Endesa-Poker Jeder gegen jeden

Im Übernahmepoker um Endesa ziehen die Parteien mittlerweile alle Register: Die EU verklagt Spanien wegen unzulässiger Auflagen für Eon und Enel kündigte an, Beschwerde gegen die sechsmonatige Angebotssperre einlegen zu wollen. Die spanische Börsenaufsicht gab unterdessen grünes Licht für den Deal zwischen Eon und Caja Madrid.

Madrid - Die EU-Kommission hat Spanien wegen seiner Auflagen für die vom Energiekonzern Eon  geplante Übernahme des spanischen Versorgers Endesa  verklagt. Die Wettbewerbsbehörde teilte am Mittwoch in Brüssel mit, weil Spanien sich trotz mehrfacher Mahnungen weigere, illegale Auflagen zu kippen, müsse nun das oberste EU-Gericht entscheiden. Die Kommission hatte Spanien verpflichtet, Auflagen für Eon aufzuheben, weil diese gegen EU-Recht verstießen. In dem Streit geht es auch um die Kompetenzabgrenzung zwischen europäischer und nationaler Wettbewerbsaufsicht.

Unterdessen erzielte Eon im Übernahmepoker einen Punktsieg: Die spanische Börsenaufsicht CNMV sieht kein rechtliches Hindernis im Zusammenrücken der Caja Madrid mit dem deutschen Energieriesen. Enel  hat angedroht, rechtlich gegen Caja Madrid wegen deren Vereinbarung mit Eon vorzugehen. Die beiden Firmen haben vereinbart, dass Caja Madrid ihren Anteil an Endesa von 9,9 Prozent in zwei Jahren an Eon verkaufen kann. Auch Enel will Endesa übernehmen und arbeitet dabei mit Acciona  zusammen.

Darüber hinaus kündigte Enel an, gegen die Sechsmonats-Angebotssperre für ein eigenes Endesa-Übernahmeangebot Beschwerde einzulegen. "Wir werden Klage gegen die CNMV einreichen. Ich denke, dass es im Sinne des Marktes ist, das Gebot aufrecht zu erhalten", erklärte Vorstandschef Fulvio Conti am Mittwoch in Rom.

Derzeit bietet Eon für den spanischen Versorger. Am Freitag hatte die spanische Börsenaufsicht entschieden, dass Acciona und Enel innerhalb der kommenden sechs Monate kein Übernahmeangebot für Endesa abgeben dürfen.

Sollte sich Eon mit einer Minderheitsbeteiligung begnügen, ist Enel im Falle einer eigenen Übernahme von Endesa zu Gesprächen bereit. "Wenn Eon eine Minderheitsbeteiligung an Endesa behalten will, können wir darüber sprechen", sagte Conti weiter. "Niemand hat ein Interesse daran, Unternehmenswert zu vernichten."

Angeblich mehr als 10 Prozent gesichert

Angeblich mehr als 10 Prozent gesichert

Unterdessen soll sich Eon einem Zeitungsbericht zufolge direkt und indirekt deutlich über 10 Prozent der Anteile an Endesa gesichert haben. Das berichtet zumindest die "Rheinische Post" (Mittwochausgabe) unter Berufung auf Verhandlungskreise.

Die spanische Zeitung "El Pais" berichtet zudem am Mittwoch in ihrer Internetausgabe, dass Eon Caja Madrid mehr als 29 Millionen Euro für die Unterstützung ihres Gebots gezahlt habe. In einem Brief von Caja Madrid an den Düsseldorfer Konzern habe das spanische Institut Gebühren für ihre Unterstützung der Endesa-Offerte gefordert. Caja Madrid und Eon hatten am Montag eine Swap-Vereinbarung für die Übertragung des rund zehnprozentigen Anteils von Caja Madrid an den deutschen Versorger getroffen. Bei Eon war den angaben zufolge am Mittwochmorgen keine Stellungnahme zu erhalten.

In einem anderen Pressebericht heißt es, dass der Endesa-Verwaltungsrat prüfe, die kombinierten Stimmrechte von Acciona und Enel auf 10 Prozent zu beschränken. Dies berichtet das spanische Wirtschaftsmagazin "Expansion". Enel hält direkt und durch Swap-Vereinbarungen knapp 25 Prozent an Endesa, während Acciona einen Anteil von 21 Prozent hat. Die Endesa-Satzung begrenzt demnach den Stimmrechtsanteil eines einzelnen Aktionärs auf 10 Prozent, weshalb Enel und Acciona theoretisch jeweils 10 Prozent der Stimmrechte haben. Allerdings würde die Satzung den kombinierten Anteil auf 10 Prozent begrenzen, wenn zwei oder mehr Unternehmen direkte Konkurrenten von Endesa sind oder gemeinsam handeln, schreibt das Magazin unter Berufung auf Endesa nahestehende Quellen.

manager-magazin.de mit Material von reuters und dow jones und dpa

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