Chrysler Kerkorian bietet 4,5 Milliarden Dollar

Für die angeschlagene US-Tochter des Autobauers DaimlerChrysler liegt ein erstes Angebot auf dem Tisch. Die Investmentfirma Tracinda des US-Milliardärs Kirk Kerkorian bietet 4,5 Milliarden Dollar für Chrysler. Nach Einschätzung von Börsianern ist damit das Wettbieten erst eröffnet.

Detroit/Stuttgart - Man wolle Chrysler stärken und dem Management die Möglichkeit bieten, als Partner an der Transaktion in Höhe von umgerechnet 3,36 Milliarden Euro teilzunehmen. Das erklärte Tracinda, die Investmentgesellschaft von US-Milliardär Kirk Kerkorian am Donnerstag in New York. Aus Chrysler solle eine robuste und eigenständige Einheit werden, hieß es in der Erklärung weiter. Die DaimlerChrysler-Aktien profitierten von der Kerkorian-Offerte. An der New Yorker Börse notierten die Papiere mit 83,81 Dollar um 4,03 Prozent im Plus.

Ein DaimlerChrysler-Sprecher in Stuttgart wollte das Angebot weder bestätigen noch dementieren. Alle Optionen seien weiter offen, sagte Thomas Fröhlich. DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hatte auf der Hauptversammlung am Mittwoch erstmals Gespräche mit Interessenten bestätigt.

Neben dem Chrysler-Management sollte auch die mächtige Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) die Möglichkeit erhalten, sich an dem Kauf zu beteiligen, hieß es weiter in dem Schreiben von Kerkorian. Seine Investmentgesellschaft Tracinda sei bereit, sofort mit der Buchprüfung zu beginnen. Allerdings sei eine Voraussetzung für die Offerte, dass Tracinda 60 Tage lang exklusiv Einblick in die Bücher erhalte. Zum Zeichen dafür, dass der Vorstoß erst gemeint ist, bot Tracinda eine Anzahlung von 100 Millionen Dollar an. Das Gebot sei jedoch davon abhängig, dass DaimlerChrysler  sich mit der UAW einige.

Tracinda war zum Zeitpunkt des Zusammenschlusses von Chrysler mit Daimler-Benz 1998 größter Anteilseigner bei dem US-Autobauer. Kerkorian scheiterte später vor einem US-Gericht mit seiner Klage gegen die Übernahme. Er warf dem Stuttgarter Autobauer vor, er habe ihn bei der Fusion getäuscht. Er sei um einen Milliardenbetrag hintergangen worden, weil anfangs von einer "Fusion unter Gleichen" gesprochen wurde, de facto aber dann Daimler die Kontrolle über den neuen Konzern übernommen habe.

Derzeit sollen weitere Gruppen Interesse an einem Kauf von Chrysler haben. Als Interessenten gelten der kanadische Autoteileproduzent Magna International sowie die Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone. Magna soll laut Presseberichten rund 4,7 Milliarden Dollar geboten haben.

Die Aktien von DaimlerChrysler  hatten am Donnerstagabend im Parketthandel in Frankfurt lediglich um 1,06 Prozent auf 62,00 Euro zugelegt, blieben also deutlich unter den Kursgewinnen, die in New York erzielt wurden.

Kerkorians missglückte Initiative bei GM

Noch vor wenigen Monaten hatte der 89-jährige Kerkorian als Großaktionär bei General Motors  (GM) den Chef von Renault  und Nissan , Carlos Goshn, für Gespräche über eine Partnerschaft mit GM gewonnen. Die Gespräche zwischen Goshn und GM endeten allerdings ergebnislos.

In einem Brief an DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche hat Kerkorian nun seine Offerte für Chrysler in Aussicht gestellt. Händlern zufolge ist damit der Anfang eines Wettbietens gemacht, die Höhe des Angebots dürfte aber kaum ausreichen. "Am Markt wurden ja schon Gerüchte von bis zu sieben Milliarden Dollar herumgereicht", sagte ein Börsianer.

Während der Hauptversammlung von DaimlerChrysler am gestrigen Mittwoch hatte sich Vorstandschef Dieter Zetsche vor rund 8000 Aktionären nicht konkret zu dem Thema geäußert. Offen blieb, ob der Dax-Konzern über einen kompletten Verkauf von Chrysler verhandelt oder sich möglicherweise nur von einem Teil des US-Autobauers trennen will. Das Management halte sich nach wie vor alle Optionen offen, um den "größtmöglichen Handlungsspielraum" zu haben, sagte der Vorstandschef.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa