den Einzelheiten dieser möglichen Absprachen wollte er nichts sagen. Eine Sprecherin der Aufsichtsbehörde BaFin erklärte: "Wir werden den Fall unter allen aufsichtsrelevanten Gesichtspunkten untersuchen und ihn aufklären."

Nach Informationen der "FTD" sollen die WestLB-Händler Unterstützung von mehreren befreundeten Maklerhäusern erhalten haben. Auch eine US-Bank sei bei den Geschäften involviert gewesen, hieß es. Die Händler der Bank hätten nicht nur mit VW-Aktien spekuliert, sondern ähnliche Strategien auch auf Papiere von BMW und Metro angewandt.

Womöglich hätten die betroffenen WestLB-Mitarbeiter schon seit dem Jahr 2001 gegen Vorschriften der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verstoßen.

Rückstellungsbedarf unklar

Rückstellungsbedarf unklar

Bei den so erzielten Gewinnen habe es sich überwiegend um Scheinerträge gehandelt, hieß es weiter. Die durch die Geschäfte aufgebauten Positionen seien zum größten Teil noch vorhanden. Müssten sie aufgelöst werden, werde ein tatsächlicher Verlust sichtbar. Über dessen Höhe gibt es allerdings aktuell unterschiedliche Angaben.

Während das Blatt einen nicht weiter benannten Experte innerhalb der WestLB mit den Worten "der Rückstellungsbedarf beläuft sich auf geschätzte 300 Millionen Euro", zitiert, bestreitet dies die Führung der Bank. "Es gibt keinen aktuellen oder absehbaren Rückstellungsbedarf von 300 Millionen Euro oder auch nur annähernd in dieser Höhe", sagte ein Sprecher der Landesbank am Mittwoch in Düsseldorf.

Die WestLB lehnte eine Stellungnahme zu einzelnen Positionen im Eigenhandel ab. Derzeit gebe es keine Hinweise darauf, dass etwaige Manipulationen seit Jahren liefen, hieß es. Allerdings dauerten die Untersuchungen noch an, im Falle der Staatsanwaltschaft stünden sie sogar erst vor dem Beginn.

Die WestLB erstattete unterdessen Strafanzeige gegen zwei frühere Mitarbeiter und gegen unbekannt, unter anderem wegen möglicher Verstöße gegen das Wertpapierhandelsgesetz. Die beiden Mitarbeiter sind den Angaben zufolge der Bereichsvorstand und der Managing Director, die beide am Montag vergangener Woche entlassen worden waren.

manager-magazin.de mit reuters