Daimler Gebote für Chrysler erwartet

Wenige Tage vor der Hauptversammlung von DaimlerChrysler laufen die Trennungsverhandlungen auf Hochtouren: Der Finanzinvestor Blackstone könnte schon bald ein Gebot für Chrysler vorlegen. Beobachter spekulieren, dass dann weitere Bieter nachziehen.

Stuttgart - Drei Interessenten stehen Medienberichten zufolge vor der Abgabe von Übernahmeangeboten für die US-Tochter der DaimlerChrysler AG . Das Private-Equity-Unternehmen Blackstone bereite sich darauf vor, sein Gebot möglicherweise noch heute vorzulegen, schreibt die "Detroit News" in ihrer Freitagausgabe unter Berufung auf mit der Situation vertraute Personen. Blackstone will sein Gebot gemeinsam mit Centerbridge Partners vorlegen.

Bis zum Freitagabend waren noch keine formellen Gebote bei DaimlerChrysler eingegangen. Verschiedene Personen aus dem Umfeld der Transaktion sagten jedoch, dass neben einem Gebot von Blackstone auch Gebote von Cerberus Capital Management sowie vom kanadischen Automobilzulieferer Magna erwartet werden.

Cerberus hat kürzlich den erfahrenen Automanager Wolfgang Bernhard an Bord geholt. Bernhard war zuvor Markenchef bei Volkswagen  und davor viele Jahre bei DaimlerChrysler tätig, wo er sich gemeinsam mit Dieter Zetsche um die Sanierung von Chrysler bemüht hatte.

Die Zeit drängt. Nach Angaben aus Branchenkreisen will DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche Angebote für Chrysler noch vor der Hauptversammlung des Konzerns am kommenden Mittwoch in Berlin (4. April) präsentieren.

Laut einer Studie der Investmentbank Goldman Sachs  wäre ein Verkauf von Chrysler an Finanzinvestoren für DaimlerChrysler ein günstiges Szenario, da Private-Equity-Investoren neben den Autoaktivitäten auch die Finanzierungssparte von Chrysler übernehmen könnten. Mit der Sondierung möglicher Käufer hat der Konzern die Investmentbank JP Morgen Chase beauftragt.

Gewerkschaften gegen PE-Einstieg

Gewerkschaften gegen Private-Equity-Einstieg

Der Wert von Chrysler ist umstritten, da auf dem Unternehmen hohe Zahlungsverpflichtungen für die Alters- und Gesundheitsversorgung der Mitarbeiter lasten. Offen ist deshalb, ob Daimler die US-Sparte samt dieser Lasten verkaufen kann oder zum Teil noch mit übernehmen muss. Chrysler schrieb zudem im Jahr 2006 einen Verlust von 1,1 Milliarden Dollar.

Unterdessen haben sich die Gewerkschaften UAW und CAW laut "Wall Street Journal" auf eine gemeinsame Strategie verständigt, um die Chrysler Group in dem deutsch-amerikanischen Konzern zu halten. Buzz Hargrove, der Präsident der kanadischen Automobilgewerkschaft CAW, sagte, dass die Gewerkschaften auf dieses Ziel hinarbeiten werden. Die deutsche Gewerkschaft IG Metall unterstütze die Strategie von CAW und UAW, hieß es weiter.

Die Gewerkschaften werden eine wichtige Rolle in dem Verkaufsprozess von Chrysler spielen. Arbeitnehmervertreter halten die Hälfte der Sitze im Aufsichtsrat der DaimlerChrysler AG. Mitglieder der drei Gewerkschaften lehnen die Übernahme von Chrysler durch eine Beteiligungsgesellschaft ab. Die UAW, CAW und IG Metall befürchten, dass dadurch mehr Stellen abgebaut werden.

Nach Angaben aus dem Unternehmensumfeld ist die Motivation, einen erneuten Sanierungsversuch von Chrysler zu unternehmen und die erneut kriselnde US-Sparte doch noch im Konzern zu behalten, innerhalb des Konzernmanagements äußerst gering. Sorge bereitet allerdings die Aussicht, dass Mercedes ohne den Chrysler-Ballast rasch Ziel einer feindlichen Übernahme werden könnte.

Analysten von Merck Finck haben die Aktie von DaimlerChrysler unterdessen mit "Kaufen" bestätigt. Der Konzern könnte sich eventuell noch vor der Jahreshauptversammlung am Mittwoch auf nur einen oder zwei potenzielle Käufer konzentrieren, schrieb Analyst Robert Heberger in einer Studie vom Freitag.

Die Aktie von DaimlerChrysler , die in den vergangenen acht Handelstagen mehr als zehn Prozent zugelegt hat, schwankte am Freitag kaum verändert um die Marke von 61 Euro.