China Kung-Fu-Rebellen geben auf

Der spektakuläre Kampf eines chinesischen Ehepaars gegen den Abriss seines Hauses ist beendet. Der Kung-Fu-Meister Yang Wu und seine Frau Wu Ping räumten das inmitten einer Baugrube stehende Gebäude und machten Platz für ein Einkaufszentrum. Die Hausbesetzer wurden zu einem Symbol für das neue Recht auf Eigentum.

Peking - Nach dreijähriger Auseinandersetzung haben Bagger in Südwestchina das Haus eines Kung-Fu-Meisters abgerissen, das zuletzt einsam aus einer 17 Meter tiefen Baugrube herausragte. Es sei zu einer Einigung zwischen der Baufirma und dem Besitzer und seiner Ehefrau gekommen, die seit Wochen medienwirksam um ihr Backsteinhaus gekämpft hatten, berichtete die Zeitung "China Daily" am Dienstag. Das Ehepaar Wu Ping und Yang Wu habe als Entschädigung eine ähnlich große Wohnung im Stadtzentrum akzeptiert und die Baustelle am Montag verlassen. In der Nacht seien die Bagger gekommen.

Das Haus hatte zuletzt als einziges Gebäude inmitten einer riesigen Baugrube für ein Einkaufszentrum gestanden. Über die Bemühungen des Paares, das Haus zu retten oder zumindest angemessen entschädigt zu werden, wurde in den chinesischen Medien viel berichtet. Wu und Yang wurden zu regelrechten Volkshelden im Kampf gegen die Folgen der rasanten Wirtschaftsentwicklung in China, im Zuge derer die Bedürfnisse der Bürger häufig das Nachsehen haben.

Das Ehepaar hatte Berichten zufolge das Entschädigungsangebot des Bauunternehmens abgelehnt und fünf Millionen Yuan (etwa 484.000 Euro) sowie ein vergleichbares Haus in der selben Gegend gefordert. Ob sie außer der neuen Wohnung auch eine Entschädigungszahlung erhielten, wurde nicht bekannt. Ein Gericht hatte für die kommende Woche die Zwangsräumung anberaumt, falls Wu und Yang nicht einlenkten.

Die Stadtregierung habe vermittelt, um sicherzustellen, dass die Auseinandersetzung "fair, gerecht und gesetzmäßig" ablaufe, sagte der Bezirksvorsteher Huang Yun. Experten sahen in der Sympathie für das kämpferische Paar ein Zeichen für die wachsende Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Enteignungen für große Bauprojekte. "Hoffentlich verhindert das neue Eigentumsgesetz in Zukunft solche Konflikte", sagte Zhao Wanyi, Professor an der Südwest-Universität für Politik und Recht. Das Backsteinhaus wurde in Internetforen heiß diskutiert und zum Symbol für das neue Eigentumsgesetz hoch stilisiert, das öffentliches und privates Eigentum erstmals gleichermaßen schützt.

Während der Kung-Fu-Meister beharrlich in dem Haus campierte, versorgte ihn seine Frau mit Lebensmitteln und hielt feurige Reden vor der Presse. Alle Nachbarn hatten ihre Häuser längst aufgegeben und die Entschädigung akzeptiert, die dem Kung-Fu-Meister aber zu niedrig war.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dpa

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